Fest zur Genesung der Perricumer Lande

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"Schön, dass ihr es einrichten konntet, so kurzfristig zu mir zu kommen, mein lieber Edelbrecht. Ich benötige eure Unterstützung bei der Umsetzung eines größeren Vorhabens. Und da ihr derzeit übergangsweise auch den Posten des Kämmerers bekleidet, seid ihr gleich in zweierlei Hinsicht der Richtige für mich. Hat euch mein lieber Bruder bereits instruiert?"

"Nur ganz allgemein, euer Hochgeboren, denn seine Erlaucht war wieder einmal zeitlich kurz angebunden und verwies mich daher für weitergehende Unterstützung an den Seneschall. Er erwähnte mir gegenüber lediglich, dass ihr etwas Größeres plantet, er dies gutheißt und ich euch bei dessen Umsetzung zur Hand gehen soll. Worum genau geht es denn, wenn ihr mir diese weidensch direkte Frage gestattet?"

"Um nichts Weniger als die Genesung des Landes und der Seelen seiner braven Bewohner."

"Das ist - ambitioniert."

"Es ist weit mehr als das, guter Edelbrecht. Ich finde, Perricum braucht nach all dem Leid, das ihm wiederfuhr, eine sanfte Hand, die es tröstet. Und ich habe so viel Zuspruch erfahren für meine Taten nach dem Grauen Anfang des Jahres. Darauf möchte ich aufbauen, gibt es doch immer noch so viele Wunden zu heilen. Da sind zunächst die offensichtlichen Wunden, die der verdammte Haffax mit seinen Schergen von Perricum bis zur Gaulsfurt und darüber hinaus geschlagen und was zu viel Leid, Tod und Zerstörung geführt hat. Die Menschen dort brauchen nun Trost und Wärme.

Und da sind die Wunden, die wir uns im leider nur teilweise übertragenen Sinne selbst beigebracht haben: Der Bruderzwist der Nebachoten, die sich nun selbst zerfleischen - um es einmal grob zu sagen - und darüber alles andere zu vergessen scheinen. Der Verrat erschreckend vieler Patrizier und Offiziere in der Stadt Perricum, kaum dass der Erzverräter Haffax auch nur die Stadt erreicht hatte.
Die einstigen Darpatier, die nördlich des Flusses sitzen, diesen als Grenze begreifen und mit dem Rest der Provinz kaum etwas zu tun haben wollen.
Dann die sogenannten 'Raulschen', die wiederum glauben, dass das ganze Land ihnen gehöre und sich auch dementsprechend aufführen.
So viele wandten sich vom Guten ab und folgten nur noch ihren eigenen Interessen. Das stimmt mich ebenso traurig wie melancholisch, Edelbrecht. Daher möchte ich den Menschen Harmonie und, wo immer möglich, Einheit schenken. Das Schöne in all diesem Chaos ist, dass es auf allen Seiten auch löbliche Ausnahmen gibt, die mehr oder weniger mit gutem Willen und reinem Herzen zum Wohle des ganzen Landes zu wirken versuchen. Sie will ich erreichen. Sie sollen meine Verbündeten sein! Verbündete im Herzen, versteht ihr, Edelbrecht? Und allen übrigen will ich den Segen der jungen Frau Tsa und der schönen Herrin Rahja bringen."

