Hartsteener Herbst - Auftakt: zwei Ritter

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Man schreibt den Rondramond des Jahres 1030 BF.

Seit einigen Tagen geht in den Schenken und Tavernen der Reichsstadt Hartsteen und in den Dorfschaften des Umlandes folgende Geschichte um, die die Barden und Bauern in mehr oder minder ausgeschmückten Versionen zum Besten geben:

Es begab sich vor kurzer Zeit, dass ein Ritter unweit der Stadt Hartsteen auf Ärger aus war. Er hatte schon seit einiger Zeit keinen wirklichen Strauß mehr ausgefochten, und sein heißes Gemüt wollte sich in Blutvergießen liebend gern entladen.

Da traf es sich für ihn gar trefflich als er mit zwei Begleitern in Richtung der Feste Feidewald reitend in einiger Entfernung einen einsamen Rittersmann entgegenkommen sah. Rasch ließ er sein Ross angaloppieren und bald schon hatte die kleine Schar den Reitenden erreicht.

Der Rittersmann, ein Freund großer Worte, sprach just den Reisenden an. “Sprecht, seid Ihr ein Ritter? Ich kenne Euer Wappen nicht.“

„Gewiss bin ich ein Ritter“, antwortete der Reiter.

„Dann nennt mir Euren Namen und Euer Lehen, auf dass ich weiß, wen ich fordere.“

Der Angesprochene tat wie ihm geheißen, worauf der Ritter spöttisch ward: „Nie gehört den Namen. Und Euer Lehen, wo soll das sein? Ihr erfindet hier wohl, seid gar ein Hochstapler?“

„Keineswegs“, gab der Reiter zurück. „Doch seid so gut und lasst mich zur Stadt weiterziehen. Ich hege keinen Groll auf Euch oder Eure Begleiter.“

Doch so leicht mochte sich der Ritter nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen, einem Unschuldigen den Schädel zu spalten.

„So sprecht, mein Herr. Haltet ihr es mit dem Grafen Geismar oder dem Emporkömmling Luidor?“

„Ich halte es mit der Kaiserin und den Zwölfen, Herr. Das dürfte reichen.“

Nun aber ward der Ritter ganz und gar übellaunig ob so einer patzigen Antwort und stieg vom Ross. „Ihr wollt wohl eilend eins auf die Rübe bekommen, Jüngelchen? Steigt ab und kämpft mit mir, wenn ihr die Traute dazu habt.“

Der Herausgeforderte zuckte nur mit den Schultern. „Ich habe die Schrecken der Schwarzen Lande geschaut, da fürchte ich mich kaum vor einem Gernegroß, wie Ihr einer seid.“

Da brach der Ritter in schallendes Hohngelächter aus. „Ach, DORT ist Euer Lehen? Ihr seid gar einer dieser armseligen Hanswürste, die ihr Hab und Gut verloren haben und nun meinen, bei uns herumschmarotzern zu können! Feiges Pack, ihr Tobrier!“

Immer noch mit ruhiger Mine stieg der Herausgeforderte nun doch von seinem Pferd, löste in gänzlicher Ruhe den Morgenstern vom Sattel und wandte sich an die Begleiter des Ritters. „Ihr seid meine Zeugen, dass er mich gefordert hat. Ich möchte hernach keine Klagen hören.“

Danach schritt er gemächlich auf den Herausforderer zu, der seinen gewaltigen verzierten Anderthalbhänder gezogen und sich selbst in Verteidigungsposition gebracht hatte. Mit einer anmutigen Leichtigkeit schwang die Kettenwaffe durch die Luft.

Doch dem Herausforderer, selbst gestählt in unzähligen Kämpfen, war es ein leichtes, sich unter dem Schlag hinwegzuducken und selbst einen Stoß auf den Angreifer zu setzen.

Dieser jedoch sprang flink beiseite und holte zu einem abermaligen Schlag aus, diesmal auf die andere Körperseite des Gegners zielend. Abermals jedoch duckte sich der Ritter unter der heranrasenden Kugel des Morgensterns beiseite.

So dachte dann der Ritter bei sich: Gewiss wird er beim nächsten Schlag wieder auf die andere Seite zu schlagen versuchen. Immer abwechselnd. Leicht zu durchschauen.

Und wirklich!

Abermals schlug der junge Reitersmann zu, und der Ritter wollte just beiseite Springen, da der Morgenstern wütend durch die Luft zischte... – dann aber plötzlich in die entgegengesetzte Richtung zuckte, das Schwert des Herausforderers umwickelte und ihm die Waffe aus den Händen riss. Nutzlos fiel sie zu Boden, und der Herausgeforderte wollte sich in aller Muße zum Gehen wenden, den Besiegten in seiner Schmach zurücklassend.

Da brüllte ihn der Ritter an und trat mit den Stiefeln tief in den Boden. Dreck spritzte auf, flog dem Gewinner des Duells ins Gesicht, auf dass dieser geblendet wurde und wild mit den Armen fuchtelte.

Mit beißendem Spott hob der Ritter den Anderthalbhänder auf. "Wisst Ihr, warum Ihr Tobrien und Warunk verloren habt? Weil Ihr ein zu rondragefälliges Pack seid. Weil Ihr euch nicht auf die schmutzigen Tricks verlasst, die es manchmal eben braucht um siegreich zu sein.“

Da er in seinem Gespötte aber zu sehr auf den anscheinend Geblendeten und seine wild herumrudernden Armen geachtet hatte, traf ihn der Fußfeger seines Gegenübers vollkommen überraschend. Dem Ritter wurden die Beine förmlich weggerissen, hart schlug er auf dem Boden auf.

Augenblicklich war sein Gegner über ihm und noch überraschender war, dass er in seiner Linken einen Paradedolch hielt, den der Schuft im Ärmel verborgen hatte. Mit ungläubigem Entsetzen stierte der am Boden liegende Ritter auf die Spitze der Klinge, die nur einen Fingerbreit von seinem Auge entfernt verharrte.

„Ich weiß“, antwortete der Sieger des Gefechtes versonnen und mit traurigem Timbre in der Stimme. „Darum bin ich auch noch am Leben.“

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10. Ron 1030 BF
Auftakt: zwei Ritter

Kapitel 1

Ein Toter