Gnitzenkuhler Träume

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Burg Gnitzenkuhl, Firun/Tsa 1033

Im Badezimmer der Burg:

[...]

„Wie meinst du das denn schon wieder Mutter? Politik interessiert dich doch sonst nicht." Die Miene der Baronin von Gnitzenkuhl brachte deutlich zum Ausdruck, was sie von den Ausführungen ihrer Mutter hielt, aber sie war nicht so unerzogen um dies in Worte zu fassen.

„Kindchen du denkst nicht weiter als dein Blick reicht. Sogar dein Vater, Boron sei seiner Seele gnädig, hatte ein Gespür dafür welche Dinge die Zukunft bestimmen könnten." Die in die Jahre gekommene ehemalige Bürgerliche Olmerga von Gnitzenkuhl zog sich einen Hocker an den großen Badezuber heran und schickte die Magd nach draußen. Geshla war unter dem Berg von Seifenschaum kaum zu erahnen. Sie lag in dem dampfenden Bad und hatte die Augen schon wieder geschlossen als der Redestrom ihrer Mutter begann.

„Liebchen, jetzt überlege doch einmal. Es wird jemand gesucht, der an Stelle dieses alten Barons ... äh Abolf ..."

„Nein, Mutter, Alrik XII. von Sturmfels, das stand doch deutlich zu lesen!"

„Ist doch nun einerlei, er ist es nicht mehr! Das zählt! Daher wird einer gesucht, der die Nachfolge antritt. Da werden allerhand wichtige Leute anreisen." Die weit geöffneten braunen Augen hatten sich auf das Antlitz ihrer hübschen Tochter geheftet. Bedeutungsschwanger lagen diese Worte noch einen Moment in der Luft, bis sich Geshla dazu herabließ ihrer Frau Mutter zu antworten.

„Ja und? Wenn ich jemanden Wichtigen treffen will kann ich auch nach Perricum reisen. Was willst du mir eigentlich damit sagen?"

„Dummchen, wie lange hältst du nun schon die Augen offen nach einem geeigneten Mann? Wenn Seraminor noch leben würde, ja dann hätten wir damit sicher kein Problem ...!"

„ICH habe damit KEIN Problem Mutter."

Die ruhige Stimmung, in der sich die junge Frau eben noch befunden hatte, war jäh gewichen. Energisch war eine schlanke Hand aus dem edlen Zuber aufgetaucht und hatte eine Fontäne warmen Wassers und Schaumes über die Beisitzerin ergossen. Allen Bemühungen zum Trotz hatte sich während ihrer Antwort auch ihre Stimme wieder einmal unbotsmäßig überschlagen, sodass sie in ihrer ganzen unangenehmen Pracht auf ihre Mutter hernieder gegangen war.

„IIiieeehh, Geshla Alvinja! Pass doch auf!" Erbost war die dralle Gemahlin des als Wolfszahn bekannten Seraminor von Gnitzenkuhl aufgesprungen. Sie überprüfte den Zustand ihrer Haare und ihrer Kleidung aufs genaueste. "Stundenlang war ich still gesessen, damit man mir das Haar frisiert, wie ich es kürzlich bei dieser ... dieser ... Lynn di ... ach du weißt schon wen ich meine, gesehen habe. Diese neue Frau an der Seite des Erben aus Brendiltal. Diese rote Wallemähne werde ich zwar nie ganz erreichen, aber dennoch hübsch, oder?"

Die Baronin versuchte sich ein Lachen zu verkneifen, da die Frisur ihrer Frau Mutter in der Tat bemerkenswert war, allerdings nicht im gewünschten Sinne. Es sah aus, als sei sie in einen Sturm geraten und hätte sich anschließend versucht Kletten aus den ohnehin störrischen Haaren zu ziehen. Strohig und steif stand es vom Kopf ab.

„Sicher Mutter, wer hat dir die Haare so gekämmt?" Sie musste stark mit sich kämpfen um nicht doch los zu prusten, doch ihre eiserne Selbstdisziplin halfen ihr dabei die Maske eines interessierten Gesichtes aufrecht zu erhalten.

Einigermaßen von dem vorangegangenen Unsinn ihrer Tochter abgelenkt, sprudelte es auch schon weiter aus ihrem viel zu stark geschminkten Mund heraus. Sicher auch ein Resultat dieser fragwürdig begabten Frau. „Ach du weißt do, ich lasse nur noch Trudis aus der Färbergasse an mein Haar. Kannst du dich nicht mehr daran erinnern, dass ich vor gar nicht allzu langer Zeit nicht auf diesen Ball gehen konnte, da mir dieses tumbe Frauenzimmer mit dem Eisen die Haare völlig verbrannt hat?"

Geshla riß in gespieltem Entsetzen die Augen auf. „Nicht möglich, das hast du mir nicht erzählt, das wüsste ich doch!" Überrascht setzte sich ihre Mutter sofort wieder auf den Hocker und begann gestenreich zu erzählen.

„Also das war so: ..."

In dem sicheren Gefühl, ihrer Mutter für eine Weile Beschäftigung verschafft zu haben, lehnte sich die junge Baronin Gnitzenkuhls wieder zurück. Sie hatte so ihre eigenen Gedanken zu diesem Thema entwickelt, die sie jedoch keinesfalls mit ihrer Mutter zu teilen gedachte. Wenn sie Glück hatte spielte ihr Phexens Glück alles wie gewünscht in die Hände. Ansonsten ...würde sie nachhelfen müssen.

