Heißen ihre Klingen - Mit Ilkors Sohn auf Du und Du

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Wiesenschlösschen, Ende Rahja 1035 BF

Ein Lichtstrahl schlich sich durch die kleine Tür und wurde immer breiter, dann verhüllte ein riesiger Körper den Lichtschein fast vollständig. Nun aber leuchteten die Augen im Gesicht des Zwergengrafen und ein Grinsen stahl sich in den Rauschebart. "Der kleine Leobrecht vom Berg!", rief er und eilte mit seinen kleinen Beinchen durch die Halle auf den gebeugten Riesen zu, der in diesem Moment schmerzhaft gegen einen Deckenbalken der sogenannten "Großen Halle" im Wiesenschloss stieß.

"Ach setzt Dich doch, wenn Du dich umhaust, kann Dich keiner raustragen", der Graf versuchte des Riesens Hand mit seinen beiden Händchen zu umschließen und führte ihn zu einem niedrigen Tisch mit zwei robusten Stühlen, "treibt es Dich mal wieder in den Wall?"

Durch einem Wink des Grafen wurden Bier und Ochsenschinken aufgetischt, Leobrecht nahm einen tiefen Schluck und wischte sich - ebenso wie der Graf - den Schaum aus dem Rauschebart, "Graf Ingramm, hochwohlgeboren, mein lieber Freund.", der Ritter wandte sich sichtlich um die richtige Anrede.

Eigentlich war es komplizierter geworden, seit er letztes Jahr eher zufällig in der Villa Hartweil mit dem Grafen zusammengetroffen war. Linnart, der Hausherr, hatte ihn am nächsten Morgen grinsend geweckt, "Du bist jetzt mit dem Grafen per Du". Leobrecht war sicher gerne geradeheraus, doch es gab gewisse gesellschaftliche Konventionen in seiner Erziehung und eine Duz-Freundschaft mit einem Grafen gehörte ebenso wenig dazu wie ein solch hemmungsloses Besäufnis.

"Eigentlich wollte ich zu Euch ... äh Dir", der Ritter biss sich auf die Unterlippe, "ich interessiere mich für eine Waffe aus Deiner Sammlung."

Ingramms Augen blitzten erneut vor Freude, "Welche? Ich konnte letztens 'Wildsau' erwerben. Viele Jahre war es das Familienschwert der Baerfolder, aber eigentlich soll der Stahl eine Beute aus der greifenfurtschen Besiedlung sein. Wie gut muss der Arbach geschmiedet gewesen sein, dass die Bärfolder die Klinge glätten und den Griff umarbeiten ließen! Oder vielleicht die 'Ala de la Muerte', der Säbel Eures Vetters Wulf Degenhardt? Die wird es sein. Ist zwar neuzeitlich, aber ein beeindruckendes Stück Schmiedekunst, über der ein Hauch des Rabens zu schweben scheint. Konnte ich aus den Schwarzen Landen bergen lassen und ich wäre bereit, Dir diese zum Unkostenpreis mit einer nur geringen Gewinnmarge zu überlassen...", jetzt war der Graf in seinem Element und würde wahrscheinlich bis tief in die Nacht von seinen Waffen erzählen.

Der Ritter wollte sich nicht ausmalen, welches Ergebnis ein zweites Besäufnis mit dem Grafen haben könnte. Er schüttelte den Kopf, "'Feuerschlag', ich suche 'Feuerschlag' - oder alles was Du zu ihren Schwesterklingen weißt."

Der Graf wurde abrupt merkwürdig still, zu still.

Leobrecht tat, als merke er es nicht und griff scheinheilig bei Schinken und Bier zu.

Nach einem grimmigen Pfiff setzte der Graf an - und schwieg sofort wieder. Er trank einen Becher leer und setzte nochmal an.

"Wie sag ich es durch die Gemme?", noch ein Pfiff, "Ich hatte ein sehr gutes Angebot in einer Zeit in der ich meinem Amtsbruder Luidor dringend ein paar Dukaten leihen musste - nur meine waren in anderen Projekten gebunden."

Der Ritter ließ die breiten Schultern hängen, "Wer war der Käufer?"

"Ein Mittelsmann, Gerwulf Dreudwinder aus Wasserburg, ich kenne ihn über seine Familie, die mir seinerzeit bezüglich eines Kaufes von 'Ogerstark' ein Angebot gemacht hatte. Das war aber damals wirklich unbezahlbar, mein Bargeld steckte im Waffengeschäft für Barduron."

"Moment, Väterch... Ingramm. Wieso 'Ogerstark'? Ogerstark! Wisst Ihr denn nicht, dass diese Klinge seit Jahrhunderten verschollen ist?"

"Doch, darum war sie ja so teuer", jammerte Ingramm und pfiff einen Mollakkord.

"Dreudwinder aus Wasserburg sagst Du?", der Hüne glühte innerlich. Endlich eine Spur, wenn auch nicht gerade eine warme. "Die hatten damals 'Ogerstark'? Wann?"

"Das war so ... damals war ja Tedesco Graf in Perricum", rechnete der Zwerg.

"Tedesco?" Der Hüne leerte seinen Humpen, wie um das Glühen zu löschen. "Tedesco von Perricum, das war in den Kaiserlosen Zeiten. Das ist lange her".

"Ja, ja. Ich weiß. Als dann Perval nach Perricum kam, hatten die Dreudwinder das Schwert auch nicht mehr. War mit Tedesco verschwunden."

"Wieso mit Tedesco? Ingramm, lass dir doch nicht alles aus dem Bart wühlen!"

"Der Graf soll es erworben haben. Angeblich soll er in den damaligen Unruhen das Schwert einem treuen Vasallen gegeben haben. Genaues ließ sich nicht ermitteln. Glaub mir, ich habe jemanden geschickt. Einen Geschickten! Aber als ich dann 'Feuerschlag' bekommen konnte, das war auch in der sogenannten Zeit ohne Kaiser, als das Schwert in Gareth gefunden wurde, da war ich über den Verlust von 'Ogerstark' hinweg. Schade eigentlich, ich hätte weiter suchen lassen sollen, dann besäße ich heute vielleicht noch wenigstens eines der Schwerter der Goldenen Au ..." Graf Ingramm pfiff und senkte seinen Kopf über den Humpen, dass der Ton immer dunkler klang, dann trank er das Bier in einem Zug.

Prankhold beugte sich vor und goss beiden nach, dann fragte er wieder innerlich glühend: "Ingramm, als 'Feuerschlag' in Deinem Besitz war, hast Du da etwas seltsames gespürt? Hast Du eventuell ..." und beide sprachen sie über die Kraft mancher Klingen zu reden. Und dabei leerten sie nicht nur einen weiteren Humpen ...

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Leobrecht erwachte verwirrt, stand auf und stieß sich den Kopf an der Hallendecke. Er hatte einen Kater - angesichts des leeren Fasses kein Wunder. Es war wieder passiert - er hatte sich mit Ingramm besoffen, beim letzten Mal waren sie beim Du gelandet. Und diesmal...?

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27. Rah 1035 BF zur abendlichen Phexstunde
Mit Ilkors Sohn auf Du und Du
Mondenglanz‘ Tochter

Kapitel 3

Schwanenfeders Herr
Autor: VolkoV, BB