Höllische Nachbarn 4

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Ort: Reichsstadt Ragath, Almada, im Boronmond

Verstärkung

Boraccio nippte an seinem Weinbecher, während er den Mann, der ihm gegenüber saß, betrachtete. Der Landsknecht war groß gewachsen, größer sogar als der Junker. Seine schwarzen Haare waren nach almadaner Sitte zu einem Pferdeschwanz gebunden, in seinem schwarzen Bart schimmerte das Fett von dem Hühnchen, daß er grade verschlang. Zwischendurch spült der Hüne reichlich mit Wein nach und kümmert sich nicht darum, daß ein guter Teil davon auf seine Hose tropfte, die nach Landsknechtsart geschlitzt und sehr farbenfroh war, ebenso wie seine hüftlange Jacke. Sein breitrandiger Hut hing ihm an einem Riemen im Nacken. An seiner Hüfte hing eine Katzbalger mit der typischen S-förmigen Parierstange in seiner Scheide.

Soeben stellte er fest, daß sein Weinkrug leer war und hielt ihn hoch, so daß die Schankmaid ihn sehen konnte. Diese eilte sofort herbei um den Krug wieder zu füllen und beugte sich dabei soweit herunter, daß ihr üppiges Dekolleté dem Söldner nicht entgehen konnte. Der grinste anzüglich und gab der Magd einen Klaps auf den Allerwertesten, den diese mit einem protestierenden Quietschen quittierte. „Dank Dir, mein Täubchen. Wenn wir hier fertig sind, dann brauch ich wohl noch etwas Gesellschaft.“ Ihr Blick war vielsagend.

Der Junker betrachtete finster die Beiden. Er mußte an den Abend zuvor denken als er sich mit Domna Richeza von Scheffelstein getroffen hatte. Der Abend war durchaus angenehm gewesen, sie hatten Wein getrunken und dann hatte er sie nach Hause begleitet, bis an die Tür ihrer Unterkunft. Und dann war er nach Hause gegangen. Wenigstens war der Wein besser gewesen als in der Söldnerabsteige, in der er jetzt saß. Aber sie hatte ihn noch mal darin bestärkt die Angelegenheit mit dem Garetier nicht auf sich beruhen zu lassen. Also war er heute hier, sich einen Condottiere mit seinem Terzio Mercenarios suchen.

„Euer Wohlgeboren wollen’s auch noch einen Schluck?“ Der Landsknecht hielt den Krug hin.
“Nein, danke, ich habe noch ausreichend.“ Mißmutig starrte Boraccio auf den billigen Wein. "Aber, Jodokus, wie viele Köpfe hat Dein Terzio denn nun?“
“Euer Wohlgeboren verzeihen, Joß werde ich von allen genannt. Jodokus hat mich zuletzt nur noch meine Mutter genannt, Boron sei ihrer Seele gnädig.“ Joß schlug ein Boronsrad vor seiner Brust.
“Also gut, Joß, viele Mercenarios nun genau?“
“Ein knappes Dutzend, Euer Wohlgeboren.“
“Und wann könnt Ihr in Aracena sein?“
Der Landsknecht legte das abgenagte Hühnerbein auf den Teller, nahm einen tüchtigen Schluck Wein und wischte sich mit dem Ärmel über den Mund. Dann machte er ein zweifelndes Gesicht und kratzte sich am Hinterkopf.
“Euer Wohlgeboren verzeihen. Euer Vater hat’s immer gut gemeint und zurück nach Hause kommen wär gewiß schön, und auch wenn die Mutter nun beim Herrn Boron ist gehört sich’s wohl an ihrem Grab zu beten. Aber unten im Horasischen, da zahlen sie gutes Silber, so sagt man.“
“Aber unten im Horasischen darfst Du auch gutes Silber zahlen, wenn Du was zu Fressen haben willst. Oder ein Dach über dem Kopf. Bei mir kriegt Ihr zu Essen und eine warme Stube und könnt Euer Silber behalten.“
Der Söldner strich sich über das Kinn.
„Wohl gesprochen, Euer Wohlgeboren. Doch gibt’s bei den Ferkinas nichts zu holen und zum Plündern freizugeben auch nix. So ein nettes Städtchen im Yaquirbruch dagegen ...“
Boraccio lehnte sich halb über den Tisch rüber.
“Wer hat denn was von Ferkinas gesagt? Denen haben wir erst letztens was auf die Nase gegeben. Nein, mir schwebt da was besseres vor.“
Die Augen des hünenhaften Landsknechts leuchteten auf. Er beugte sich ebenfalls halb über den Tisch, dem Junker entgegen. Verschwörerisch zwinkerte er.
“So sprecht doch weiter!“
“Paß auf, Joß, das wird Dir gefallen. Du kennst doch sicher noch die Höllenwaller ...“