Gallsteiner Herzensangelegenheit

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Er drehte den kleinen Orden immer wieder in seiner Hand hin und her, betrachtete ihn genau. So ein kleines Stück Metall also und doch...

Herz. Gleicher unter Gleichen.

Welch Macht, welch Stärke und welch Schwäche in einem einzigen Ding gefangen, verwoben und in Form gegossen. Eine Magd nun gleichgestellt mit den Adligen des Reiches. Weder der Rang, noch der Titel sollten eine Grenze sein, jeder so wie er war, gleich. Mit Aufnahme geadelt. Sie hatten einen Orden erschaffen, der nicht nur durch dieses kleine Stück Metall symbolisiert, sondern durch einen Schwur verfestigt wurde, bei dem dann auch noch das Zeichen alter Mächte aufbrach und ihnen den Weg in eine andere Zukunft aufzeigen sollte. Der gute alte Kaiser Menzel. Sein Hammer brach den Stein des Altares und legte eine steinerne Karte frei, auf denen die Symbole für einen Moment zu erkennen waren, die nun überall bei Adligen, Geweihten und Gelehrten zu deuten versucht wurden.
Der Gallsteiner schnaubte verächtlich und legte den Orden beiseite.

Herz. Fünf mit einer Stimme sprechend.

Ein Orden brauchte eine Führung. Jemand der ansprechbar war, greifbar, der die Interessen bündeln und lenken konnte. Fünf unter den Ordensmitgliedern wurden bestimmt und sollten unter sich den Ersten unter den Gleichen finden, oder in feinerer Sprache den Primus inter pares. Natürlich auch hier dieser Gedanke an Gleichheit. Und als ob es schon nicht schlimm genug gewesen wäre, so nannte man diese fünf oberen Mitglieder auch noch Herzen. Noch immer konnte er nicht fassen, das er sogar noch zu solch einem Herzen gewählt worden war. Ausgerechnet er. Der Gallsteiner! Der Gallsteiner stand nun einem Orden vor, der Gleichheit, Brüderlichkeit in seinen Statuten aufgeführt hatte. Was hatte ihn nur geritten sich aufstellen zu lassen? Oh, er wusste es und noch immer verwünschte er den Höllenwaller dafür, das dieser sich für solch einen Titel ins Zeug gelegt hatte.. Es wäre aber auch nicht angegangen, irgendeinen dieser Kronvögte an solch Stelle kommen zu lassen und er musste dem Höllenwaller auch den Rücken stärken, deswegen hatte er auch seinen Namen in die Waagschale geworfen. Allein bei der Vorstellung, dass Halhof hier ein Gewicht haben hätte können, kam ihm die Galle hoch. Nun ja, es gab für sie alle leider immer noch eine Möglichkeit, denn einmal Herz, hieß nicht immer Herz zu bleiben. Wahlrecht. Sie hatten das Wahlrecht für diese Posten eingeführt. Damit könnten nun auch diejenigen Mitglieder, die keinen Adelstitel vorher inne hatten, tatsächlich über solch Adlige abstimmen, deren Familien seit Jahrhunderten die Geschicke des Reiches bestimmten und damit eben auch bestimmen, wer zu den oberen Fünf des Ordens gehören sollte. Es musste also diejenigen geben, die den Traditionen Achtung entgegenbrachten und Sorge dafür trugen das nicht zu viel an Neuerungen den von Praios geordneten Ständerang durcheinander bringen mochten.

Herz. Bruder, Schwester.

