Gedankengift Teil 14b

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Später in der Nacht:

Der Angriff hatte begonnen. Gerade eben war es den Feinden gelungen, die Tore der Burg mittels eines Rammbocks und schändlicher Magie zu durchbrechen. Die Truppen der greifenfurter Adeligen fielen dem Feind in den Rücken, der nun zwischen den letzten Verteidigern in der Burg und dem neuen Gegner in seinem Rücken eingekesselt wurde. Aber dennoch sah es schlecht aus. Der Gegner war immer noch zahlenmäßig überlegen, und dies bekamen die tapferen Greifenfurter zu spüren. Nimmgalf, Rondrigo von Ahrenstedt und ein paar weitere Korbronner Ritter hatten sich die Ausschaltung eines der Katapulte zum Ziel gesetzt. Seite an Seite erkämpften sie sich eine Bresche durch die Nachhut der Gegner. Als die Geschützmannschaft die drohende Gefahr bemerkte, schlugen sie Alarm. Noch bevor Nimmgalf reagieren konnte flogen die ersten Armbrustbolzen heran. Einer streifte ihn am linken Oberarm. Doch die Wunde war nicht tief, so dass er sich entschloss, weiter zu kämpfen. „Vorwärts! Wir haben immer noch das Überraschungsmoment auf unserer Seite!“ versuchte er die anderen anzutreiben. Es wirkte. Eine handvoll Streiter fasste Mut und folgte ihm in Richtung der Wurfmaschine.

Doch noch bevor sie ihr Ziel erreicht hatten, bauten sich auf einmal ein halbes Dutzend Untote vor ihnen auf, die einen grässlichen Anblick boten. Auch ein paar feindliche Söldner waren dabei. Nimmgalf hatte den ersten Schock recht schnell überwunden, doch zwei der Soldaten ergriffen die Flucht. Der Baron fasste seinen Anderthalbhänder fester und lies ihn auf den ersten Leichnam hernieder sausen. Die scharfe Klinge trennte diesem den Kopf ab.

„Greift sie an! Sie sind langsam. Wir können sie ausschalten, wenn wir auf Distanz bleiben.“

Neben ihm gelang es zwei Rittern, einen weiteren Untoten zu vernichten, doch auf der anderen Seite musste er mit ansehen, wie eine junge Soldatin von einem der widerlichen Zombies gebissen wurde und schmerzgepeinigt aufschrie. Nimmgalf verzog das Gesicht voller Abscheu. Das würde ihm nicht passieren. Erneut traf seine schwarze Klinge ihr Ziel und ein weiterer Untoter geriet ins Wanken. Der nächste Treffer gab auch dieser Kreatur den Rest. Ein Söldner stellte sich ihm in den Weg. Er erwies sich als zäher Kämpfer und Nimmgalf hatte Mühe, die Oberhand zu gewinnen. Ein Treffer an der Seite, der seinen Weg zwischen Nimmgalfs leichte Garether Plattenpanzerung gefunden hatte, brachte den Baron ins Taumeln.

Doch dann knickte der Gegner beim Nachsetzen leicht zur Seite weg, was Nimmgalf zum entscheidenden Kopftreffer ausnutze, der den Feind fällte. Schließlich brachen sie mit fünf Kämpfern zu den Katapulten durch. Aus den Augenwinkeln konnte Nimmgalf noch sehen, wie sich ein paar der dunklen Schergen hinter einen Schutzwall warfen. Einer von Nimmgalfs Soldaten, Korporal Ulfhardt Wiesener aus Samlor war am weitesten vorgedrungen. Nimmgalf versuchte so schnell es ging zu ihm aufzuschließen. Nur noch wenige Schritt trennten ihn von ihrem Ziel, dem feindlichen Onager.

Plötzlich bemerkte Nimmgalf den schwelenden Geruch, irgendwo roch es verbrannt in der Nähe. Ulfhardt, der nahe bei den Stapeln Wurfgeschossen und ein paar Vorratskisten stand, rief: „Sie haben brennende Öllappen auf diese Kisten hier geworfen. Ich werde…“ „KOMM SOFORT DA WEG!“ schrie Nimmgalf so laut er konnte, da wurde er auch schon von kräftigen Armen nach hinten zu Boden gerissen.

