Heißen ihre Klingen – Die Acht Märtyrer

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Reichsstadt Alt-Gareth, Hesinde 1040 BF:

Von vier Mannen, rot und gold,
Bürger Gareths, stark und hold,
möchte ich nun singen:
Seelensäufer, Mondenglanz,
Blutschwester und Totentanz,
heißen ihre Klingen.

Von vier Mannen, rot und gold,
Bürger Gareths, stark und hold,
nimmer sie heim kamen:
Eboreus, Emmeran,
Vitubus, Lucian,
waren ihre Namen.

Von vier Maiden, rot und gold,
Bürger Gareths, stark und hold,
möchte ich nun singen:
Schwanenfeder, Ogerstark,
Schwingenrauschen und Feuerschlag,
heißen ihre Klingen.

Von vier Maiden, rot und gold,
Bürger Gareths, stark und hold,
nimmer sie heim kamen:
Palinai, Duridanya,
Yasinthe, Celissa,
waren ihre Namen.

Von acht Helden, rot und gold,
Bürger Gareths, stark und hold,
möchte ich nun singen:
Auf dem Weg nach Bosparan,
Horas bittend stolz voran,
in den Tod sie gingen.

- Lied der Goldenen Au

Fröhlich die Melodie summend, überblickte Danos Grauweis den nun vollends rekonstruierten Liedtext über die Acht Märtyrer und klappte zufrieden das in Leder gebundene Büchlein zu. Der alte Gelehrte war sichtlich stolz auf sein Werk. Seit dem Ersten Konzil der Wissenden im Hesinde-Kloster St. Ancilla vor drei Götterläufen, ließ ihn die Thematik rund um die Acht Märtyrer und ihren Schwertern keine Ruhe. Emsig sammelte er jede auch noch so kleine Information darüber, studierte alte Archiveinträge und schickte so manches Mal unerschrockene Recken in die Tiefen und Abgründe der Kaiser-Metropole Gareth. Er selber war kein Mann der Feldarbeit, dies überließ er anderen.

Die Acht Märtyrer, das waren freie Bürger Gareths gewesen, die auszogen um vor Hela-Horas die bedrückenden Lasten zu beklagen, unter die Gareth gelitten hatte. Diese Geschichte kannte jedes Kind. Die wahnsinnige Kaiserin verbrannte die acht Helden auf dem Scheiterhaufen. Dies war der Anfang vom Ende des Alten Reiches. An seine Stelle sollte wenig später das Neue Reich treten. Eine Zeitenwende!

Doch was passierte mit den sagenumwobenen Schwertern der Märtyrer? Da sie nicht mit ihren Trägern vernichtet wurden, lag der Gedanke nahe, dass sie damals nicht mit nach Bosparan betragen wurden. Sie wurden ein Symbol für die gerechte Herrschaft über das Land, die mit dem Schwur Rauls des Großen am Altar von Korgond ihre Erfüllung fand. Seither führten unzählige Recken und Maiden einige der heiligen Waffen. Das ein oder andere Schwert blieb jedoch auch über viele Jahrhunderte verborgen. Doch nun hatten sich alle wieder offenbart und sich ihre Träger erwählt. Die Zeit war gekommen, denn das Reich war wieder mitten im Umbruch!

Die Nachforschungen des Gelehrten legten nahe, dass die Schwerter beseelte Artefakte waren, die einen besondere Verbindung mit ihren Trägern eingingen. Einige waren einzelnen Göttern geweiht. Jedes der Schwerter führte seinen Träger zu einer bestimmten Landmarke im Königreich, als sei das Land dort mit dem Schwert besonders tief verbunden. Zogen die Schwerter ihre Kraft aus diesem Landstrich? Immer und immer wieder soll es die Träger dorthin ziehen. So verhielt es sich zumindest mit dem Schwert Seelensäufer und seinem Träger Leomar von Zweifelfels. Grauweis stand im regen Austausch mit dem Gelehrten Salpion Hoogensiel, der sich am Hof des Neerbuscher Kronvogtes aufhielt. Laut Meister Salpion war Leomar in den Finsterkamm gezogen und seltsam verändert wiedergekommen. War er vorher eine ausgehöhlte und inhaltsleere Hofschranze gewesen, so interessierte er sich nun mehr für die alten Legenden über das Land und den Bund von Korgond. Er folgte nun den alten Gesetzen der gerechten Herrschaft – auf seine eigene, urtümliche, gar archaisch anmutende Art und Weise.

