Gespräch mit dem Großjagdmeister

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H: Herr von Lüstern, ehe die Vorbereitungen für die Lange Jagd in die heiße Phase eintreten, seid Ihr bereit gewesen, dem Garether & Märker Herold für ein paar Fragen Rede und Antwort zu stehen, habt Dank dafür.

L: Gern. Märker? Ich dachte, der Herold sei eine Garether Postille?

H: Eigentlich wollte ich die Fragen stellen – aber nun gut: Ja, der Herold ist eine Garether Postille aber geleichzeitig das Presseorgan für Garetien, Perricum und die Mark Greifenfurt. Das prädestiniert uns ja, Euch zu einem Greifenfurter Ereignis zu befragen, um die Garether zu informieren.

L: Ganz ehrlich: Informieren solltet Ihr lieber die Märkwürdigen. Denn merken tun die nicht besonders viel.

H: Was meint Ihr damit?

L: Wie Ihr wisst, bin ich Hauptstädter. Als solcher ist man gewisse Standards gewöhnt. Einen gewissen Esprit, eine gewisse geistige Schnelligkeit. Auch, dass das Gegenüber Schritt halten kann, wenn Ihr versteht, was ich meine.

H: Gebt uns ein Beispiel.

L: Oh, unzählige! Das fängt damit an, dass Ihr auf der Pfalz Kaiserlay – das ist der Kaiserin Besitz in Greifenfurt, auf dem auch die Lange Jagd stattfinden wird – keinen Greifenfurter Schreiber gibt. Kommt aus Gareth. Weit und breit kein Papierschöpfer, kein Drucker, kein Federmacher. Nichts. Es gibt einen Hesinde-Tempel – in Hesindelburg. Haha. Das war’s. Ansonsten fällt mir da eher Gesinde ein statt Hesinde.

H: Eure Nähe zur Hesinde-Kirche war uns bisher unbekannt.

L: Von Nähe verstehe ich einiges, aber Hesinde gehört nicht dazu, stimmt schon. Aber in der Vorbereitung zur Langen Jagd haben wir bei den Nandus-Spinnern aus Eslamsgrund, in Sancta Ancilla und in der Märchensammlung Quandt mehr gefunden als wir vom Schwafel-Scafel aus Rohalswort erfuhren.

H: das sind jetzt viele Namen, mit denen der Leser nicht viel anfangen kann.

L: Das macht nichts –ich auch nicht, Wichtig ist: Die Lange Jagd beruht aber auf einigen historischen Tatsachen, die korrekt sein müssen, und dazu braucht ihr die Märker nicht zu befragen.

H: Welch Tatsachen?

L: Noch ein Beispiel: Die Krone will also eine große Jagd zu Ehren der tausend Jahre Markgrafschaft Greifenfurt und kaiserliche Pfalz abhalten. Denkt Ihr, es gäbe auch nur einen einzigen Firun-Geweihten in der Mark?

H: Nicht?

L: Ich habe jedenfalls keinen gefunden, Das macht nichts, denn wir haben mit Baertrada von Waldtreuffelingen in der Nachbarschaft, in Neerbusch, eine absolut humorlose Firun-Geweihte gefunden, die uns noch Tarjo der Jäger empfohlen hat. Gut, lesen kann die bestimmt auch nicht, und Waldstein ist ja fast so rückständig wie Greifenfurt, aber von der Jagd versteht sie etwas!

H: Habt Ihr sie kennen gelernt?

L: Das will ich meinen! Ich verstehe schließlich auch etwas von der „Jagd“. Hähähä!

H: Was qualifiziert Euch für die Aufgabe als Großjagdmeister?

L: Die Lange Jagd ist eine Feier mit Anwesenheit der Königin. Deshalb geht es um Feierlichkeit, Grandezza, Stil – alles Dinge, von denen ich jede Menge verstehe, wahrscheinlich mehr als alle Greifenfurter zusammen. Das Fest soll so viel Glanz und Gloria verbreiten, dass den Menschen da oben in der Heide auch einmal das herz aufgeht und die Sonne des Reiches über ihnen scheint. Auch die Gäste sollen diesen Glanz ersehen und sich daran erfreuen, dass die Wildnis Greifenfurts seit tausend Jahren Teil des Reiches ist. Das ist schon ein Grund zum Feiern.

H: Wer unterstützt Euch?

L: Die Krone gewährt mir ausreichend Mittel, um zahlreiche Fachleute anheuern zu können. Überdies ist die Kirche unseres Herrn Praios eine echte Stütze des Unterfangens. Man muss sagen, dass wenigstens deren Licht in Greifenfurt hell erstrahlt.

H: Was erwartet Ihr von der Langen Jagd?

L: Ich erwarte Heldentaten, Jagdgeschichten, kapitale Beute, von der zu erzählen auch in zwei Jahren auf einem Ball in der Hauptstadt nicht langweilig wird. Ich erwarte, dass in Greifenfurt noch Generationen von diesem Ereignis werden sprechen können. Die hatten es schon schwer genug mit dem Schwarzpelz und Answin und so. Da ist doch ein Fest dieser Größenordnung ein linderndes Pflaster! Ich erwarte, dass der erfrischende Geist Korgonds durch die Reihend er Gäste weht und dass mit dem Fuchsrudel eine illustre Schar Gäste die Jagdgesellschaft bereichern wird. Ich erwarte, dass die gekrönten Häupter zufrieden sein werden, denn es geht schließlich auch darum, der Welt zu zeigen, dass Rauls Krone ihren Schutz und Schirm über die Reifen der Grafen und Barone wirft. Alles in allem erwarte ich also ein Ereignis mit allem Pomp und Trallala.

H: Und was erwartet ihr für Euch persönlich?

L: Ach, jede Menge Mühsal. Ich sehe mich jetzt schon, wie ich den Hinterwäldlern erklären muss, was ein höfischer Tanz ist und was eine Bauernrangelei beim Erntefest. Aber dann hoffe ich doch, dass ich meinem Namen Ehre erweisen kann.

[Das Gespräch wurde nicht veröffentlicht, das Protokoll aber abgeschrieben, durchgestochen und vervielfältigt, so dass sein Wortlaut bekannt wurde.]

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20. Eff 1041 BF
Gespräch mit dem Großjagdmeister
Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn

Kapitel 4

Vom Geist von Lüstern
Autor: BB