Hinter mächtigen Mauern - Neidet nicht, feilscht nicht

Aus GaretienWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Efferd-Heiligtum der Korallengärten zu Perricum, Anfang Ingerimm 1035 BF

Umgeben von Seerosen, unter denen die Korallen im Wasser funkelten, war auf einer künstlichen Insel im Schatten hoher Platanen eine lange Tafel aufgebaut, die von zwei schmucklosen Bänken flankiert war. Auf der einen Seite saßen Vertreter des Rates der Stadt, auf der anderen Seite Vertreter aus dem Umland, so etwa Zordan von Rabicum, dem das Gespräch zu verdanken war.

Eben erläuterte Wallgrîn von Perricum die Forderungen der Stadt: »Seht, die Flotte ist ein lebendiger Bestandteil der Stadt Perricum, seitdem das alte Nebachot gefallen war. Die Stadt ist auf die Bedürfnisse der Flotte eingestellt, wie auch die Flotte sich auf die Gegebenheiten der Stadt eingerichtet hat. Ein eigener Kriegshafen wurde errichtet - mit erheblichen Mitteln aus der Stadtkassa -, eben weil sich nicht alles immer an die Änderungen der Zeitläufe ad hoc anpassen lässt. Manches braucht Zeit, manches muss über die Jahre korrigiert werden, alle Interessen finden nach gutem Willen und ausreichender Zeit ein Gleichgewicht. das Geben und Nehmen befriedigt beide Parteien. Wir nennen es Handel.«

»Verstanden«, warf Zordan ein, »doch wollt Ihr doch eingreifen in das Lehnsgefüge, wozu Ihr als Bürgerliche keinerlei Berufung habt.«

»Da mögt Ihr recht haben oder auch nicht«, antwortete Yargunde von Barûn-Bari. »Wir stellen zwei Dinge fest: Erstens dass des Kaisers Krone über der Mauerzier unseres Wappens prangt, alldieweil die Reichsstadt sehr wohl Teil des Lehnswesens ist und der Kaiserin direkt gehorcht. Immerhin haben wir eine eigene Bank auf dem Großen Hoftag, genau wie die Provinzherren. Ihr müsst nicht grummeln, es ist so. Zum Zweiten stellen wir fest, dass wir alles tun werden, um den Feldzug gegen Haffax mit Erfolg zu versorgen. Dazu gehört, nach allen Planungen, dass die Stadt einem Angriff Haffax‘ von Land und von See wird trotzen müssen. Von Land hat nicht einmal er eine Chance - es bedarf schon eines Eingreifens der himmlischen Leuin, um diese Mauern zu überwinden! Jedoch muss einem Angriff von See eine schlagkräftige Flotte begegnen. Diese aufzubauen, wird die große Anstrengung der kommenden Zeit sein. Und diese große Flotte wird die Kapazitäten des Kriegshafens übersteigen und auf den Handelshafen ausweichen. Schon jetzt beeinträchtigt die Versorgung der Flotte mit Holz den Verkehr im Handelshafen, weil die Holzflöße am Kriegshafen wegen der Strömung nicht klariert werden können. Mithin entgeht der Stadt - und damit der Krone - eine große Summe an Handelseinnahmen.«

»Deshalb«, sprang Haugmina Tsamuthe Schöllingh bei, »fordern wir entweder mehr Gestaltungsmacht im direkten Umland - unter Wahrung aller Verträge und Lehnsbeziehungen - oder Verfügung über den möglichen Ausweichhafen Dergelmund als ergänzenden Handelshafen. Die Anleger der ehemaligen darpatischen Flottille beispielsweise reichen nicht für kaiserliche Zwecke, wohl aber dem Handel. Die Eingemeindung wäre nicht ohne Beispiel: Gareth ist ganz ähnlich verfahren, die Städte Meilersgrund und Rosskuppel desgleichen.«

»…und heute herrscht dort ein ominöser Rat der Helden, der auch Herumtreiber in seine Reihen aufnimmt«, brummte der markgräfliche Heermeister unwillig in seinen sauber gestutzten Bart.

»Euer Beispiel hinkt jedoch ein wenig, werte Dame«, warf der neben dem Firunslicht sitzende Wallbrord von Löwenhaupt-Berg ein. »Wenn ich mich recht entsinne, dann lagen Meilersgrund und Rosskuppel auch vor der Eingemeindung bereits in der Kaisermark und unterstanden somit gleich in dreifacher Hinsicht dem Inhaber der Reichsgewalt, einmal als Kaiser, einmal als König Garetiens und einmal als Herr der Kaisermark, die Markvögte sind ja nur, wenn auch recht bedeutende, Verwalter und keine Lehnsnehmer im eigentlichen Sinne. Und die Burggrafen sind ebenfalls lediglich Verwalter kaiserlicher Lande. Kurzum, damals wurden die Rechte von Provinzherrschern, Grafen oder Baronen nicht verletzt. Im hier behandelten Falle sähe dies jedoch gänzlich anders aus, falls Hochgeboren Efferdane nicht freiwillig auf ihre Ansprüche verzichtete.«

