Gramwacht - Ochse und Esel

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9. Bor 1042 BF Umland von Gareth

Ralbert macht sich langsam auf den Weg, auch wenn sein Magen bereits knurrte. Er hatte sich zwar noch ein unbemerkt von der Küchenmagd ein kleines Proviantpaket machen lassen, aber er kannte sich ja. Das würde allerhöchstens bis Gareth vorhalten. Und außerdem hat Bartok, sein Rappen bis dahin auch wieder Hunger. Und auf das Bocken hat er an solch einem Tag schon mal überhaupt kein bock.

Die Brachenwächter waren ihm ziemlich egal. Ein Haufen von verrückten Abenteurern und Schatzsuchern dachte ihm bei sich. Wie kann man sich nur freiwillig in solch eine Gegend begeben und dann auch noch da bleiben wollen. Waren ihm schon die täglichen Pflichten bei Hofe zu wieder, das Fechten, Reiten, Waffenkunde, körperliche Ertüchtigung an sich. Es schüttelte ihn.

Die Kriegsschule machte ihm noch halbwegs spaß, gehört dazu doch auch das Nachstellen von Geplänkeln und taktischen Garadanspielchen. Viel Lob wird ihm nicht zu Teil bei Hofe, aber im Geistigen konnte er gegenüber Alrik wenigstens etwas glänzen. Aber was solls, ist nun mal so. Es begann etwas zu Nieseln. Er packte sich etwas dicker in seinen Mantel ein und sorgte dafür, dass auch die Depeschentasche sicher unter dem Mantel steckte. Die Tasche nervte ihn sowie, da sie andauernd an seiner Seite schlackerte. Gareth war nicht mehr weit, der Hühnerschenkel bereits in vollem Galopp in seinem Magen verschwunden und dieser Grummelte weiter. Die Chance in den wohlhabenden Stadtteilen Gareths auf Leute zu treffen, die ihm bei der Mahlzeit störten waren ihm einfach zu groß. So gerne er as, tat er das doch am liebsten alleine, oder in Gesellschaft die er sich selber auszusuchen pflegte, was freilich nicht so oft möglich war. Rosskuppeln sollte es sein. Ein kleines bäuerliches Gasthaus, wo man für ein paar Silberstücke noch ein schönes Stück Fleisch, ein gutes Bier und dazu etwas feines Gemüse bekommt. Und für ein paar Heller auch noch seine Ruhe. Wärme machte sich in seinem Bauch breit, und er freut sich heute das erste Mal.

Nach ein paar Meilen auf der Reichsstraße drei war er auch schon fast in Rosskuppeln. Er suchte sich ein kleines Gasthaus mit einem fröhlichen Schweinchen auf dem Holzschild aus. Er musste lachen bei dem Gedanken, das lachende Schweinchen als Wappen zu tragen.

Bis auf zwei Händler war das Gasthaus leer. Er leistete er sich einen herrlichen Schweinebraten mit frischem duftendem Brot und Bohnen mit Speck. Dazu noch ein leckeres Bier gemeinsam mit den beiden Händlern die auf dem Weg nach Eslamsgrund waren. Die Pfundter waren auch keine Unbekannten bei den beiden. Wie angenehm, dachte er sich. Muss ich den Weg nicht alleine gehen, die Worte von von Isppernberg im Hinterkopf, sich nicht aufhalten zu lassen und den Auftrag schnurstracks auszuführen. Aber bitte, dachte er sich. Bevor ich den beiden auf den Leim gehe, spukt die Brache nur noch Hundewelpen aus. Bei dem Gedanken musste er an die Streuner in Sonnentor denken und lächelte.

