Gramwacht - Eine Last?

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10. Bor 1042 BF Gramfelden und Pfundt

Die beiden Händler und der Vinsalter sammelten sich unterdessen auf dem Hof der Herberge. Sie beschlossen jedoch, nicht dem Betrüger hinterher zu stoben, sondern zum Empfänger der Depesche zu eilen, denn dort würden sie vermutlich auch ihre Forderungen durchsetzen können. Sie sattelten die Pferde und ritten umgehend den Eslamsweg in Richtung Gramfelden. Die Nacht war umso finsterer und der Wind samt Regen blies ihnen ins Gesicht doch das Vorhaben bot keinen Aufschub. Beinahe hätten sie den Gramauerweg verpasst wurden jedoch durch das spärliche Leuchten einiger Häuser auf das Kleinod aufmerksam. In Gramaue angekommen schlugen sie an die erstbeste Tür um bei den Bewohnern den Lehensherr und Empfänger der Depesche ausfindig zu machen. Ihnen wurde aufgetragen, sich zur alten Gramwacht auf zumachen. Dort würden Sie das kleine Feldlager der Gruppe um Korwin von Orkenwall finden. Die Pferde trabten langsam auf die Turmruine zu, wurden jedoch bereits auf halben Wege von zwei Wachen aufgehalten. Ein Zwerg mit einer Streitaxt und ein hünenhafter Krieger aus dem hohen Firun. Mit vorgehalten Waffen fragten sie wohin des Weges die kleine Gruppe um so später Stunde noch begehre. Die drei trugen den beiden geduldig ihr Anliegen vor, und dass dies keinen Aufschub erlaube, da ein Krimineller auf der Flucht sei, der in diesem Falle dingfest gemacht werden muss.

Der Zwerg rief nach seinem Lehnsherr welcher auch umgehend erschien. Ein großer Mann gekleidet in einen ledernen Waffenrock und einem übergeworfenen langen Mantel trat vor die drei Herren. „Herr Korwin von Gramfelden?“ fragte der Vinsalter?

„Fast“ entgegnete er Ihnen. „Korwin von Orkenwall zu Gramfelden. Aber welche Angelegenheit zu so später Stunde erlaubt keinen Aufschub?“ Der Vinsalter trat einen Schritt vor und stellte sich dem Gastgeber vor. „Vor diesen Beiden Herren und dem Antlitz unseres Herren Praios habe ich euch eine Mitteilung zu übergeben, bitte euch jedoch in genau dieser Sache um den Schwur, uns bei der Aufklärung besonderer Umstände als Gewährsmann beizustehen.“ Dass es sich um eine Depesche aus Schloss Sonnentor handelt vermied er tunlichst mitzuteilen, um nicht den Vorteil bei diesem Handel zu verlieren. Korwin blickte seine beiden Begleiter an und nickte ihnen zu. „ In Praios Namen, meine Herren“. „Euer Wort vor versammelter Gruppe wurde vom himmlischen Richter erhört.“ Er griff unter seinen Mantel und holte Ralberts Depeschentasche hervor und reichte sie dem jungen Lehnsherr. Dieser bat die Herren ihm in Richtung der Gramwacht zu folgen, um die Depesche zu öffnen und das sonst notwendige im Trockenen bei Kerzenschein zu erledigen. Gerade ins Zelt eingetreten schaute er seine beiden Begleiter an. „Jetzt geht’s um die Wurst Freunde.“ Er öffnete die Depesche und begann zu lesen. Sein Blick hellte sich merklich auf und am Ende des Textes lies er die Arme mit der Depesche in der Hand herunter hängen. „Alles“ sagte er und machte eine kurze Atempause. „Wir bekommen die gesamte Summe, ohne Abzüge.“ Die beiden Begleiter jubelten lautstark und klatschten sich ab. „Aber nun zu ihnen meine Herren. Sie sehen nicht aus wie ein Meldereiter oder Bote aus Sonnentor. Wie ist Ihnen dieses Dokument nahezu unvorstellbarer Wichtigkeit für mich in die Hände gefallen ist und bei welcher besonderen Angelegenheit soll ich ihnen beistehen ?“

Ralbert war die halbe Nacht durchgelaufen und völlig durchnässt. Sein Kopf wummerte wie eine Ogertrommel. Nur wenige hundert Schritt trennten ihn vom Hof seines Vaters. Er überlegte was er berichten solle, was ihm zugestoßen war. Wieso er nicht direkt nach Sonnentor gereist ist und wie es nun weiter geht. Da fiel er auch gleich einer Wache auf und wurde angewiesen stehen zu bleiben. Bis die junge wache den Knappen erkannt hat vergingen einige Augenblicke, umso schneller ging es für Ralbert als er erkannt war. Sein Vater war leider nicht zugegen und seine Mutter wollte er zu solch Stunde nicht wecken, so beschloss er sich vom Hofdiener in eines der Gästegemächer geleiten zu lassen und nach trockenen Gewändern zu fordern. Er hoffte einen borongefälligen Schlaf zu finden, doch quälte ihn das Erlebte bereits unmittelbar nach dem Einschlafen.