Doch eines der alten Schwerter der Goldenen Au zu führen war auch eine Bürde. So berichtete Meister Salpion von absonderlichen Verhaltensweisen seines Herren. Der Kronvogt wirkte mitunter seltsam abwesend. Es war, als zehre das Schwert an der Seele seines Trägers. Auch hörte Leomar Stimmen die ihm ununterbrochen etwas zuflüsterten. Waren das die Stimmen der vormaligen Träger? Welch Quell an alten, längst verloren geglaubten Wissen - wenn man in der Lage war diese Stimmen richtig zu deuten. Auch wenn nicht klar war, wie Kronvogt Leomar zum Besitzer des Schwertes geworden war, so hatte ihn Seelensäufer offensichtlich dennoch als Träger erwählt – mit all seinen Konsequenzen.

Die anderen Alten Schwerter der Goldenen Au waren nicht minder geheimnisumwittert: Von Mondenglanz war bekannt, dass es seinen Träger immer im Umfeld einer Schlacht wechselte. So geschah es erst kürzlich in der Schlacht bei Zwingstein, wo Yosmina Belona von Isppernberg-Sommerheide glorreich den Heldentod fand und das Schwert Praigold von Nadlau erwählte. Viel war sonst nicht über Mondenglanz bekannt, außer das der Zweihänder Phex geweiht wurde. Doch bestand die Weihe schon seit den Tagen der Acht Märtyrer, oder wurde es nachträglich, gar Jahrhunderte später, dem Fuchsgott geweiht?

Schwanenfeder wiederum, wurde seit vier Generationen von den Oberhäuptern der Familie Rossreut getragen. Warum das Bastardschwert ausgerechnet diese, an sich eher unbedeutende Waldsteiner Niederadligenfamilie, immer und immer wieder erwählte lang im Dunkeln. Was für ein Geheimnis verbargen die Rossreuts? Welche Verbindung bestand zwischen ihnen und den firunheilligen Schwert?

Das Praios geweihte Totentanz war allseits bekannt und nicht minder gefürchtet, war es doch das niederadlige Richtschwert des Königreichs. Wie es hieß, musste ein neu ernannter garetischer Scharfrichter für das Schwert Totentanz im Kloster St. Anselm Praiodan XXI die Schädel von Boron gefälligen fünf Mördern hinterlegen, die er eigenhändig abgeschlagen hatte. Starb der Königliche Halsmeister oder legte sein Amt nieder, so gab die Krone das Pfand zurück, auf dass die Seelen dieser Mörder den Scharfrichter vor ihresgleichen beschützen mochten. Ein interessantes Detail war die abgebrochene und nunmehr rundgeschliffene Spitze des Anderthalbhänders. Parallelen zu den neuerlichen Ereignissen am Sternenhimmel mögen reich zufällig sein. Oder etwa nicht? Des weiteren fand Meister Drauweis heraus, dass Totentanz erst durch Priesterkaiserin Amelthona Praiadne I. dem Götterfürsten geweiht wurde. War das Schwert vorher profan, oder war es gar einer anderen Gottheit geweiht?

Über Blutschwester konnte der Gelehrte nur sehr wenig herausfinden. So soll es dem nach Blut dürstenden Kor geweiht sein. Alter Legenden sagen, das Schwert würde seine Kraft aus dem Blut des Trägers ziehen. Ein Grund, warum das Schwert nie lange bei einem Träger verweilte? Auch soll Blutschwester in irgendeiner Weise mit dem Perlenmeer in Verbindung stehen. Zu gerne hatte Danos die neu erwählte Trägerin befragt, doch war diese unauffindbar. Forderte Blutschwester schon ihren Tribut?