***

Im Arbeitszimmer der Burg:

„Was soll ICH denn da?" Geshlas Gesicht drückte aus, dass ihr die Widerworte ihrer Ritterin deutlich missfielen. Die Isenbrunnerin stand mit trotzig vorgerecktem Kinn vor ihnen am Schreibtisch. Wieso strengte diese Frau nicht einmal selbst ihren Kopf an? Geshla Alvinja von Gnitzenkuhl kannte eigentlich selbst die Antwort und die drückte ihr fast noch mehr aufs Gemüt, als der Unwille der Rittfrau an sich. Weil es ihre Ritterin derzeit nicht im geringsten interessierte. Mit einem Schnaufen hub die Baronin erneut an, doch bevor sie eine Antwort auch nur beginnen konnte war ihr der Vogt zuvor gekommen. Er sprach in unterdrücktem Zorn.

„Soll das heißen ihr widersetzt euch dem Befehl der Baronin.?" Die Feder in Geshlas Hand begann zu zittern. ‚Dieser Tölpel!'schimpfte sie in Gedanken. Damit war nichts gewonnen, wusste die Neuadlige in dem Moment wo ihr Vogt dies ausgesprochen hatte. Scheinbar war die Zwistigkeit die im Edlenhaus der Isenbrunns seit neuestem offen herrschte immer noch am schwelen. Ihre sonst so umsichtige und beherrschte rechte Hand Roderick war in letzter Zeit sehr unkonzentriert und impulsiv.

Diese Haltung provozierte nunmehr Geshla von Gnitzenkuhl ihrerseits etwas Zunder in die Konversation zu bringen. Übertrieben beiläufig warf sie ein: „Sicher kann man sich nie sein, ob man nicht doch Sturmfelser Blut in sich trägt ...!" Empört schauten ihr jetzt sowohl der Vogt Roderick von Isenbrunn als auch ihre Ritterin Leomara von Isenbrunn ins ebenmäßige Antlitz. Innerlich triumphierte sie, hatte sie doch genau den empfindlichsten Nerv der beiden getroffen.

„Jetzt schaut mich nicht so schockiert an. Genau DASS lieber Roderick habt ihr mir doch selbst so berichtet, als diese Bekanntmachung überbracht worden war. Außerdem dachte ich, ich verschaffe mir einmal die nötige Aufmerksamkeit, denn ich habe den Eindruck, dass ich und das was ich zu sagen habe einmal mehr nebensächlich ist." Ihre Stimme war inzwischen sehr laut geworden und bekam diese unangenehme Note, die sie sonst durch eine gedämpfte Sprechweise zu vertuschen suchte. Missmutig schüttelte sie das Haupt über die Streihähne. Seit einiger Zeit waren die beiden unerträglich, fast wie Hund und Katz. Gut, dass sie eben indirekt auf die Untreue ihres verstorbenen Vaters mit Leomaras Mutter hingewiesen hatte, war nicht gerade nett gewesen, aber noch lange kein Grund gleich so aufzubrausen. Schließlich waren sie alle erwachsen und die Sache längst vergessen.

Um gute Stimmung bemüht und die Chance der ungeteilten Aufmerksamkeit nutzend, setzte sie erneut an, um Leomara für die Sache zu gewinnen. „Wir können hier derzeit nicht fort. Ich habe gesellschaftliche Verpflichtungen und euer Vater muss mich hier vertreten. Dass wir jedoch gar nicht repräsentiert werden kommt nicht in Frage. Man muss sehen, dass die Baronie nicht etwa in die falschen Hände gerät. Es reicht, dass wir von oben neue Grenzen erhalten haben jetzt brauchen wir nicht noch Barone, denen Perricum einerlei ist und die nur daran interessiert sind was für Vorteile sie daraus ziehen können. Ich denke euer Herr Vater wird euch sicher gerne auseinander setzen was genau unsere Interessen sind ..."

Die Grabesstille die daraufhin im Arbeitszimmer herrschte ließ Geshla aufmerken. Sie hatte eigentlich mit einer patzigen Antwort der Rittfrau gerechnet, doch diese Ruhe war ihr unheimlich. Über den Tisch hinweg sah sie wie sich die beiden hasserfüllt anstarrten. Ein Blickduell, bei dem keiner nachzugeben gedachte. ‚Bei allen Zwölfen was war nur in sie gefahren?' fragte sich die junge Baronin nicht zum ersten Mal seitdem sie wieder von Rashia'Hal zurück gekehrt waren.

Alle bisherigen Versuche sich der Sache anzunehmen waren gescheitert. Roderick berief sich auf das alte Problem, dass Leomara als Bastard ihm fremd war, und Leomara wies die Halbschwester nur barsch ab, und verkündete, dass dies nicht ihr Problem sei.

Ruckartig erhob sie sich von ihrem gepolsterten Stuhl, was zuviel war war zuviel. Mit kalter und nur mühsam beherrschter Stimme begann sie erst in Richtung ihres Vogtes, dann auch in Richtung der Ritterin zu sprechen.

„Ich wünsche, dass ihr umgehend meine Ritterin Leomara darüber in Kenntnis setzt was in dieser Sache zu berücksichtigen ist. Diese kleinmütigen Streitereien werden mir zuviel. Ihr reißt euch jetzt zusammen, sonst muss ich mir Konsequenzen überlegen. Es kann doch nicht sein, dass ihr mir hier eure Launen aufdiktiert. Hinaus alle beide. Das war mein letztes Wort."