Die Gruppe um Korwin sowie der Vinsalter und die Händler befanden sich nach einer äußerst kurzen Nach auf dem Weg nach Schloss Sonnentor um heraus zu finden, wer der Reiter mit dem Wappen des Marktvogts und der Depesche war. Am Tor der Burg angekommen, meldeten Sie der Wache, dass Korwin von Orkenwald zu Gramfelden in einer höchst wichtigen Angelegenheit einen Bevollmächtigten für die Brachenwacht sprechen müsste. Nach einem kurzen Augenblick kam Ritter Alderan von von Isppernberg durch das Tor geschritten. Korwin machte eine kurze Verbeugung und stelle sich und seine Begleiter der Höflichkeit halber noch einmal vor bevor er die Vorkommnisse die Ihm der Vinsalter und die beiden Händler vortrugen, dem ersten Hausritter am Hof des Marktvogtes schildert.

Von Isppernberg war außer sich Wut und schrie den gesamten Vorhof des Schlosses zusammen, in den Sie sich mittlerweile begeben hatten. „Das wird die Pfundter teuer zu stehen kommen“ waren seine letzten Worte bevor er sein Pferd bestieg und mit der versammelten Gruppe und drei weiteren Wachen in Richtung Pfundt stob. Nach etwa einer wortkargen Stunde vollen Galopps kamen sie in Pfundt an. Die Pferde dampften in der kühlen Luft und es begann leicht zu nieseln. Isppernberg stieg als einer der ersten vom Pferd und schritt schnellen Schrittes über den matschigen Boden in Richtung Pallas der Burg Pfundt. Da er kein unbekannter war salutierten die Wachen umgehend vor ihm und fragten, was sein Begehr sei. Der Hausritter forderte umgehend den Hausherr in einer höchst wichtigen und pikanten Angelegenheit zu sprechen. Die Wache machte eine kurze Verbeugung und verschwand durch das Tor um kurz danach zur Gruppe zurück zu kehren. „ Der Edle Herr Grotian von Pfundt bitte euch in den Kabinettssaal“.

Grothian Pfundt von Pfundtern saß an einem großen hölzernen Tisch und grübelte über ein paar Pergamenten. Dann hob er den Kopf und grüßte unversehens den Hausritter. „Alderan von Isppernberg“, welch Ehre euch in Pfundt zu begrüßen. Was führt euch zu mir? Wie macht sich mein Sproß? Ich hoffe ihr konnten ihm seine Flausen austreiben.“ Dabei grinste er etwas hämisch, ob des Wissen, dass aus Ralbert vermutlich nie ein richtiger Ritter werden würde wenn er nicht endlich Disziplin lerne würde und ohne nur einen Schimmer zu haben, dass eben dieser oben in den Gemächern schlummerte.

„Leider nein, mein Herr“ entgegnete er dem Hausherren. Er forderte erst die Händler und dann Korwin von Orkenwall auf, ihre Geschichte vorzutragen. Nach ein paar Minuten war es totenstill im Kabinett. Grotian war blass und sprachlos, ob der Vergehen seines Sohnes. Pflichtverletzung, Befehlsmissachtung, Glückspiel, Feigheit und Trunksucht. Und zu guter Letzt Dummheit. Unverfrorene Dummheit. „Ich kann ihn nicht weiter zur Schwertleite begleiten. Nicht unter diesen Umständen,“ sagte Isppernberg. Bei diesen Worten stockte dem Pfundter der Atem.

Als wäre es Schicksal, betrat Ralbert in just diesem Augenblick den Saal und stand in der Tür. Der Pfundter stand wortlos auf, lief langsamen Schrittes auf ihn zu und schlug ihm mit der flachen Hand klatschend ins Gesicht. „Mein Blut. Meine Schande. Geh mir aus den Augen du nichtsnutziger Taugenichts.“ Erst in diesem Moment begriff Ralbert wer alles im Saal stand. Der Vinsalter, die beiden Händler, ein ihm nicht bekannter Mann in Begleitung eines Zwerges und einem hühnenhaften älteren Mann. Und sein Herr und Ritter. Er hielt sich die Wange und blickte Boden. In diesem Augenblick wusste er, was er um seiner selbst Willen angestellt hat. Von Isppernberg schaute ihn an. „Du bist die größte Entäuschung meines Lebens Junge. Geh mir aus den Augen. Deine Schwertleite wirst du durch mich nicht empfangen.“ Ralbert drehte sich um begann zu schluchzen und rannte aus dem Zimmer.

