Gramwacht - Schauspiel

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Grambusch, 2. Travia 1042 zur Rahjastunde vor der Auenwacht.

Korwin, Konnar, Balsox und einer der jungen Bauern ritten im Trab auf die Auenwacht zu. Nicht wissend was sie erwartet und ob ihr kleines Schauspiel auch wie erhofft aufgenommen wird. "Ich erwarte höchste Disziplin Leute, besonders von dir Balsox. Reisst euch am Riemen. Es wird hier nicht auf fruchtbaren Boden fallen, wenn wir zum einen mit unseren Taten prahlen und zum anderen über den Zustand jammern. Wir suchen hier jemand der fest im Glauben bestärkt werden muss, dass die Gramwacht ihm selber dienen wird. Soll er denken als Puffer für seine eigenen Felder, Weiden und Höfe, das kümmert uns nicht. Er muss das Gefühl bekommen, mit nur ein Paar Worten an richtiger Stelle einen guten Handeln vor Praios und Phex gemacht zu haben."

"Jawohl Herr", brummten Balsox und Konnar im Duett. Der junge Bauer sagte nichts, blickte ein wenig eingeschüchtert zu Boden. Sie ritten für eine kurze Zeit entlang einer kleinen Allee, deren Bäume langsam begannen die Blätter zu verlieren. Man merkte, dass die Macht der Brache hier etwas weiter weg war. Der Boden war schwarz und fruchtbar. In Gramfelden gibt es nur wenige Acker solch fruchtbaren Bodens. Korwin lies seine Augen etwas niedisch über die Lande schweifen. In seinem Kopf schmiedete er bereits Pläne, wie er Gramfelden und das kärgliche Land möglichst viel von Peraines Früchten abzutrotzen könnte. Jeder nur mögliche Rechtschritt soll nicht wir üblich in Garetien mit Getreide sondern mit Kartoffeln bepflanzt werden. Es besteht zwar das Risiko, dass wir damit nicht den weizenverwöhnten Gaumen der Garether kitzlen, aber es wird unsere eigenen Mägen in jedem Falle und zur Not die Brennblasen für den Krammetgeist füllen.

"Korwin, Herr, aufwachen, wir sind gleich da. Du bist am träumen." "Ihr", grinste Korwin. "Nein du", sagte Balsox, und hatte umgehend klatschend den Lederhandschuh von Konnar im Nacken. "Der Herr wird mit "Ihr" oder "Eure" angesprochen, Kartoffelnase", sagte Konnar. "Verzeiht Herr", sagte Balsox und alle konnten sich das Grinsen nicht verkneifen.

Die Auenwacht lag vor Ihnen. Ein schmucker Bau aus Granit. Etwa fünfzehn Schritt in Breite und zwanzig Schritt in Länge. Mehrere Türme und Erker und ein großes hölzernes Tor. rechts und links vom Tor standen zwei Wachen. Die Wachen waren gut genährt und passten nur noch knapp in die roten Waffenröcke mit der goldenen Waage. Die Kinnriemen der Tellerhelme bildeten ein gesundes Doppelkinn. Alles in allem wirkten die beiden, als könnte der Junge sie besiegen, wenn er ihnen nur lange genug um einen großen Baum herum weglaufen würde.

"HAAALT, werte Herren! Wer da und wen dürfen wir dem jungen Herren des Hauses ankündigen? Der Vogt ist nicht zugegen."

"Wohl an, meine Herren", rief Korwin. "Meldet seinem Stellvertreter, dass Korwin von Orkenwall zu Gramfelden wünscht, den Herren des Hauses in einer rondragefälligen Angelegenheit zu sprechen." "Jawohl Herr", schallte die Wache zurück und machte auf dem Hacken kehrt. Die andere blieb mit dem Spieß in der Hand am Tor stehen. Korwin herrschte seine Mannen mit einer stillen Geste an ja inne zu halten und nichts zu sagen.

Es dauerte eine kurze Weile, da kam die eine Wache wieder und befahl zwei weiteren Wachen das Tor zu öffnen. "Der Herr erwartet euch an der Treppe zum Haupthaus. Gebt eure Pferde und das Pony bei den Stallburschen ab. Sie werden es ihnen an nichts fehlen lassen." Mit einer freundlichen Handbewegung bat er die Gäste herein. Das Tor öffnete sich und gab das Innere der Burg frei. Das Haupthaus war mir Efeu berankt und eine etwa sechs Stufen hohe Treppe führte zu einem eisenbeschalgenen Tor. Vor dem Tor stand bereits Alrik Quin von Königslinden. Seine Größe war es nicht die Eindruck auf Krowin machte. Es war die Haltung des Mannes und auch wie er ein würdevolles viereck mit seinen Händen vor seinen Bauch bildet. Der Mann machte nicht den Eindruck der gesättigten Wachen. Korwin spürrte, dass die Geschichte schwieriger sein könnte als erhofft.

