Fremd in der Heimat - Teil 28

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Der Weg am nächsten Morgen verlief ohne Zwischenfälle, ohne Rast lief Hartor zurück in den Fremmelshofer Forst, bis er die anderen gegen Abend fand. Die Gruppe war inzwischen auf über 150 Menschen angewachsen, da die Kleinfurter glücklich dazugestoßen waren. Ralon und Firal berichteten, wie sie sich glücklich durch die letzten Tage gebracht hatten. Nach einigen Erkundungsgängen hatten sie eine günstige Lagerstelle mit einer kleinen Quelle gefunden, welche sie mit Wasser versorgt hatte. Nahrung hatte ihnen der Wald zur Verfügung gestellt und Zeitvertreib war den Kleineren das Tollen und Erkunden gewesen, während andere die Gelegenheit genutzt hatten, von den Erfahrenen mehr über das Leben und Überleben in der Wildnis zu erfahren. Insgesamt ging es der Gruppe besser, als Hartor zuerst befürchtet hatte. Trotzdem waren sie aber begierig zu erfahren, ob er mit seinem Plan erfolgreich gewesen sei, wie auch immer dieser aussehen mochte.
Er beantwortete ihre Fragen zunächst nicht, sondern bat sie, alle zusammenzurufen. Nachdem sich alle versammelt hatten, stieg er auf einen großen Stein und bedeutete ihnen, ruhig zu sein.
„Meine lieben Fremmelshofer! Als ich euch vor sechs Tagen verließ, tat ich das ohne Erklärung dessen, was ich im Sinn hatte. Denn ich wusste nicht, ob ich erfolgreich sein würde, ja, ich wusste nicht einmal, ob ich wiederkehren würde. Beruhigt euch, bitte, ich bin ja hier. Ich habe den Baron aufsuchen wollen und habe ihn leider nicht gefunden, denn er ist tot.“
"Tot?" "Aber wer …?" "Und nun?"
Er lächelte still. Sie stellten dieselben Fragen, reagierten genau wie er, als sie es ihm gesagt hatte. Länger aber wollte er sie nun wirklich nicht auf die Folter spannen, so sprach er also in die entstandene Unruhe hinein weiter:
„Was ich gefunden habe war jedoch, wenn auch völlig unerwartet, viel besser. Neue Baronin von Fremmelsfelde ist – Escalia von Hahnentritt! Ja, unsere Baroness! Und sie hat mir zugesagt, dass sie sich unseres Schicksals annehmen wird. Wir sollen an eine bestimmte Stelle kommen, sie wird für unsere Nahrung sorgen. Alle Fremmelshofer an einem Ort: Versteht ihr, was ich sage?“
Die Leute schauten ihn an, er war sich nicht sicher, ob sie begriffen hatten.
„Wir gründen unser eigenes Dorf, wir werden wenigstens zusammenleben können. Diejenigen, die noch fehlen, werden auch zu uns kommen, sie will dafür sorgen.“
Jetzt kam seine Botschaft an, Jubel wurde laut. Abwechselnd wurden sein Name und der Escalias gerufen.
„Hoch! Er lebe hoch!“
Sie drängten sich an seinen Stein, Hände griffen nach ihm. Während er auf die Schultern der Männer gehoben wurde, suchte er Halt, suchte er nach Ralon. Da drüben stand er, lächelnd, applaudierend, sich verbeugend. Dann entschwand der Vertraute seinem Blick, da man ihn, Hartor, laut jubelnd und singend durch den Wald trug. An diesem Abend feierten sie, sie dankten den Zwölfen und die Stimmung war gelöst wie lange nicht mehr.

Den Weg zum Weiher gingen sie versteckt, um unliebsamen Begegnungen aus dem Weg zu gehen. Als sie ankamen, waren bereits etliche andere Fremmelshofer aus anderen Orten dort; deren Fragen konnten schnell beantwortet werden und ebenso schnell wurden auch diese von der heiteren Stimmung des Trosses erfasst. Da war ein Singen und Scherzen, man hätte meinen können, keines der betrüblichen Ereignisse der letzten Zeit hätte stattgefunden. Tatsächlich wurden sie wie versprochen mit Nahrung und Wasser versorgt und sie schlugen ihr Lager am Rande des Weihers auf. Am nächsten Tag stieß eine große Gruppe Bekannter zu ihnen; sie berichteten, dass sie aus dem Dorf Hommern kämen und man ihnen nur gesagt hätte, sie sollten sie hierher begeben. Auch ihre Angst verflog, als man ihnen die frohe Kunde von der Aussage der Baronin überbrachte. So blieben sie an diesem Ort und harrten der Dinge, die da kommen sollten.