Gedanken einer Pfalzgräfin

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Still war es geworden auf Burg Kaiserley. Die Feierlichkeiten lagen schon einige Praoisläufe zurück, alle Gäste waren wieder abgereist. Langsam wanderte die neue Pfalzgräfin durch die Burg. Betrat jeden Raum, schaute aus jedem Fenster, um ein Gefühl zu bekommen für den Ort, der nun ihr Zuhause war.

Zuhause; das fühlte sich gut an. Zuhause; ein Ort an den man nach Reisen zurückkehren konnte. Viel war sie in den letzten Götterläufern herumgekommen. War nie lange an einem Ort geblieben. Hatte zugehört, geredet, verhandelt.

Und nun Greifenfurt, Königsgau.

Hierher hat die Kaiserin sie gesandt, auch hier würde sie zuhören, reden, verhandeln. Und doch war es diesmal anders, diesmal würde es ihr Zuhause sein.

Greifenfurt - daß der Ork allgegenwärtig, daß das Leben alles andere als ruhig und beschaulich war, all dies war ihr vorher klar gewesen. Aber Magie, soviel Magie!? Die Mark galt als praiosgläubiges Land. Sicher, in den Dunklen Zeiten war vieles anders gewesen, aber dieser Magier… Bislang hatte Raugunde keine Zeit gefunden, über die Geschehnisse der Reise in die Pfalz nachzudenken. Doch nun brachen sich die Erinnerungen Bahn und ließen sie frösteln.

Gerade schon wollte sie einen der Bediensteten rufen, das Feuer zu schüren, dann besann sie sich anders und ging selber zum Kamin, legte Holz nach. Was man am Gesinde hat und wieviele Tätigkeiten von den dienstbaren Geistern unmerklich getan werden, sah man doch erst, wenn diese einmal fehlten.

Wirklich gut, wie die Baronin von Eychgras im Kloster die Tiere angeschirrt hatte. Ob sie so etwas häufiger tat?

Auch ihr Gatte schien praktisch veranlagt zu sein, wenngleich Raugunde bei dem Gedanken an die Identitätsbezeugung der Baronin schmunzeln mußte. Wie hatte die Eychgraserin es noch gleich formuliert? „Ein Trottel und dumm! Es muß mein Gatte sein!"

Handfest, praktisch und bereit, seine Pflicht an dem Ort, an den der Herr Praios einen gestellt hatte, zu erfüllen - diese Eigenschaften erschienen Raugunde wesentlich für ihre neue Heimat.

Handfest schien der Pfalzgräfin auch der neue Baron von Eslamsroden zu sein, auch wenn ihn die Belehnung, seinem Gesichtsausdruck nach, überrascht hatte.

Das Vorgehen des Meisters der Mark in dieser Angelegenheit mutete Raugunde ein wenig seltsam an. Einen Lehnsmann nicht vorher über die Belehnung in Kenntnis zu setzen war ungewöhnlich. Und dann der vorhergehende Entzug des Junkergutes. Raugunde schüttelte unmerklich den Kopf. Es sprach juristisch nichts dagegen, beide Lehen inne zu haben. Doch auch dieses handfeste Fleckchen Deres war nicht frei von politischen Winkelzügen.

Politik und Juristerei - Raugunde mußte an den Rat ihres alten Lehrers am Seminar in Beilunk denken: "Wisse immer, mit wem und was Du es zu tun hast. Der erste Eindruck ist immer der ehrlichste."

Mit diesen Gedanken erhob sie sich aus dem Sessel vor dem Kamin, schüttelte mit einem Strecken der Glieder die letzten grüblerischen Gedanken ab und ging hinüber in ihr Arbeitszimmer wo sie sich am Sekretär niedersetzte. Nachdem sie Feder, Tinte und ein noch unbeschriebenes Büchlein aus selbigem genommen hatte, begann sie zu schreiben…

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Texte der Hauptreihe:
K2. Gedanken einer Pfalzgräfin
Autor: Caris