Die Spannung im Saal war zum Zerreißen. Der Hofritter ging auf den alten Pfundter zu und reichte ihm die Hand. „Ich bedaure die Umstände, edler Herr von Pfundtern. Aber ich habe keine andere Möglichkeit.“ Dann machte auf dem Hacken kehrt. Dabei blickte er zu den beiden Händler. „Klären Sie ihr Problem mit dem Hausherren, meine Herren.“ Dann blickte er Korwin an und nickte kurz, „Von Orkenwall" und verließ den Saal in Richtung Ausgang. „Dieser Taugenichts“ sagte der alte Pfundter. „Unfähig und macht nur Ärger. Wo kommt ihr her von Orkenwall? Gramfelden, Dämonenbrache? Am liebsten würde ich ihn dort aussetzen. Wenn er es überlebt, hat er wenigstens irgendetwas im Leben erreicht. Wenn nicht bin ich die Schande los.“ Er machte eine kurze Pause.

Korwin hielt kurz inne und überlegte, dann ergriff er das Wort. „Nachdem was ich bisher über ihn weiß, ist er vermutlich in einer Woche von irgendeiner niederhöllischen Kreatur verspeist worden. Aber ich schlage euch einen Handel vor, edler Herr um die Ehre der Pfundter hinsichtlich der Brache wieder herzustellen. Ich nehme Ralbert in meine Obhut und führe Ihn zur Schwertleite. Da ihm bisher anscheinend egal war, was mit Gramfelden geschieht, wird er so um sein Leben kämpfen müssen, damit die Brache ihn nicht verschlingt.“ Der alter Pfundter hob mahnend den Finger. “Ich vermute, dass jetzt das ABER kommt.“ „Kein ABER edler Herr. Es ist kein Geheimnis, dass die Brachenwächter eine Zuwendung zum Wiederaufbau der Wehranlagen bekommen werden oder schon bekommen haben. Aber ansonsten sind wir nahezu schutzlos den Gefahren der Brache ausgeliefert. Stellt mir zwei Wachen bis der Wiederaufbau der Gramwacht abgeschlossen ist. Es ist nicht von Nöten, dies als unseren Handel kund zu tun. Ihr edler Herr, könnt es als Wohltat an Garetien und dem kaiserlichen Hof verkaufen. Lassen Sie sich vom einfachen Pöbel dafür feiern. Der Adel rümpft nach der Geschichte ohnehin die Nase.“

„Ich soll meinen nichtsnutzigen Sohn einem mir völlig unbekannten Ritter zur Obhut anvertrauen? Und dafür dann auch noch zwei meiner Wachen hergeben? Ihr nehmt den Mund reichlich voll!“

Doch Korwin antwortete gelassen. „Dann lasst es. Edler Herr Pfundt zu Pfundter. Ich bedanke mich aber wir müssen ein Lehen für den Kaiserlichen Marktvogt wieder aufbauen. Wir entschuldigen uns und verbleiben.“ Dann dreht er sich um und machte auf dem Hacken kehrt. Der Zwerg und der Hühne blickten sich an, zuckten mit den Schultern und taten es ihm nach. Er hatte den Raum fast durchschritten, da hallte es aus dem Saal. „Abgemacht. Den Taugenichts und zwei Mann. Die beiden können ihn dann auch gleich in Ketten legen und nach Gramfelden schleppen. Aber ihr klärt das mit von Isppernberg". Korwin drehte sich noch einmal um und nickte. „Danke edler Herr.“

Dann verließ er den Saal um dem Hofritter hinterher zu eilen. Dieser wollte gerade auf sein Pferd steigen, als Korwin zu ihm trat. „Herr von Isppernberg, würdet ihr die Erlaubnis erteilen, dass wir an Stelle eurer Wohlgeboren den jungen Pfundt zu Pfundtern als Knappe übernehmen? Ich denke, dass ihm das Antlitz der Brache Demut lehren kann.“

"Enttäuscht mich nicht von Orkenwall. Ihr könnt ihn haben."

Texte der Hauptreihe:
K5. Eine Last?
Autor: Gramfelden