Korwin und seine Männer stiegen von den Reittieren ab und gaben sie den Burschen, rückten sich die Waffenröcke zurecht und machten dann auf dem Stiefel kehrt zu von Königslinden. Sie machten eine kurze Verbeugung wurden dabei jedoch vom Hausherren unterbrochen. "Aber meine Herren, hoher Herr von Orkenwall zu Gramfelden. Wir sind hier nicht bei Hofe. Womit kann ich Alrik Quin von Königslinden euch dienen?"

Korwin war etws überrascht, dass das Gespräch auf der Treppe und nicht im Kabinettssaal stattfinden sollte.

"Wir wollten dem Herren des Hauses unsere Aufwartung machen, uns vorstellen und euch einen aktuellen Eindruck von Gramfelden übermitteln", stammelte Korwin etwas verdutzt. "Ritter, haltet ein," sagte von Königslinden mit fisteliger Stimme. "Ich habe bereits einiges über das gehört, was zur Zeit in Gramfelden vorgeht. Die Vöglein haben es ja beinahe von den Bäumen gezwitschert." Von Königslinden machte dabei eine nicht einzuschätzende Grimasse. "Wir sind euch zu Dank verpflichtet Herr Ritter. Jedes Untier des Namenlosen welches ihr erlegt ist eine Wohltat an jedem Garether und am Herren Praios persönlich". Dabei machte er eine merkwürdig zu deutende Handbewegung zum Himmel. "Aber womit können wir euch denn nun dienen?"

Korwin brauchte einen Augenblick um zu Sinnen zu kommen.

Der wohlfeine Plan als bescheidener Held aufzutreten war bereits einige Augenblicke vorher zerplatzt. Jetzt bloß keinen Mist erzählen. Er griff sich an den Waffenrock am Hals, rückte ihr zu recht und begann.

"Eure Wohlgeboren von Königslinden." Er machte eine kurze Pause bis er vollständig bei Sinnen war. "Wir entstammen nicht von edlem Blut. Alles was wir sind steht vor euch. Ein wacher Geist und ein Leib voller Tatendrang steht vor euch, der den Ruf der Krone erhört hat um dem Reich zu dienen und alle seine Bewohner vor den Gefahren der Brache zu schützen. Gramfelden und die Gramwacht sind jedoch in einem, fast könnte man sagen erbärmlichen Zustand. Wir vermuten, dass ihr mehr über den Zustand der Gramwacht wisst als wir uns bewusst sein könnten. Aber vor Praios Antlitz schwören wir, dass wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um die Grambuscher vor Unheil zu bewahren. So hoffen wir auch auf eure Hilfe, denn diese wäre für die Gramwacht ein Segen."

Alrik hob eine Augenbraue und grinste. "Wir danken euch hoher Herr. Wir werden euch umgehend eine Antwort zukommen lassen," sagte er spöttisch, machte einen Schritt auf Korwin zu und reichte ihm die Hand. "Ritter Korwin von Orkenwall zu Gramfelden, es ist mir eine Freude euch kennen zu lernen. Geht mit dem Segen Praios und haltet den Gefahren der Wacht stand." Er nickte Korwins Begleitern zu. "Verzeiht mir die Unhöflichkeit hoher Herr. Ich bin in Eile. Wir werden euch in naher Zukunft einen Besuch in Gramfelden abstatten. Entschuldigt mich nun bitte." Noch immer hielt seine eiskalte Hand die Korwins und schüttelte sie wie eine Leiche. Dann nahm er sie zurück und verbag sie in seinem Mantel. Korwin und das Gefolge machten kehrt und gingen in Richtung der Ställe. Gleichzeitig winkte der junge von Königslinden nach einer Wache. "Schafft mir diesen Nichtsnutz von Cletzau her. Wir brauchen ihn."

