Gurvans Vision

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Kaiserstadt Gareth, Rahja 1039 BF

Äußerst langsam, einer gefühlten Ewigkeit nach, drang Gurvan wieder in das Diesseits, zurück in seine gut ausgestattete Kammer. Die Schwere der Welt legt sich sogleich wieder auf seinen eben noch entrückten Geist und schien so auch seinen recht massigen Körper auf die Kissen unter ihm zu drücken. Doch was ihn weitaus mehr beschäftigte war das Bild, die Vision, die ihn immer wieder in den letzten Monden heimgesucht hatte. Noch halb entrückt stemmte er sich umständlich auf, wankend ging er zu dem kleinen Tisch mit den Süßigkeiten, gedankenverloren verleibte er sich einige davon ein. In dieser Vision, die ihm sein Herr stets auf neue sandte, erschien ihm die Stadt Gareth immer wieder als leuchtendes Infernal inmitten von finstren Kreaturen und verzerrten Menschenleibern, die von Osten und Süden auf die Stadt eindrangen und sie immer wieder aufs Neue berannten, doch der Herr Praios entsendete immer wieder seine alles versengenden Bannstrahlen, den abwehrenden Bürgern und Adligen zur Hilfe, hindurch die dunklen Wolken, die absurde Formen angenommen hatten. Eine davon, war ihm speziell aufgefallen, ein riesiges Ungetüm, hell stand diese Wolke vor all den anderen sich skurill-auftürmenden, dunkelblau-schwarzen Himmelsgebilden. Sie hatte die Form einer riesigen Seeschlange, die sich vor den anderen Wolken in etlichen Schlaufen wandt und sogar mit ihnen im Zwist zu liegen schien, doch dann hatte sie sich seinem Blick zugewandt. Mit ihren dunkel glosenden Augen fixierte sie ihn, züngelte mit ihrer Peitschenartigen Zunge. Beinahe wirkte es als würde sie in sein Inneres vordringen mit ihrem Geist, in ihrem Handeln warten oder zögern, lauern. Als aber der stumme Schrei einer Frau von weit entfernt erklang, sprang der Kopf der Seeschlange hervor auf ihn zu und verschlang ihn mit einem einzigen Biss.

Das war ein jedes Mal das Ende der Vision, Gurvan hatte bis jetzt noch keine Erleuchtung darin gefunden. Eine Seeschlange? Sollte er sich hier, in Gareth, vor soetwas fürchten müssen? Er steckte sich noch ein Süßgebäck in den Mund und hing weiter den Bildern nach und verdrängte sie, keinen Reim darauf findend, abermals. Solche Schrecken würden bald der Vergangeheit angehören, wenn die Kaiserin Mendena genommen hätte, hoffte er.