Der Gallsteiner trank kurz etwas vom dem würzigen Wein, dessen Hitze schon vergangen war. Die Kälte draußen hatte ihn gezwungen mit seinen zwei Rittern in diesem Gasthaus Quartier zu suchen, doch war es sehr klein. Die Betten im Schlafsaal oben waren alle belegt und außerdem war es dort nicht gerade der wärmste Ort in solch kalter Nacht und deswegen hatte der Baron ohne weiteres das Angebot des Wirtes angenommen und würde in der Gaststube, nahe am Kamin nächtigen. Ein guter Platz für einen Söldnerhauptmann, denn genau in dieser Rolle war er immer noch unterwegs, war dieses ganze Treffen auf Bogenbrück doch ein konspiratives Treffen gewesen, gänzlich darauf bedacht, nicht die Aufmerksamkeit von Haffax zu wecken und da wäre es doch eine wirkliche Narretei gewesen, mit Wappen und Hofstaat zu erscheinen. Zwar war er nicht gerade der Beste darin sich zu verkleiden, aber als ein Kriegsmann zu erscheinen, war für den Gallsteiner dann doch nicht besonders schwer und in diesen Zeiten waren Söldlinge nicht gerade ein ungewohnter Anblick. So bekam er genug Aufmerksamkeit und Freundlichkeit bei dem Wirt, der sich nicht mit solch wilden Kriegsvolk anlegen wollte und hatte doch seine Ruhe, konnte seinen Gedanken nachhängen.
Oldebor hatte ihn einen Bruder genannt. Rondriane von Eslamsgrund, Mitglied des Zedernkabinetts hatte sich doch tatsächlich ebenso höflich und erfreut über seinen, scheinbar neuen Idealismus gefreut, sogar von Unterstützung seiner Person hatte sie gesprochen. Wie seltsam dies doch war. So fremd sich alle waren, nun wurden sie durch ein Band und dem Stück Metall daran vereint. Scheinbar. Hatten sie je daran gedacht, dass dies der erste Schritt zum Ende hin sein könnte? Wie viel Gleichheit würde es geben können und wann würde die Brüderlichkeit ihr Ende finden? Wer sollte hier eine Einigung auf Dauer schaffen können

"Lass es, bitte."
"Wir werden verhungern. Ich lasse nicht zu, dass Du und mein Sohn diesen Winter nicht überleben, ich habe doch nicht alles getan um Dich vor dem Kindstod zu retten um nun meinen Stolz vor Dich zu stellen. Ich red mit ihm"
Einige geflüsterte Worte, das leise Greinen eines Kindes. Nichts, was den Gallsteiner beunruhigte, denn sie waren nicht allein im Gastraum und obwohl die Stunde weit vorgerückt war, hielt der Wirt seinen Posten immer noch, machte er damit doch ein wirklich gutes Geschäft und konnte neben seinem Eintopf noch gut von Bier und Wein verkaufen, wie auch Schlaf und Lagerplätze.
So nahm er den Mann erst gar nicht wahr, der sich vor seinen Tisch aufstellte, wobei Berond, der Erste unter den Basiliskenrittern sehr wohl diese Annäherung an seinen Herren bemerkt hatte und sich aus dem Schatten, neben dem Kamin erhoben hatte.
"Sei gegrüßt Freund Hauptmann. Wohl ist es Dir ergangen, wenn ich es sagen darf und der Herr Kor scheint Dir genug Kundschaft zu bringen. So lass mich fragen ob Du einen altgedienten Bruder aufnehmen würdest. Ich hab in manchen Schlachten gekämpft."
"So, so. Hört man gern... Freund. Scheint mir aber Du hast keinen Trupp gefunden in dieser Zeit, wo so manch Klinge benötigt wird und dies obwohl Du doch ein so guter Kämpfer bist. Warum also reist Du mit deinem Weib allein?"
Ein leichtes Lächeln umspielte die Mundwinkel des Gallsteiners, der nun endlich sich die Zeit nahm um sein Gegenüber anzusehen. Ein Söldner, wie man ihn sich eben so vorstellen durfte, das geschlitzte Wams, die ebenso geschlitzten Beinkleider, dazu auch noch in den Farben des blutigen Herren gehalten, ganz so wie es sein sollte. Ein wenig abgenutzt die Kleidung, ganz wie die gesamte Erscheinung. Ein Mann, dessen Gesicht Falten und Narben trug, die Wangen leicht eingefallen, das Haar lang und strohig wirkend. Seine Augen lagen tief in den Höhlen und dunkle Ringe zeichneten sich darunter ab. Fast konnte der Gallsteiner den Magen dieses Mannes knurren hören.
"Lange Geschichte und sehr traurig, nichts was einen Hauptmann sorgen muss. Hab sogar ein Schreiben dabei, ausgestellt von einem Geweihten des Kor. Ein guter Krieger des Herrn. Trug sogar die geheiligten Waffen, hat nicht sein Leben und nicht den Verstand dabei verloren." Er holte aus einem kleinen Lederbeutel an seiner Seite eine sorgsam zusammengefaltetes Papier, legte es vor den Gallsteiner auf den Tisch. Dieser nahm es auf faltete es vorsichtig auseinander, nachdem er bei dem Siegel für einen Moment gezögert hatte und las. Währenddessen hatte der Söldner den Orden bemerkt, der nun scheinbar achtlos neben dem Krug lag.
"Jetzt versteh ich die Sorgenfalten, die dunkle Wolken auf Deine Stirn gezeichnet haben, Freund Hauptmann. Hat das Adelspack doch wieder einmal nur mir solch billigen Metall bezahlt? Welch Orden haben sie Dir gegeben um nicht mit Gold und Silber zahlen zu müssen?"
"Es ist ein Orden für die Vertrauten der Krone und nur Adelspack darf solch Orden tragen. Pack, wie ich zum Beispiel. Mein Titel lautet auch nicht Freund Hauptmann, sondern Baron. Ich bin der Gallsteiner."
Der Wirt schreckte hoch, begann sodann aufmerksam die Theke mit einem Lappen zu wischen und versuchte dabei unauffällig zu wirken. Die Frau des Söldners aber stand auf, ihre Hand nach ihrem Gemahl ausgestreckt und das kleine Bündel in ihrem Arm begann wieder zu wimmern. Der Gallsteiner, eben der eben aufstehen wollte, seine Hand schon am Griff seines Schwertes, sah sie und blickte durch ihre angsterfüllten Augen zurück, weit zurück zu einem Herz, welches dort noch schlug.