Gemeinsam machten sie sich auf den Weg nach Gramfelden den Eslamsweg entlang. Es begann stärker zu regnen. Der Schlamm der von den Bauernkarren auf die Straße getragen wurde mischte sich mit der Scheisse des diversen Viehzeugs was sich nach und nach Gareth hin und wegbewegte. Seine Beine waren bereits bis zum Knie vollgespritzt, trotz dessen, dass Bartok nicht gerade ein Orkpony war. Er war sichtlich erleichtert als ihm seine beiden Begleiter vorschlugen doch in Silkwiesen in der Herberge zum alten Kaiser einzukehren. Zeit sich etwas aufzuwärmen, war doch sein Mantel mittlerweile nur noch eine nasse Pferdedecke, stank bis zum Himmel und seine Beinkleider machten jedem Stallburschen im Bornland alle Ehre. Vermutlich würde er problemlos zwischen einer Ogerrotte hüpfen können, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Er ließ das Pferd von einem Burschen in den Stall führen und begab sich dann mit den beiden Händlern in die Herberge.

Die Herberger war gut gefüllt. Händler, Bauern, umherziehende Söldner, ein paar Tagelöhner und Glücksuchende. Er setzte sich mit den Beiden an den Tisch und bestellte erst einmal drei Bier. Das rustikale Essen vom Mittag hatte ihm sehr gut geschmeckt, doch nun wollte er etwas Feineres. Er bestellte sich erst einmal zwei Schnäpse und dann bestellte er sich Entenleber mit Knödeln und einer feinen Soße. Angeregt aber angeheitert unterhielt er sich mit den beiden Händlern über die Wahl des Kaiserhauses, Gareth nicht als Herrschaftssitz gewählt zu haben. Ein weiterer Mann in feinem Zwirn kam zu den dreien an den Tisch und bat darum sich setzen zu dürfen, da er ihr Gespräch belauscht hat. Er stellte sich als Händler aus Vinsalt vor und spendierte der Runde erst einmal einen weiteren Schnaps. Ralbert mochte nicht dem Ebenbild eines Ritters entsprechen, erst recht nicht dem Fähigkeiten eines willfährigen Kriegers, aber das er aus gutem Hause kam und sehr wohl eine herausragende Bildung genossen hat spürten auch seine drei Begleiter. Ralbert war sich zwar bewusst, dass er einen Auftrag zu erfüllen hatte, aber er machte sich vor, dass es doch sicherlich viel zu gefährlich war bei diesem düsteren Wetter mit solch wichtiger Fracht auf dem Eslamsweg unterwegs zu sein und in so ein Loch wie Gramfelden zu gehen um einen dahergelaufenen Abenteurer Almosen zu übermitteln. Also fasste er den Entschluss heute Nacht im alten Kaiser zu nächtigen und es sich gut gehen zu lassen. Bier und Schnaps floss in Strömen bis der Vinsalter auf die glorreiche Idee kam, doch eine Runde Boltan zu spielen. Nur um ein paar Silberstücke. Die beiden Händler willigten freudig ein und auch Ralbert war nicht abgeneigt. War Boltan doch nicht nur ein Glückspiel mit Phexens Segen, sondern Strategie und Algebra wie es die Tulamiden nennen. Ralbert konnte zu jedem Blatt recht genau berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sei, dass er mit diesem oder jenem Blatt Phex ein Schnippchen schlagen konnte. Sie vereinbarten eine Dreier-Formation.

