Fremd in der Heimat - Teil 16

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Einige Zeit später, Aufregendes war nicht passiert, trafen seine beiden Späher ein. Sie hatten die Ruinen umrundet und berichteten nun aufgeregt von ihren Entdeckungen. Zur Stadt selber konnten sie allerdings kaum mehr Angaben machen, als Hartor selbst schon gesehen und geschlussfolgert hatte. Offenbar waren weit über drei Viertel der Gebäude total zerstört. Zusätzlich aber berichteten sie ihm, dass augenscheinlich nach etwas gesucht würde; kleine Gruppen von Männern durchsuchten unter der Beobachtung durch Wachen den Schutt der Häuser nach Wertvollem. Männer in weißen Roben, offensichtlich Magier, eilten durch die Stadt und begutachteten Fundstücke. Allerdings schien ihr Verhältnis zu den auf der Lichtung verteilten Wachen nicht ungetrübt zu sein, Firal berichtete von einem Streitgespräch zwischen ihnen.
Im Umkreis der Stadt waren einige Dinge von Bedeutung für sie: Im Süden lag ein großer Boronsanger, der so früher nicht existiert hatte. ‚Na, wenigstens haben sie sich um die Toten gekümmert‘, dachte Hartor bei sich, sprach aber zu den beiden: „Diese Entdeckung sollten wir vorerst für uns behalten. Das würde sicher einige Unruhe auslösen und die können wir jetzt nicht gebrauchen.“
„Und was ist rahjawärts zu entdecken?“, fragte er Firal, der diese Seite erkundet hatte.
„Nach Rahja liegt wie früher das Tor der Stadt. Dieses sieht aus, als hätte es jemand in kleine Teile zerrissen und ringsum verteilt! Der Eingang wird bewacht. Zwei Wege kommen hier an: einer von Rahja und einer von Firun, beides sind keine Straßen, wie wir sie gesehen haben, sondern eher Pfade.“
„Hm.“
Hartor hörte sich die Berichte an und überlegte. Die Möglichkeit, die Stadt aufzubauen, schied klar erkennbar aus. Aber ins Dorf zurückzukehren, das ging auch nicht. Nicht, nachdem sie dort Hals über Kopf aufgebrochen waren. Das Leben dort war ihm unerträglich. Sie gehörten nicht dorthin – genaugenommen gehörten sie nirgendwohin in dieser Zeit –, diese Menschen jedoch betrachteten sie als Eindringlinge und behandelten sie auch so. Sie konnten nicht hoffen, jemals als gleichberechtigte Einwohner akzeptiert zu werden. Das könnten sie nur unter sich, miteinander. Was aber blieben ihnen denn für Alternativen? Im Wald leben? Dies erschien ihm aus mehreren Gründen mehr als schwierig, denn weder konnte er sich vorstellen, die Leute hier ernähren zu können, noch hatten sie genügend Werkzeug und Material, um Wohnungen zu errichten. Nicht zuletzt scheiterte diese Möglichkeit aber auch daran, dass der Baron dies nicht zulassen würde. Im Wald zu leben und sich von ihm zu ernähren, verletzte seine Rechte.
‚Und wenn wir nun -?‘ Hartor überschlug kurz die Situation: Gestern Abend waren sie aus Fremmelsdorf geflohen, das heißt, dass sie seit heute Morgen vermisst würden. Man würde nach dem Baron schicken und dieser würde veranlassen, dass nach ihnen gesucht werden würde. Was dann geschähe, wusste er auch nicht einzuschätzen. Er musste sich beeilen, die Erfolgsaussichten seiner Idee hingen davon ab, dass er den Baron vor der Nachricht von ihrer Flucht erreichte.
„Hör zu“, wandte er sich an Firal, „kannst du dir vorstellen, die Leute hier im Wald mit Nahrung zu versorgen?“
„Hm, das dürfte schwierig werden ohne Waffen und für so viele. Für wie lange denn?“
„Das weiß ich noch nicht genau, ich hoffe nicht für lange. Ein paar Tage?“
Hartor war nicht wohl dabei, er hatte keine Ahnung, wie lange er benötigen würde, um den Baron zu erreichen. Firal schien sich unsicher.
„Naja, für wenige Tage könnten wir uns zu dieser Jahreszeit wohl helfen, aber keineswegs länger als eine Woche! Vor allem brauchen wir Wasser. Dazu kommt, dass wir schutzlos hier lagern. Wir müssten uns wenigstens behelfsmäßige Hütten bauen.“
„Das klingt nach einem Plan“, versuchte Hartor ihm Zuversicht zu vermitteln. „Die Menschen sind willig, leite sie an und gib ihnen etwas zu tun! Dann werden wir es schaffen.“ Firal nickte zustimmend.
Hartor wendete sich von der Stadt ab. „Dann lasst uns ins Lager gehen!“