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Schloss Sonnentor, Anfang Rondra 1035 BF

Im Arbeitszimmer des Markvogts

Orelan von Leuenwald meinte, bei seinem Mentor eine leichte Verspannung wahrnehmen zu können. Auf jeden Fall musste es etwas Wichtiges sein. Warum sonst hätte ihn der Markvogt stante pede auf Schloss Sonnentor bestellt. Orelan wartete geduldig, bis Barnhelm seinen militärischen Gruss erwidern würde.

Barnhelm wandte sich Orelan um und bedeutete diesem, Platz zu nehmen.

«Wie läuft es auf der Mardershöh?» Orelan war überrascht von der beiläufig gestellten persönlichen Frage. Er kannte Barnhelm als Mann, der ihm gegenüber immer sofort auf den Punkt kam. Und Orelan war sich sicher, dass Barnhelm bestens informiert war, was in der Kronvogtei vor sich ging.

«Was kann ich für Euch tun, kaiserliche Hoheit?» entgegnete Orelan, seinen Blick fest auf sein Gegenüber gerichtet.

Barnhelm musterte Orelan mit väterlichem Blick. «Nun gut. Lassen wir die Katze aus dem Sack. Ucurian von Rabenmund. Ihr seid in einigen Schlachten zusammen geritten. Was haltet ihr von ihm?»

«Im Felde und mit Schwert und Schild begnadet, als Staatsmann und Diplomat...» Orelan biss sich auf die Lippe.

«Nur raus mit der Sprache!» forderte Barnhelm.

«Ucurian hat nicht euer Format, um siegreich aus politischen Ränkespielen hervorzugehen. Und in einer solchen Situation steckt er nun», bemühte sich Orelan um eine möglichst diplomatische Antwort.

«Und?»

Orelan war sich nicht sicher, worauf Barnhelm aus war. «Nach der Schlacht um Berler halte ich seine Position für stark geschwächt. Jedenfalls ist er seinem Ziel nach einem restituierten Fürstentum Darpatien unter Führung der Familie Rabenmund keinen Schritt näher gekommen. Ich habe von Gerüchten gehört, dass Verhandlungen anstehen sollen. Will Ucurian seinen Kopf aus der Schlinge ziehen, wird er in den Schoss der Kaiserin zurückkehren müssen.»

«Und. Wird er es tun?» fragte Barnhelm ein weiteres Mal nach.

Orelan war der Kragen seines Wamses offensichtlich zu eng geworden und versuchte sich mit dem Zeigefinger etwas Luft zu verschaffen. «Ucurian neigt zur Selbstüberschätzung und ist von seiner eigenen Überzeugungskraft zu eingenommen. Er wird die eingeschlagene Linie durchziehen. Auch wenn es ihn Kopf und Kragen kosten sollte. Und die Familie Rabenmund Darpatien.»

Barnhelm nahm die gesprochenen Worte regungslos entgegen. Orelan hätte sein halbes Vermögen hergegeben, um hinter die Fassade seines Mentors blicken zu können.

Barnhelm erhob sich und drehte sich wieder dem Fenster zu. Die Aussicht war einst atemberaubend, doch Gareth war noch weit davon entfernt, sich vom Absturz der fliegenden Festung erholt zu haben.

«Ich will, dass ihr in die Reichsstadt Hartsteen reist und mit meinem Vetter sprecht.»

Weiterer Worte bedurfte es nicht. Orelan wusste, was er zu tun hatte. Die Verhandlungen zwischen Ucurian und den Kaiserlichen würden also in Hartsteen stattfinden. Er salutierte noch einmal, ohne die Reaktion Barnhelms abzuwarten und verschwand.

Im Schlosshof

Orelan hatte es sichtlich eilig, Schloss Sonnentor zu verlassen. Er würde direkt in Richtung Reichsstadt aufbrechen müssen, um Ucurian die Botschaft zu überbringen. Seine Begleiter warteten schon auf den Pferden, als Orelan auf den Hof hinaus trat. Er wollte sich gerade auf sein Streitross schwingen, als er die Stimme Morenas von Herzgrund hinter sich vernahm.

«Die Bergluft und das Leben bei den Hinterwäldlern im Schlund scheint dir zu bekommen. Du wolltest doch nicht etwa gehen, ohne bei mir vorbeizuschauen?» Morena hatte die Zeit seit Orelans Ankunft genutzt, um ein aufreizendes Kleid anzuziehen, das einer Rahja-Geweihten zu Ehre gereichen würde, für eine Ritterin am Hofe des Markvogts hingegen völlig unpassend war.

Orelan quittierte den Aufzug mit stoischer Miene. «Ich habe keine Zeit für eure Spielchen, hohe Dame. Ich richte eurem Bruder eure besten Wünsche aus. Gehabt euch wohl.» Orelan bedeutete seiner Bedeckung abzureiten und gab seinem Streitross die Sporen. Sein Blick fiel auf das im Handschuh eingesteckte kostbare Seidentuch mit den bestickten Initialen Zu lange, dachte Orelan, zu lange schon allein.