»Und wie sollte Eurer Meinung nach die Baronin zu Bergthann für den Verlust der Stadt entschädigt werden? Denn selbst wenn sie sich Eurem Ansinnen gegenüber aufgeschlossen zeigte, so wird sie doch wohl gewiss entsprechende Kompensationen verlangen. Abgesehen davon braucht es in meinen Augen nicht allzu viel Phantasie, um vorherzusagen, dass eine solche 'Enteignung' unter dem Adel der Provinz für einige Unruhe sorgen dürfte. Dessen Befürchtungen, dass es nicht bei diesem Einzelfall bliebe, dürften nicht so einfach zu zerstreuen sein.«

»Unser Anliegen ist nicht gegen den Adel Perricums gerichtet, auch nicht gegen den Markgrafen - dessen Meinung zu der Angelegenheit sowieso von hohem Interesse wäre - sondern dient nur dem Wohl der größten Stadt des Kaiserreiches am Perlenmeer, mithin der Kaiserin, den inneren Provinzen und der Markgrafschaft daselbst«, schloss Wallgrîn von Perricum. »Die Baronin von Bergthann erhält zunächst dieselben Leistungen aus der Freien Stadt wie vorher. Für sie ändert sich nichts, bis dass die Reichsfreiheit greift. Was wir verlangen, trotzt keinem Recht und bricht es nicht.«

»Nun, was dem Wohle der Provinz am besten dient, sollte seine Erlaucht beurteilen«, erwiderte Wallbrord kühl. »Ich stimme Euch aber zu, dass es für uns alle hier hilfreich wäre, zu wissen, wie der Markgraf zu alledem steht. « 

»Im Übrigen sollten wir später noch eine Angelegenheit erörtern, die, denke ich, gleichfalls für alle Beteiligten von Belang sein und von uns wohl auch eigenverantwortlich geklärt werden könnte: Das Rechtsverhältnis zwischen dem Rat der Reichsstadt und seinen Bediensteten auf der einen und den Amtsträgern und Bediensteten des Markgrafen auf der anderen Seite innerhalb der Stadt.«

Nun hob Wallbrords Nachbar am Tisch und Vorgesetzter mit knapper Bewegung die Hand, um dem Oberst Einhalt zu gebieten und dann selbst wieder das Wort zu ergreifen. »Natürlich gibt es einige Dinge, die beizeiten einmal auf den Tisch kommen müssen – und der Umgang zwischen der Stadt und Leuten des Markgrafen gehört dazu. Wir sollten aber tatsächlich nicht aus den Augen verlieren, was ihr eben angedeutet habt, Wallgrin: Unser Feind ist Haffax. Und er ist ein Feind, der uns viel abverlangen wird, selbst wenn wir zusammenstehen. Wir werden alles brauchen, was das Reich aufbieten kann, um ihm zu begegnen. Das hat er oft genug bewiesen. In solchen Zeiten ist nicht der Augenblick, um an Profit zu denken, denn eine Niederlage könnte die gesamte Existenz kosten. Selbst wenn diese Mauern anders als der Molchenberg in Warunk und die eisernen Mauern von Wehrheim nicht bezwungen werden können sollten …«, der Heermeister hob seine Stimme zum Zweifel, bevor er fortfuhr, »… so ist die Stadt Perricum ohne Umland und einen freien Darpat nichts weiter als ein schwierig zu versorgender Brückenkopf mehr, mithin würde vermutlich der Einfluss der Kirche des Götterfürsten durch den der Leuin ersetzt.« Aldrons Stirnfalte war in der Zwischenzeit leicht angewachsen und er fixierte die einzelnen Ratsmitglieder eindringlich.

»Die Wichtigkeit, die Stadt zu halten, bestreitet sicherlich niemand hier, ist sie doch der letzte unproblematische Zugang des Reiches zum Perlenmeer. Aber die Schlacht um Perricums Freiheit wird nicht nur auf See gewonnen, sondern auch im Umland. Den Punkt dürft ihr nicht vergessen. Außerdem stelle ich nochmals fest, dass auch die Schatulle des Markgrafen belastet wird durch die Kosten, die die Flotte der Kaiserin verursacht. Und obwohl diese Flotte nicht unerheblich auch den Handel der Stadt schützt, ebenso wie die Wacht am Arvepass, auf den Straßen und Wegen, den Furten, ist es bislang niemandem eingefallen, dafür irgendwelche Rechte innerhalb der Stadtmauern zu verlangen. Das widerspricht dem, wie die Welt gefügt ist – ebenso wie städtische Begierden gegenüber Adelsvorrechten. Wenn angefangen wird, diese Ordnung zu verschieben, dann ist bald alles dahin und die Schwarzen Knechte haben gewonnen, bevor auch nur ein Tropfen Blut geflossen ist. Daher sage ich: Neidet nicht, feilscht nicht - sondern gebt, was nötig ist, um Haffax zu bezwingen. Gebt, was ihr geben könnt, um auch die Stadt Perricum zu retten!« Um seine Rede zu unterstreichen deutete er abwechselnd auf den Stadtmeister, die Schöllingh und die Barûn-Bari.

Jene lächelte überlegen und entgegnete schnippisch: »Ihr sagt es: Neidet nicht, feilscht nicht - sondern gebt, was nötig ist, um Haffax zu bezwingen. Die Stadt wird das Thema auf dem Großen Kabinett vortragen und dort eine Empfehlung an die Krone aussprechen lassen. Dann mag die Kaiserin entscheiden.«

GG&P-Con 2012 Garetien-, Greifenfurt- und Perricum-Con 2012

Dieser Artikel verweist auf die Handlung des GG&P-Cons 2012.