Gallsteiner Gespräche

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" ist fort." Der Sprecher näherte sich nicht der Gestalt, die dort nur einen Schritt vor ihm an den Zinnen stand und in die Ferne starrte, wo gerade des Praois Schildes sein Kommen mit blutigem Rot ankündigte.

"Ja ..."

Sorgen verdüsterten des Antlitz des Mannes, der immer noch nicht den letzten Schritt überwinden wollte. Die Stimme seines Freundes hatte so ... so erloschen geklungen.

"Warum?" Eigentlich ahnte er die Antwort, aber er wollte das Schweigen brechen, das ihm wie ein gieriges Tier vorkam, welches in den sich zurück ziehenden Schatten der Nacht lauerte und begierig darauf war, alles Lebendige zu ersticken.

"Sie wäre gestorben. Wäre gestorben, hier bei mir ... Bei mir ..."

"Sie hätte nicht gehen dürfen." Kaum konnte er den Zorn unterdrücken, der plötzlich in ihm aufstieg.

"Es war nicht ihr Wunsch, sondern der meinige, der sie gehen ließ. Ich wollte nicht länger zusehen, wie sie jeden Tag ein wenig mehr stirbt, nur weil ich sie durch meine Liebe hier banne. Sie muss frei sein. Hier war sie es nie. All die Zwänge, die man ihr auferlegte. All diese Geheimnisse, die bewahrt werden mussten."

"Es wird bestimmt viel geredet werden. Schon jetzt machen Gerüchte die Runde."

"Gerüchte ... Sollen sie mich ruhig hassen. Sie sind mir alle egal. Ich achte sie nicht und würde nicht einmal ihr Sterben bemerken, wenn sie direkt vor meinen Füssen verrecken. Mein Ziel ist größer und braucht nicht den Halt durch einen Namen, egal wie alt dieser auch ist."

"Deine Kinder ..."

War bis jetzt sein Gegenüber mit hängenden Schultern eher ein Anblick des Erbarmens gewesen, so änderte sich nun das Bild. Der Mann vor ihm richtete sich auf, straffte seine gesamte Erscheinung, als wäre das Leben mit neuer Kraft in ihn gefahren.

"Mein Kinder." Er drehte sich um, senkte nicht sein Gesicht, so das man darin die Spuren der Tränen noch erkennen konnte, die er vergossen hatte an diesem einsamen Ort.

"Nur ein Freund, wie du es bist, weiß, was mein Herz berührt. Schon einmal hast du mein Leben gerettet und inzwischen habe ich aufgehört zu zählen, wer von uns nun dem anderen noch eines schuldet. Ich wählte gut, als ich dich hierher berief. Was auch immer geschehen mag, eines musst du mir versprechen. Solltest du jemals die Wahl haben, entweder das meinige Leben, oder das eines meiner Kinder zu retten...Dann rette das Leben meines Kindes. Versprich mir dies, du mein ältester Freund."

"Und wenn die Herrscher der Niederhöllen selbst aufsteigen würden. Ich werde sie mit meinem Leben schützen, so wie ich es immer getan hätte. Die Götter mögen es geben, das ich nie vor diese Wahl gestellt werde, aber hier und jetzt, verspreche ich es dir."

"Dann ist es gut." Wieder drehte er sich um, schaute zu den fernen Hügelkämmen hin. Feurig, in einem Bett aus flüssigem Gold und ein blaues Leuchten im Himmel erschaffend, als hätte es mit seinem Schein einen Saphir zum Erstrahlen gebracht, erhob sich des Praois Schildes über die Lande. Die Schatten schmolzen dahin, flohen vor dem unerbärmlichen Zeichen des Götterfürsten. Ein Schatten aber blieb zurück.

Dieser lag auf der Seele des Mannes, der hier stand und seinem Freund ein Versprechen abgenommen hatte, was diesem zeigte, wie viel Herz derjenige besaß, den so manche Herrschaften eher als ein Monster bezeichnen würden, als einen Menschen. Er wusste um die Wahrheit und würde schweigen ...