Der markgräfliche Herold schwieg zunächst einen Augenblick, während er die jüngsten Worte der Vögtin auf sich wirken ließ. Ob sie wusste, was solch eine Anstrengung bedeutete? Wie schwer sie umzusetzen war? Und vor allem: Was sie kostete? Sie war noch nie sonderlich politisch ambitioniert oder gar bewandert gewesen und bei ihren jüngsten Taten hatte sie große organisatorische Hilfe gehabt. Edelbrecht schwante, dass sich die Gute zu viel auflud; Dinge, die ihren Horizont überschreiten könnten. Doch er wusste ebenso, dass Maia von Perricum in solcherlei Hinsicht sehr hartnäckig sein konnte wenn sie sich etwas in den hübschen Kopf gesetzt hatte, zumal sie auch noch das größte Wohlwollen ihres erlauchten Halbbruders genoss.
"Hm, leider, wie ich bedauerlicherweise betonen muss, kann ich nicht umhin, euren Ausführungen im Wesentlichen zuzustimmen. Selbst seine Erlaucht äußerte sich in der jüngsten Vergangenheit bei verschiedenen Anlässen ähnlich. Euer großes Ziel unterstütze ich daher und werde euch hierbei nach besten Kräften unterstützen. Aber wie stellt ihr euch den Weg dorthin vor und wie kann ich dabei helfen? Wir benötigen einen Plan, ein Konzept, euer Hochgeboren. Irgendetwas konkretes, auf das wir aufbauen können."

"Ach, Edelbrecht, das ist eine gute Idee! Ja, ein Plan, vorzüglich, das sagt mein Bruder auch immer. Mhm, lasst mich einmal überlegen. Was den Weg angeht, so sollten wir ein deutliches Zeichen der Harmonie setzen, den Weg des Schönen, Wahren, Guten aufzeigen und andere dazu ermuntern, ihn ebenfalls zu beschreiten. Erzwingen kann ich nichts, was auch gänzlich falsch wäre. Ob meine Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden, hängt hauptsächlich davon ab, wie sehr die Mächtigen und übrigen Menschen dieses Landes bereit sind, einander zuzuhören und hier und da auch über ihre Schatten zu springen nach so einer langen Zeit voller Trauer und Streit. Aber das werden wir schon schaukeln, nicht wahr mein Bester?
Ich denke daran, ein großes Fest, das ich "Fest zur Genesung der Perricumer Lande" - oder "Festspiele der Freuden" - nennen möchte, auf den Marschenhof einzuberufen.
Eingeladen soll jeder freie Bewohner Landes, gleich ob Freibauer, Bürger, Ritter oder Baron, sein. Das gilt auch für die guten Leute aus der Stadt Perricum, die bei den jüngsten Kämpfen so große Opfer bringen mussten. Ich möchte ausdrücklich keinen dieser langweiligen formellen Hoftage, bei dem nach einer strengen Tagesordnung beraten und am Ende über alles ein formeller Beschluss unter den Augen meines guten Bruders getroffen und von diesem angenommen oder abgelehnt wird. Dies ist eher etwas für den Rabicum mit seinen Regeln und Gesetzen, aber nicht für mich. Für das, was ich anstrebe, wären solche Formalismen völlig unpassend; ein Zusammenrücken oder gar -wachsen kann nicht einfach durch eine Abstimmung oder ein gesiegeltes Dokument herbeigeführt werden; nein, das geht nicht. Daher werde ich zwar einladen und die Schirmherrin des Festes sein, dabei aber möglichst wenig Vorgaben machen, um den Austausch untereinander nicht ohne Not zu erschweren.
Aber die Leute sollen sich nicht nur die Köpfe heißreden sondern auch Gelegenheiten zur Zerstreuung erhalten, denn, wie ihr sicherlich wisst, mein guter Edelbrecht: Oftmals ergeben sich die interessantesten, witzigsten und besten Gespräche und Übereinkünfte abseits der gestrengen Verhandlungstische, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Daher halte ich mich auch möglichst fern von ihnen und beschäftige mich lieber mit tiefschürfenderen Dingen. Außerdem sind solche informellen Anlässe auch weit besser dazu geeignet, sich gegenseitig kennen- und vielleicht sogar lieben zu lernen. Ach, einen Rahjenmarkt, den brauchen wir auch! Nur zum Spaß versteht sich, aber wer weiß…"

Edelbrecht wurde etwas schwindelig bei Maias Ausführungen, wusste er doch sehr genau, an wem die Umsetzung eines Festes solchen Ausmaßes - noch dazu ohne jedes Protokoll oder gar Tagesordnung - hängen bliebe. Hoffentlich gingen sich nicht alle einfach an die Gurgel , bei so wenig Regeln, während er dann vermutlich dafür noch geradestehen dürfte. Dachte er. Doch was er letztlich sagte, fiel deutlich anders aus: "Ich verstehe. Worin genau sollen die von euch erwähnten Zerstreuungen bestehen und welchen Zeitraum veranschlagt ihr dafür, euer Hochgeboren? Auch eine eher offen gehaltene Feierlichkeit unter eurer Schirmherrschaft bedarf schließlich eines gewissen Rahmens.