Im nächsten Moment detonierten die Kisten, in denen wohl Brandgeschosse aufbewahrt wurden, mit einem gewaltigen Bersten und Knall. Ein Feuersturm fegte über sie hinweg und verzehrte alles und jeden, der sich nicht rechtzeitig zu Boden geworfen hatte. Für Korporal Ulfhardt kam jede Hilfe zu spät. Auch der Onager und andere umstehende Gerätschaften gingen in Flammen auf. Nachdem sich das Inferno gelegt hatte, blickte Nimmgalf russbefleckt und hustend seinen Retter an, der sich noch ein paar brennende Fetzen von der Rüstung rieb. Es war Rondrigo. „Ich glaube, ich schulde Euch nun was, von Ahrenstedt!“ Rondrigo lächelte kurz. „Vergesst es. Ihr hättet doch sicher genauso gehandelt.“

Daraufhin zogen sie sich erstmal zurück, um die Wunden notdürftig versorgen zu lassen. Kurz darauf, als bereits das erste Schimmern des Morgengrauens zu sehen war, erklangen Signalhörner. Auf der westlichen Hügelkuppe war erst ein schwarzer Standartenträger auszumachen. Immer mehr Reiter gesellten sich an seine Seiten. Ein großes, ja ein gewaltiges Heer war aufgetaucht. Als sie ihr Banner entrollten, fiel Nimmgalf ein Stein vom Herzen. Es zeigte einen schwarzen Raben mit roter Wehr auf silbernem Grund – Answins Banner. Mit lautem Kriegsgeschrei donnerten die Reiter gefolgt von weitern Fußtruppen die Hügelkuppe herunter. Mit Genugtuung beobachtete Nimmgalf, wie etliche der schwarzen Schergen und die letzen der Untoten einfach nieder geritten wurden. Die wenigen Überlebenden ergriffen panikerfüllt die Flucht. Das war der Sieg!

Die Markgräfin sammelte die überlebenden Kämpfer. Der Angriff hatte etwa anderthalb Dutzend ihrer Streiter das Leben gekostet, darunter auch Nimmgalfs Korporal.

Nachdem Answin auf Burg Rabenmund von seinem Enkel, der die Burg bis zuletzt gehalten hatte, willkommen geheißen worden war, und gemeinsam mit seiner Heerführerin Lutisana von Perricum – ebenfalls eine Verräterin – und seinem Sohn Ludeger von Rabenmund Einzug auf der Burg genommen hatte, wurde eine Lagebesprechung unter der Leitung vom Reichserzmarschall Leomar vom Berg, der überraschenderweise auch unter den Verteidigern der Burg war, durchgeführt. Nimmgalf begab sich zunächst zum engeren Gefolge der Markgräfin Irmenella und trat so den Besprechungen etwas später bei.

Als die wichtigsten Punkte fürs Erste geklärt zu sein schienen, kam Nimmgalf endlich dazu, sich dem Kriegsrat vorzustellen. „Verehrte Anwesende, seid gegrüßt! Mein Name ist Nimmgalf von Hirschfurten, Baron zu Leihenbutt. Ich möchte mich ebenfalls eurem Feldzug anschließen und Euch, Euer Hochgeboren, meine Dienste anbieten.“ Dabei blickte er Answin von Rabenmund an. „Ich war bereits in einigen Schlachten der jüngeren Vergangenheit involviert und habe den Rang eines Rittsmeisters inne.“

Die Anwesenden, allen voran Answin, musterten den Garetier eindringlich. Der sichtlich gealterte doch immer noch erstaunlich rüstig wirkende Answin von Rabenmund sprach ihn an: „Von Hirschfurten, sagt Ihr? Ihr seid doch mit Radulf und Ungolf von Hirschfurten verwandt.“

Nimmgalf nickte. „Die beiden sind meine Onkel im zweiten Grade!“

Ein Lächeln ging über Answins Züge. „Ich weiß, dass ich mich auf meine alten Freunde in Garetien verlassen kann. So schicken sie Euch, Nimmgalf, um mir beizustehen. Darüber möchte ich mehr erfahren.“ Er blickte die Umstehenden kurz an. „Meine Damen und Herren, die Unterredung ist eine Weile unterbrochen.“ Die Umstehenden nickten und verließen dann bis auf Nimmgalf den Raum. Answin und er hatten sich einiges zu erzählen, und Nimmgalf war sehr gespannt darauf, ihn persönlich kennen zu lernen.