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Ritterherrschaft Gramfelden, 2. Travia 1042 zur Firunsstunde vor der Gramwacht

Korwin, Konnar und Balsox saßen nebeneinander auf einer provisorischen Bank an das Gemäuer der Gramwacht gelehnt und tranken ein Bier. "Das war wohl nix kleiner" sagte Konnar. "Mach dir nichts draus, das nächste mal läufts besser". "Das nächste Mal?" brüllte Korwin und schmiss seinen Krug in Richtung Feuer, verfehlte es aber um einige Spann. "Nicht mal ein Feuer ausmachen kann ich. Und wer ist überhaupt diese kleine feiste Putzlumpen Alrik? Seine kalte Hamd spüre ich jetzt noch. Als würde man einer Moorleiche die Hand reichen," schrie er. Die drei schwiegen sich weiter an. Plötzlich sprang Konnar auf und griff nach seinem Dolch. "Ein Reiter!". Der auch schon prommt am Ende des zu gewucherten Weges auftauchte und sich schnell näherte um dann schlagartig vor den Dreien stehen zu bleiben. Der Reiter war in einen schwarzen Mamtel gewandet. Seine Kaputze tief ins Gesicht gezogen. Um die Schulter hatte eine braune Ledertasche umhängen, in die er hinein griff. Konnar war bereit, umgehend los zustürmen sollte der Reiter etwas dummes wagen. Doch er holte nur ein Kuvert aus Leder hervor und reichte es Korwin.

"Korwin von Orkenwall zum Gramfelden?"

Konnar und Balsox zeigten Wortlos auf ihn.

Der Reiter warf das Kuvert zum Korwin und wartet kurz ab.

Korwin öffnete das Kuvert und entnahm im einen Brief. Er laß laut vor.

"Wenn ihr denkt, mit eurem kleinen Schauspiel Eindruck zu schinden seid ihr bereits jetzt verlassen. Wagt es nicht noch einmal uns mit verbrannten Ebern hinters Licht zu führen. Wir behalten uns vor, dem Marktvogt von dieser Posse zu berichten wenn es uns beliebt. Wir werden euch in Kürze einen Besuch abstatten und dann dürft ihr uns am eigenen Leib von den Gefahren berichten. Eventuell findet ihr ja ein Untier, welches euch eure Geschichte etwas wahrhaftiger erscheinen lässt. Man hat euch im Auge."

"Keine Unterschrift?" fragte Balsox. "Nein, nur eine angedeutete Waage." Mit einem Stock zeichnete er nebeneinander zwei halbkreis in den Lehmboden und verband diese mit einer Art Brücke. Balsox und Konnar standen auf und betrachteten die Zeichnung auf dem Boden. Korwin nahm im gleichen Augenblick einen tiefen Schluck aus dem Humpen mit Krammetgeist. Er blickte den Reiter an. "Wollt ihr auch?" Der Reiter nahm seine Kaputze ab, strich sich durch das im Schein des Feuers hell glänzende lange Haar und griff nach dem Humpen. "Ihr habt in ein Wespennest gestochen junger Mann." Der Reiter stieg ab, reichte Korwin vorsichtig, Konnar im Auge behaltend, den Humpen zurück. Dann reichte er Korwin die Hand. "Ich hätte euch die Geschichte fast abgekauft. Schon oft verirrte sich ähnliches Gezücht nach Hohenfelden. Aber Alrik hat ein Gespürr für solch Wirken. Er ist mit allen Wassern gewaschen und hat genug Zeit sich von allem selber ein Bild zu machen. Vermutlich hat er einen der Bauern hier ausfragen lassen und vielleicht sogar, wie er schrieb schon hier ein Auge auf euch. Wer weiß." Der Reiter zuckte mit den Schultern und lächelte. "Ihr habt es jedenfalls geschafft, euch innerhalb kürzester Zeit hier einen unangenehmen Menschen als Feind zu schaffen. Rechnet mit dem schlimmsten." Korwin setzte noch einmal den Humpen an und sprach gleichzeitig mit dem Reiter. "Freut mich, dass es euch gefällt. Mit wem habe ich hier eigentlich die Ehre?" Er setzte den Humpen ab und reichte ihn wieder dem Fremden. "von Cletzau, Edler Udalbert von Cletzau zu Hohenfelden" Und ergriff den Humpen. "Ich liebe euren Krammetgeist" und grinste. "Die Damen werden davon zwar nicht so redseelig wie vom Bosparanjer am Hofe, dafür muss man sich das Geschnatter aber auch nicht so lange anhören," grinste er schelmisch, wobei Korwin das erste mal seit Stunden wieder lachen musste. Die Männer blickten ein paar Augenblicke still in die prasselnden Flammen des Feuers, dabei fiel Korwin auf, dass er den Gast noch garnicht gefragt hatte, warum gerade er die unangenehme Rolle des Boten schlechter Nachrichten übernommen hat.

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Texte der Hauptreihe:
K3. Schauspiel
Autor: Gramfelden