Fremd in der Heimat - Teil 25

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Die nächste Zeit war eine der Ungewissheit für Hartor. Von einer gewissen Regelmäßigkeit in der Gegenwart bestimmt hatte er jedoch keinerlei Hinweise auf seine Zukunft. Drei Mal am Tag stellte man ihm Nahrung und Wasser in seinen Kerkerraum. Er hatte inzwischen Gelegenheit gehabt, sich seine Unterkunft genauer anzusehen. Allerdings war er schnell damit fertig gewesen, da der Raum kaum vier mal vier Schritt maß und sehr übersichtlich möbliert war. Tatsächlich fehlten Einrichtungsgegenstände völlig, lediglich etwas Stroh lag herum. Gegenüber der Tür, von der herab zwei Stufen führten, befand sich unter der Decke in etwa drei Schritt Höhe ein kleines vergittertes Fenster. An jeder Wand und jeweils davor auf dem Boden waren Eisenketten befestigt. In der der Tür gegenüberliegenden Ecke war ein kleiner Kanal, der durch ein Loch in der Wand nach draußen führte, im Boden eingelassen. Daneben stand ein Zuber mit einer Schöpfkelle. Augenscheinlich diente dies der Notdurft der Einsitzenden.
Ansonsten hatte Hartor viel Zeit, sich mit seiner Situation auseinanderzusetzen. Jedoch kreisten seine Gedanken um immer dieselben Punkte, es schien kein Ausweg aus seiner Lage zu existieren. Er saß hier im Verlies und wusste nicht einmal, ob irgendjemand davon Kenntnis hatte. Wo war der Baron und wann kam er zurück? So vergingen zwei Tage.
Am Abend des dritten Tages hörte er plötzlich Schritte im Gang vor seiner Tür. Das war seltsam, denn sein Essen hatte er bereits erhalten und aus der Erfahrung der letzten Tage war dies für den Tag das letzte Mal, dass jemand hier vorbeikam. Er richtete seine Augen auf die Tür und tatsächlich drehte jemand einen Schlüssel im Schloss. Herein kam diese beeindruckende Offizierin, die ihn am Beginn verhört hatte. „Man will dich sehen. Steh auf und komm mit!“, befahl sie ihm. Zögernd erhob sich Hartor, unsicher, was ihn nun erwartete.
Sie ging voran, während ein Wächter ihm folgte. Eine Treppe führte sie nach oben und sie traten auf den Burghof. Er lag im Dämmerlicht, schon bald würde der Tag enden. Rhenaya von Perainidal drehte sich zu ihm herum. Sie musterte ihn und stellte mit entsprechender Mimik fest: „Besonders vorzeigbar bist du nicht gerade. Säubere dich ein wenig!“ Sie wies auf ein mit Wasser gefülltes Fass neben dem Eingang. Hartor schaute an sich herunter und musste ihr leider Recht geben. Nicht nur, dass seine Kleidung seit vier Monden nicht erneuert worden war, dazu kam auch noch der Staub der Flucht sowie die Folgen seines Kerkeraufenthaltes. Es war mehr als nötig, etwas zu unternehmen, und sich zu waschen schien nicht die schlechteste Idee zu sein. Er streifte sein Hemd ab und befreite seinen Körper, so gut es eben in der Kürze der Zeit und unter den gegebenen Umständen ging, vom Schmutz. Dann warf er das Hemd wieder über und folgte seiner Eskorte in ein Haus, das der Größe und der Fassade mit den Fenstern nach zu urteilen das Haupthaus sein musste.
Zumindest hatte alles den Anschein, als würde er nun den Baron sehen können. Seine Anspannung wuchs; er hatte so viel Zeit gehabt, sich jedoch keine Gedanken gemacht, wie er seine Bitte vortragen wollte. Egal, er hatte schon öfter in seinem Leben improvisieren müssen, und dieser Baron konnte doch nicht so viel anders sein als sein alter. Es musste ihm doch etwas an seinen Leuten liegen.
„Hier hinein!“ Durch die Stimme der Offizierin wurde er jäh aus seinen Überlegungen gerissen. Sie hielt eine Tür auf und Hartor trat hindurch.