"Ich dachte an die erste Woche im Phexmond und an zwei Empfänge, jeweils zum Beginn und zum Abschluss der Zusammenkunft. Außerdem an ein kleines Turnier für die eher rondrianisch gesinnten Damen und Herren, die noch nicht genug vom Kämpfen haben. Und natürlich der Rahjenmarkt. Und eine Tier- und Gartenschau, die die Vielfalt unser wunderbaren Heimat aufzeigt. Ach, ich habe noch so viele wunderschöne Ideen, Edelbrecht."

Edelbrecht seufzte innerlich. Was mochte dieser Frau noch alles an ebenso kruden wie teuren Ideen einfallen? Warum nicht noch einen Jahrmarkt? Äußerlich blieb er aber unbewegt und entgegnete lediglich lapidar: "Gut: Markt, Gartenschau, Turney.

"Welche Disziplinen?"

Maia quietschte vergnügt auf: "Oh, damit kenne ich mich nicht so gut aus. Vielleicht sollten wir da meinen stattlichen Ritter Holdwin befragen. Lanzenreiten und irgendetwas zu Fuß vielleicht? Was meint Ihr? Ihr kennt euch da doch sicher besser aus als ich, ansonsten fragt Holdwin. Ich sehe schon, bei euch ist mein Anliegen in den besten Händen. "

"Neben der Tjost, wie man das Lanzenreiten eigentlich nennt, böte sich der Kampf zu Fuß mit Schild und Einhandwaffe an." Edelbrecht wollte Aufwand und Kosten möglichst klein halten - sofern das überhaupt noch möglich war - da er schon ahnte, dass Maias Ideen alles andere als ein billiges Vergnügen werden würden. Und Holdwin würde er ganz bestimmt nicht fragen.

"Gut, dann eben das. So, Edelbrecht nun zu euren Aufgaben: Erstellt mir bitte bis Ende kommender Woche die entsprechenden Einladungen und lasst sie mir, bevor sie verschickt werden, noch einmal zur Durchsicht zukommen. Achtet darauf, dass sie bereits den Geist der Zusammenkunft vermitteln, etwa einen Neuanfang oder auch was mit Rosen, das passt ebenfalls sehr gut. Und das mit den Aufwendungen hierfür klären wir später; bei einem so edlen Vorhaben sollte man nicht kleinlich auf jeden Kreuzer schauen. Wie euch von Rabicum schon mitgeteilt haben dürfte, beteiligt sich die markgräfliche Schatulle zur Hälfte an den anfallenden Kosten. Den Rest bringen wir auch schon irgendwie auf. Ihr macht das schon! Es ist ja schließlich zum Wohle Perricums. Und nächste Woche sehen wir uns dann wieder, klären die letzten Details, bringen die Einladungen auf den Weg und schon kann es los gehen, wie fein!"

Edelbrecht mußte kurz schlucken und tief durchatmen, bevor er mit leicht belegt wirkender Stimme erwiderte: "Wie ihr wünscht, euer Hochgeboren. Ich weise aber vorsorglich schon jetzt darauf hin, dass euer eigener Kostenanteil trotz der Unterstützung durch den Markgrafen gelinde gesagt nicht unerheblich ausfallen dürfte."

"Das dachte ich mir schon, Edelbrecht. Aber denkt doch einfach einmal groß! Wie teuer käme es uns alle auf lange Sicht, wenn wir die jetzigen Zustände einfach tatenlos hinnähmen? Doch genug davon für heute. Also frohen Mutes an die Arbeit, wie man so schön sagt!"

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Kapitel 1

Einladungen und Teilnehmende