Heerzug wider die Finsternis - Teil 23

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Dramatis personae:

u.a.

Burg Leihenbutt, 13. Ron. 1032 BF, kurz nach Sonnenuntergang

Ederlindes Todesschrei war weit über das Schlachtfeld zu hören, als der Käfig in die Tiefe stürzte.

„NEEEEEEEIIIIIIIN!“ rief Nimmgalf verzweifelt, als er seine Verlobte fallen sah. Immer schneller werdend näherte sich der Holzkäfig dem felsigen Boden vor dem Bergfried.

„PARALYSIS!“ rief da eine Stimme, die Nimmgalf nicht näher orten konnte. Einer der Magier von den Pfeilen des Lichtes hatte sich todesmutig bis auf wenige Schritt dem Bergfried genährt. Im nächsten Moment schlug der Käfig hart auf und zerbarst in hundert Teile. Ederlinde wurde in hohem Bogen herausgeschleudert, verharrte jedoch stocksteif in der Haltung, die sie noch kurz vor dem Aufprall innehatte.

„Sie lebt noch! Rasch, bringt sie in Sicher…“ weiter kam der tapfere Magier nicht. Mit einem ekelhaften Knacken bohrte sich ein Balestrabolzen tief in seiner Stirn. Ein Blick auf die Burgmauern zeigte Nimmgalf, dass diese Dämonenbuhle von Simiona gerade ihre verfluchte Torsionswaffe nachlud, mit der sie schon zahllosen Menschen den Tod gebracht hatte. Der nächste Bolzen traf das linke Auge des Magiers.

Der Mann, der gerade wahrscheinlich Ederlindes Leben gerettet hatte, brach in die Knie und fiel vorneüber zu Boden. Nimmgalf konnte noch beobachten, wie Ederlinde nach dem Ableben des Magus wider beweglich wurde, und von zwei Schildträgern der Reichsforster Liga vom Schlachtfeld in vermeintliche Sicherheit gebracht wurde.

Der Heerführer verspürte nun eine Mischung aus Zorn und Erleichterung zugleich. Er zog die Trollklinge blank, und brüllte Befehle über das Schlachtfeld, um wieder Ordnung ins Chaos zu bringen, doch die Streiter der Verbündeten hatten dem fürchterlichen Gemetzel kaum etwas entgegen zu setzen. Überall ringsum waren seine Streiter in erbitterte Kämpfe verwickelt. Immer wieder fielen Feuerbrände herab, und verbrannten Mensch und Tier, die qualvoll verendeten. Nimmgalf beobachtete, wie ein paar Schritt vor ihm Hauptmann Adhumar von Rosshagen von einem Karmanath im Sprung aus dem Sattel gerissen wurde. Rasch wollte er ihm zu Hilfe kommen und trieb Finstermähne voran, doch dabei bemerkte er wieder den rötlichen Schimmer auf der Trollklinge. Die von Simiona herbeigerufenen Rattenscharen schienen ihn zu meiden, ja sie bildeten regelrecht eine Zone, in der sie nicht näher als zwei Schritt an ihn heran kamen. Selbst die großen Exemplare nahmen quiekend Reißaus, wenn er die die Trollklinge in ihrer Nähe schwang. Für den Karmanath galt die allerdings nicht. Immer noch hielt er Hauptmann von Rosshagen fest in seinem fürchterlichen Biss. Als Nimmgalf sich nahe genug befand ließ er die Klinge auf den Höllenhund herab sausen. Mit einem lauten Jaulen ließ dieser von Adhumar ab, doch nicht ohne zuvor seine starken Kiefer zuschnappen zu lassen und ging in Lauerstellung. Nimmgalf sprang von Finstermähne herab und nahm seine Verteidigungshaltung ein, indem er den Schild fest anpresste. Der Dämon sprang ihn an, doch es gelang dem Baron trotz seiner Rüstung unter ihm wegzutauchen. Dabei versetzte er der Kreatur einen deftigen Passierschlag. Es zischte, als die Trollklinge durch das Dämonenfleisch schnitt.

Die archaische Waffe schien gegen Dämonen eine weitaus stärkere Wirkung zu haben als normale Klingen. Der Dämon bemerkte dies und agierte vorsichtiger. Lauernd umkreiste er den Heerführer, zuckte ein paar mal vor, brach dann aber wieder ab. Schließlich setzte der Karmanath erneut zum Sprung an, doch Nimmgalf gelang ein schnelles Gegenhalten, und so trieb er der Unheilskreatur die Klinge tief in den Rachen. Mit einem grässlichen Heulen löste sich die weiße Bestie in stinkenden Qualm auf.

Adhumar von Rosshagen lag blutend auf dem Schlachtfeld, sein rechter Arm war knapp unter der Achselhöhle abgerissen. Nimmgalf sah sich nach einem Heiler um, doch bei dem allgegenwärtigen Chaos ringsum wäre dies ohnehin ein hoffnungsloses Unterfangen geworden. Also kniete er sich nieder und legte behutsam Adhumars Kopf auf seinen Schoß. Er spürte, wie das Leben langsam aus ihm entwich.

„Ni…Nimmgalf“, sprach der Hauptmann leise, als ob er jede Silbe einzeln hervor pressen müsste, „So… sorgt für… me…meine Familie…. Das… das seid Ihr mir schuldig…. Hört Ihr?“

Nimmgalf hatte Mühe seine Tränen zu unterdrücken. Er konnte nichts mehr für seinen Lehnsmann tun, außer ihm diesen letzten Wunsch zu erfüllen. „Ich schwöre es Euch, mein treuer Freund! Sie werden keine Not leiden müssen solange ich lebe!“ „Da… danke!“ hauchte er noch. Dann brach sein Blick.

Nimmgalf schloss seine Augenlider. Dann hob er den Leichnam auf sein Ross und schwang sich selbst in den Sattel. Er blickte sich um, versuchte noch irgendeinen gangbaren Ausweg zu finden. Doch die Schlacht war verloren. Zwar waren die Dämonen und auch die meisten der Untoten inzwischen überwunden, den hervorragenden Kämpfern unter seinen Verbündeten sein Dank. Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis die zahllosen Ratten sie einfach weggeschwemmt hätten. Zu viele ihrer Streiter hatten sein tollkühnes Unterfangen bereits mit ihrem Leben gezahlt. Voller Bitterkeit erkannte er, dass sie diesen Kampf nicht mehr gewinnen könnten. Simiona war einfach viel zu mächtig geworden.

„RÜCKZUG!“ brüllte er und lies die Trollklinge kreisen. „Wir ziehen uns zurück. Rette sich wer kann!“ Doch nur wenige Dutzend Streiter folgten seinem Befehl. Die anderen wären ohnehin verloren.

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13. Ron 1032 BF
Das Massaker von Leihenbutt
Zorn eines Gottes

Kapitel 32

Kampf gegen das Rattenheer
Autor: IBa