Herz. Kannst du fühlen?

Es war eine sturmgepeitschte Nacht und SIE stand dort. Ihr Kind geborgen im Arm und ihr Schrei hatte den Gallsteiner wieder zur Besinnung gebracht, damals als das Blut Simolds von seinen Händen rann. Da hatte er es gespürt. Ein Herz, solang schweigend, gefangen in einem steinernen Garten, angelegt durch Hass, Misstrauen, doch es war noch da. Es war der Hort der Gefühle und konnte trotz der Festung, die um es herum aufgebaut worden war doch gefunden und berührt werden. Manchmal war er der Gallsteiner, jener Schlächter, eben doch nur... Ein Mensch.
Er nahm die Hand vom Schwertgriff, nickte seinem Ritter ruhig zu und setzte sich, dabei zeigte er mit der rechten Hand auf den Platz vor sich.
"Und jetzt, möchte ich die lange, traurige Geschichte hören. Setzt euch und trinkt mit mir. Los Wirt, gebt uns zu trinken und zu essen, von dem guten Zeug, was sonst nur das Adelspack bekommt und vergesst mir die Frau meines Freundes hier nicht. Heute sind wir doch nur Gleiche unter Gleichen." Er nahm seinen Orden auf, lachte und warf ihm seinen Ritter zu, während der Wirt neuen, heißen Würzwein brachte.
Beornd, der Erste unter den Basiliskenritter, schaute auf den Orden in seiner Hand und dann hob er den Blick um zu seinem Herrn sehen zu können. Er legte seine Stirn in Falten. Was auch immer seinen Herrn gerade umtrieb, es war nie langweilig ihm zu dienen und zu folgen.

Herz. Wann hast du es vergessen?

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Texte der Hauptreihe:
K1. Gallsteiner Herzensangelegenheit
24. Tsa 1038 BF zur nächtlichen Rahjastunde
Gallsteiner Herzensangelegenheit

Kapitel 1

Autor: Gallstein