Gallstein empfängt Höllenwall...

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Die Türe öffnete sich leise, doch selbst wenn sie einen Laut von sich gegeben hätte, so wäre dies nicht von dem Manne beachtet worden, der dort vor dem Fenster stand. Zwar hatten die Diener endlich die schweren Vorhänge entfernen dürfen, aber die Schatten auf der Seele dieses Mannes waren dadurch nicht verschwunden. Er dachte über ein Gespräch nach und über viele Dinge, die er getan hatte.

"Vater?" Die junge Frau wartete einen Moment, doch es erfolgte keine Reaktion. Fast erschien es, als wolle sie wieder gehen, doch dann reckte sie ihr Kinn nach oben. Zornig blitzten ihre Augen auf. "Dann werde ich eben den Baron von Höllenwall empfangen, denn er soll nicht in dieses Haus kommen, ohne von einem Mitglied der Familie am Tor empfangen zu werden!" Sie drehte sich um, machte einen Schritt und verharrte mitten in der Bewegung, denn ihre Ohren hatten einen Laut vernommen, der schon lange nicht mehr in diesem Raum erklungen war. Der Mann am Fenster lachte! Sein dunkles, dröhnendes Lachen verebbte und dann erklang seine Stimme. Gefasst wie immer...

"Du wirst nicht gehen, denn ein Mann wie Baron Malepartus von Helburg zu Höllenwall verdient es, von einem Baron empfangen zu werden und nicht einen Deut darunter."

Die junge Frau drehte sich zu ihrem Vater um, und als sie in seinen Zügen ein Lächeln erkennen konnte, verflog ihr Zorn wie Rauch im Sturmwind. Sie überwand die Distanz zwischen ihnen schnell und umarmte ihren Vater. Sie drückte ihn so fest, wie sie es nur vermochte, und er strich ihr über das Haar, bis sie sich von ihm wieder löste. "Ist Malepartus ein so fähiger Baron wie du, Vater?"

"Malepartus? Nein, Alena ..." Gedankenverloren strich der Baron von Gallstein eine Haarsträhne aus dem Gesicht seiner Tochter. "Malepartus ist ein besserer Baron. Er ist ein Mann vor dem man Achtung haben muß."

"Er hat eine Frau, oder?"

Nun lachte Yendor wieder. "Ich habe vergessen, dass du eine Frau geworden bist! Malepartus hat seine Wahl getroffen und sie war gut. Wir bräuchten mehr von seiner Sorte, aber zur Not wird er es auch alleine schaffen. Geh nun und mache dich bereit für diesen hohen Besuch. Sag Cyberian, dass er meine Leibwache antreten lassen soll. Wir wollen Malepartus würdig empfangen. Geh."

Wie von ihr erwartet, eilte die Tochter des Gallsteiners zur Türe, doch als sie diese schon geöffnete hatte, drehte sie sich noch einmal um und sah ihren Vater an. "Ich liebe dich, Vater." Nun erst schlüpfte sie in den Gang hinaus und schloß die Tür wieder.

Yendors Blick blieb einen Moment auf dem Holz der Türe haften, doch dann wurde seine Aufmerksamkeit auf den Wandteppich gelenkt, der sich fast unmerklich bewegt hatte ...

"Ich hatte Euch früher erwartet."

Der Teppich wurde zur Seite geschoben und eine Frau in schwarzen Gewändern betrat den Raum. Ihr Gesicht verbarg sie hinter einem Schleier.

" Verzeiht mir, Baron, doch ich wollte Euer Gespräch nicht stören."

"Ihr wolltet es lieber ein wenig belauschen." Die Dame wollte etwas erwidern, doch der Baron brachte sie mit einer Handbewegung zum Schweigen. "Ich werde dem Baron von Höllenwall folgen, und auch Cyberian wird mich begleiten. Ihr werdet mir für die Sicherheit meiner Kinder bürgen. Vergesst nicht, dass Uta nicht eingeweiht ist, und so soll es auch bleiben."

"Ich werde darauf achten. Sie kennt die geheimen Gänge nicht?"

"Sie kennt kein Geheimnis und wird auch nie darüber unterrichtet werden, Ihr versteht mich?"

"Natürlich."

"Alena wird langsam erwachsen."

"Sie ist eine Frau. Eine Frau, die weiß, was sie will, und ihren eigenen Kopf hat."

Ein tiefer Seufzer entrang sich der Kehle des Gallsteiners. "Ich weiß nicht, ob die Ferkinas gefährlicher sind ... Ich werde mich um alles kümmern, wenn ich wieder komme, und nun will ich einen guten Freund begrüßen."

"Vegesst nicht Eure Freunde in Perricum."

"Ihr braucht mich nicht daran zu erinnern, wer mein Freund ist. Simold wird eine Antwort erhalten. Ich wünschte nur, es gäbe mehr Perricumer Glut in den Adern Garetiens, aber schwach ist das Blut dieses Königreiches geworden."

"Weil ihr von Schwäche sprecht ... Anscheinend will auch ein Mitglied der Familie des Vogtes von Halhof zur Jagd in den Wall aufbrechen."

"Halhof? Hmmm... Nun ja. Der Wall ist gefährlich und Unfälle können passieren bei so einer Jagd. Wir werden sehen. Alles zu seiner Zeit."

Das Gespräch war beendet für den Herrn von Mor´Tres und er ging, um einen Freund zu begrüßen, während der Raum leer zurückblieb und nur ein Wandteppich noch für ein paar kurze Momente in Bewegung war, bis auch er seinen normalen Zustand der Ruhe eingenommen hatte und Schweigen herrschte ...

17. Fir 1025 BF zur abendlichen Boronstunde
Gallstein empfängt Höllenwall
Höllenwaller Trauerbekundung

Kapitel 8

Autor: Marcus G.