Feuerschlag hingegen war in vieler Hinsicht eine Besonderheit, denn es war keiner Gottheit geweiht. Der geflämmte Zweihänder bestand aus einer leicht rötlich glänzenden Stahllegierung und war immer noch so scharf , wie vor über tausend Jahren. Barden berichteten sogar, dass Feuerschlag, wenn richtig geführt wurde, durch jede stählerne Rüstung schnitt wie durch Butter. Das Schwert war über 100 Götterläufe in Besitz des Schlunder Grafen gewesen und erwählte sich vor drei Götterläufen den Greifenfurter Ardo von Keilholtz als neuen Träger. Wird er in der Lage sein, Feuerschlag richtig zu führen und so die Kräfte des Schwertes entfesseln können?

Der mächtige zweihändige Krummsäbel Ogerstark scheint eine Verbindung zu den Trollzacken zu haben. Jedenfalls lassen dies die Questen des erwählten Trägers Leobrecht Prankhold vom Berg schließen. Bekanntester Träger war kein geringerer als des Reiches Verweser Tedesco von Perricum, den das Schwert ebenfalls während einer Zeitenwende, der Kaiserlosen Zeit, erwählte.

Das wohl geheimnisvollste Schwert war zweifelsohne Schwingenrauschen, das Schwert des ewigen Wächters des Tempels von Korgond. Legenden besagen, das Schwert habe die Macht, die anderen Schwertträger zu sich zu rufen. Es ist anzunehmen, dass Schwingenrauschen das wohl bedeutendste Schwert der Alter Schwerter der Goldenen Au war.

Meister Grauweis starrte gedankenverloren auf sein in Leder gebundenes Büchlein. Etwas machte in stutzig. Wie es schien, waren die heiligen Schwerter zu Anbeginn keiner Gottheit geweiht, zumindest lag dies nahe. Die Weihe von Totentanz fand nachweislich erst während der Priesterkaiserzeit statt, auch Mondenglanz schien erst im Laufe der Geschichte dem nächtlichen Phex geweiht worden sein. Die Macht, die sich hinter Seelensäufer verborgen hielt, war gänzlich unbekannt. Welcher urtümlichen Kraft folgten die Schwerter vor ihrer Weihe? Oder waren es einfach nur schlicht profane Waffen gewesen, deren Macht mit der Zeit durch eine Weihe gestärkt werden sollte?

Auch schien es einen Unterschied zwischen Besitzer und Träger eines der Alten Schwerter der Goldenen Au zu geben. Ein jeder konnte eines der Schwerter besitzen, doch war es das jeweilige Schwert, das seinen Träger erwählte und so diesem die wahre Macht des Schwertes offenbarte.

Doch zurück zu den Acht Mätyrern. Auch hier war der weise Gelehrte auch auf Widersprüchliches gestoßen. Sicherlich, Gareth war voll von Schreinen und Gebetsnischen für die tapferen Helden, doch förderten die Forschungen des alten Gelehrten auch Erschreckendes zu Tage: So zeigten Zeichnungen von wiederentdeckten Statuen der Acht Märtyrer, die seine emsigen Helfer anfertigten, absonderliche Details. Die Statuen schienen absichtlich an einigen Stellen beschädigt, gar verstümmelt worden sein. Wie dem auch sei, Meister Grauweis würde die Ergebnisse seiner Forschungen, die er in dem kleinen Büchlein niedergeschrieben hatte, mit dem Abt von St. Ancilla diskutieren.

Ein lautes, hölzern-dumpfes Pochen an der Tür riss den alten Mann aus seinen Gedanken. Für sein Alter geschwind, erhob sich der Gelehrte und öffnete die Tür. Vor ihm stand ein junger Ritter mit gezogenen Schwert.

„Ihr habt gute Arbeit geleistet, allerdings anders als Ihr denkt!“

Mit diesen Worten durchbohrte das Schwert des jungen Ritters den alten Gelehrten. Abfällig schaute der Jüngling auf den im eigenen Blut liegenden Alten, nahm das in Leder gebundene Büchlein und verschwand.

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...
12. Die Acht Märtyrer
Die Acht Märtyrer

Kapitel 12
« Schwertträger Ein neuer Henker »
Briefspiel in der Kaisermark
Zeit: 7. Phe 1040 BF
Autor: Bega
Dieser Text ist auch Teil folgender weiterer Briefspielreihen:

« Der Schwarze Ritter

Kapitel 3
Bei der Schlange vom Darpat »