Die Einsätze stiegen mit jedem Schnaps der ihnen gereicht wurde. Anstelle der vereinbarten Silbertaler wechselten mit der Zeit Dukaten, Schmuck und kleine Devotionalien den Besitzer und Ralbert gehörte nicht zu den Verlieren am Tisch. Die Gesellschaft beschloss sich nach Rücksprache mit dem Wirt in ein Separee der Herberge zurück zu ziehen. Ralbert hatte mittlerweile zwölf Dutzend Dukaten in sein Säckel, zudem eine Brosche aus den Tulamidenlanden mit einem kleinen Edelsteinen besetzt und einen Ring des Vinsalters. Da er mit geschicktem Spiel nur die Blätter einschließlich des Manövers spielte, die er für spielenswert hielt, machte er sich ganz gut in der Runde. Bis zu dem Augenblick, als sich in seiner Hand viel Feuer befand. Magier, Weissagerin, und Knappe, dazu eine sechs und eine sieben. Ein waschechter Elementarkreis. Seine Augen leuchteten obwohl er versuchte, seine Begeisterung zu verbergen. Er tauschte keine einzige Karte mehr und der Helm hatte sich bis zum Aufmarsch schon dreifach durch Erhöhung gefüllt bis der Vinsalter der sich seines Sieges äußerst sicher war den Topf auf einen Wert von eintausend Dukaten erhöhte. Ralbert schluckte, hatte er doch bereits all sein eigenes und gewonnenes Geld in der letzten Erhöhung in den Helm geworfen. Er zögerte. Schweiß rann ihm über die Stirn. Er griff hinter sich und holte die Depesche aus der Tasche. „Diese Depesche bescheinigt einen Wechsel in Höhe von etwa dreizehntausend Dukaten an die Brachenwächter in Gramfelden. Mir wurde die Aufgabe übertragen diesen zu seinem neuen Besitzer zu bringen, und stehe mit meinem Wort und Praios Verpflichtung dafür ein. Ich setze dies als Pfand für fünfhundert Dukaten die aus dem Fundus meiner Familie an den Gewinner der Runde ausgezahlt werden. Dies bekunde ich mit meinem Familien Ring der Pfundter von Pfundt,“ und nahm ihn sich vom Finger. Die Runde lies sich die Depesche zeigen. Prüfte das Siegel, prüfte den Ring und einigte sich darauf, auf den Barhandel einzugehen.

Erwartungsfroh blickte Ralbert in die Runde. Es war Zeit für die Schlacht. Mit zitternden Fingern drehte er Karte um Karte um, bis der ganze Elementarkreis vor der Runde lag. Einer der Händler schlug sich auf die Knie, und jauchzte aus. Kein Blick viel auf den Vinsalter, der drei seiner Karten auf den Tisch legte. Schmelze, Strömung und Adler. Er blickte auf die Dielen des Hinterzimmers und drehte langsam die letzten beiden Karten um. Ralbert griff gerade nach dem Helm bis er die Karten erkannte. Freundschaft und Eispalast. Der Vinsalter hatte einen Fünfling. Ralberts Atem stockte und er schrie auf. Er zeigte plötzlich, dass er in der Schule von Isppernbergs doch etwas gelernt hatte. Er Griff unter den Tisch, stieß ihn hoch und schrie „Betrüger“. Die Anwesenden erschraken, und wichen zurück. Ralbert versuchte hastig die Depesche zu greifen, einer der Händler war jedoch schneller. Im gleichen Augenblick stürmten jedoch einer der Türwachen herein. Der Boden des gesamten Raumes war übersäht von Geld und Schmuck und neugierigen Blicke aus dem Schankraum fielen in das Separee. Und je ehr sie sich versahen stürmten bereits drei Raufbolde in den Raum und begannen mit dem Einsammeln des Geldes vom Boden. Ein Tumult entstand. Der Türsteher stand erst angewurzelt neben der Tür und wusste nicht was er tun sollte. Währenddessen schrie ihn der Vinsalter an, er möge zum einen den Dieb und Betrüger fassen und zum anderen den Raum leeren, wofür er eine großzügige Entlohnung erhalten sollte. Ralbert jedoch nutzte die Gunst der Stunde um durch die Tür in Richtung Dunkelheit zu stürmen. Er wollte sich gerade zu den Stallungen begeben bis sich plötzlich der Vinsalter und ein gedungener Schläger in der Tür der Herberge befanden. Ihm blieb nur noch die Flucht zu Fuß und er rannte so schnell er nur konnte und sein voller Wanzt ihn trug in Richtung Firun nach Pfundt. Was hatte er nur getan, was sich dabei gedacht hämmerte es in seinem volltrunkene Kopf. Leichtsinn und Phexens Verlockungen hatten ihn dazu getrieben seine Ehre auf dem Altar der Habgier zu opfern.