Familienfrieden - Schwermütige Gedanken

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Schwermütige Gedanken

Ingerimm 1033 BF, Grenze zwischen Eslamsroden und Kressenburg

Sein Pferd kannte den Weg und folgte der Straße. Ohne aufzublicken oder zu lenken brütete Ardo vor sich hin. In Gedanken war er noch immer auf Weidensee, obgleich er und Mechthild das Junkerngut schon vor Stunden verlassen hatten.

Seine Knappin hielt ihr Pferd genau in seiner Spur und versuchte ansonsten vor allem die Umgebung im Blick zu haben. Noch hatten sie die Grenzen Kressenburgs nicht erreicht und sie hatte in den letzten Wochen zuletzt schmerzvoll erfahren müssen, dass weder Eslamsroden noch die rahjawärts gelegenen Grenzen Greifenfurts noch sicher war. Die anhaltende Stille ihres Schwertvaters machte die junge Kieselholmerin dabei noch nervöser als sie ohnehin schon war. Sie verkniff es sich mit Mühe wie ein unartiges Kind zu fragen wann man denn endlich am Ziel wäre. Sie wusste selber ganz genau wie lange der Ritt in diesem Tempo noch dauern würde und schneller wurden die Pferde durch sinnlose Fragerei auch nicht.

Der Baron wälzte indes immer und immer wieder die selben Fragen in seinem Kopf. Natürlich war seine Entscheidung vernünftig gewesen. Er und Greifwin hatten bisher als einzige aus der Familie erkannt was die Stunde geschlagen hatte. Ifirnia mochte sich noch so sehr dagegen sträuben, Greifwins Großmutter noch so sehr toben. Es blieb die Tatsache, dass sie zusammen mehr erreichen konnten und erreichen würden. Sie waren nun Nachbarn und Blutsbande vereinten sie, wenn diese auch schon viele Generationen zurückreichten. Es war einfach nicht gut länger auf die alte Feindschaft zu beharren. Weder für die Familie Keilholtz, noch für Greifenfurt. Doch in diesem Punkt war das jüngere Haus genauso stur wie man es sonst nur dem älteren nachsagte.

Die Wildermark drängte mit jedem Mond stärker in die Kernlande der Mark vor. Eslamsroden war in diesem Sinne inzwischen eine Grenzbaronie. Der abgesetzte Erbe Eslamsrodens hielt noch immer die Burg besetzt und niemand konnte ihn mit Waffengewalt zwingen sie freizugeben und sich auf das seiner Familie zugewiesene Edlengut zurückzuziehen. Ardo wollte helfen und würde das auch dann tun, wenn seine Hilfe vom Großteil des jüngeren Hauses abgelehnt wurde. Seine Mutter hätte diese Gedanken verstanden. Gütig und sanft hatte sie stets versucht auf seinen Vater einzuwirken doch war selbst sie, die fromme Travia-Akoluthin, in diesem Punkt an seiner Sturheit gescheitert. Bei ihrem Sohn hatte sie mehr erreicht. Ardo wollte den Unfrieden beenden und war nun endlich in der Position dazu es zu tun. Er war nun der Baron von Kressenburg, sein Vater und Großvater nominell seine Vasallen. Genau wie Greifwin war er vor einem Götterlauf vom gehorsamen Sohn und Enkel zum mächtigsten Mann in seinem Haus aufgestiegen.

In diesen Tagen endlich hatten sie den Schritt unternommen diese neue Macht nicht nur zu besitzen, sondern sie auch zum Wohle der Familie einzusetzen. Der harte Strauß den Greifwin mit seiner Schwester und Großmutter auszufechten hatte, wartete auch noch auf Ardo. Sein Vater und Großvater mochten in vielen Dingen anders denken als die Hartschädel auf Burg Keilholtz. Wenn es aber um das jüngere Haus ging waren auch sie nicht frei von Vorurteilen. Doch der junge Baron war sich sicher, dass er diese letzte Hürde ebenso meistern würde wie sein älterer Vetter aus dem jüngeren Haus.

Viel mehr zu schaffen machten ihm die Gedanken an seine Braut selbst. Ifirnia war, wenn man sie unvoreingenommen betrachtete, wirklich eine tolle Frau. Jung und gutaussehend und geschickt mit dem Schwert. Zudem sprachen fünf Geschwister Bände über die Fruchtbarkeit der Familie. Das alles machte sie für ihn zur perfekten Wahl. Wenn da nicht der unversöhnliche Hass in ihren Augen gewesen wäre, der jedesmal aufflammte wenn sie ihn ansah. Inzwischen glaubte Ardo nicht mehr daran, dass sich zwischen ihnen jemals so etwas wie Zuneigung oder auch nur gütliches Einvernehmen entwickeln würde. Diese Frau wurde in seiner Gegenwarts zu Eis. Wenn sie allein mit ihrem Blick hätte töten können, wäre er in den zwei Tagen auf Weidensee ein Dutzend qualvolle Tode gestorben.

Natürlich hatten Greifwin und er sie zu dieser Verlobung gezwungen. Es war zum Besten für die Familie, aber sie wussten beide um die Abneigung Ifirnias und hatten trotzdem über ihren Kopf hinweg über ihr Leben entschieden. Ein Leben welches sie fortan an der Seite eines Mannes zubringen sollte den sie aus tiefsten Herzen hasste. Ardo war sich sicher, dass seine Mutter dieses Vorgehen zwar verstanden aber nicht gutgeheißen hätte, wenn sie nicht schon vor Jahren in die Hallen ihrer geliebten Göttin abberufen worden wäre. An diesem Punkt fehlte nicht viel und er hätte sein Pferd gewendet um zurückzureiten und Greifwin um die Auflösung der gerade erst geschlossenen Verlobung zu bitten. Doch etwas in ihm weigerte sich diese Niederlage anzuerkennen. Der Kampf war erst vorbei wenn er gewonnen hatte. Mochte seine Braut ihn hassen, seine eigene Familie verständnislos den Kopf schütteln und seine Mutter strafend aus Alveran zu ihm hinabsehen. Doch er würde nicht aufgeben und versuchen Ifirnia zu zeigen, dass sie mit ihrem Hass den Falschen traf. Vielleicht würde sie es nie lernen. Oder ihn des Nachts im Ehebett erdolchen. Aber er war fest entschlossen es trotzdem zu versuchen.

So in Gedanken versunken, bemerkte der Baron nicht einmal, dass sie irgendwann die Grenze zu seinen eigenen Ländereien überschritten. Sein Pferd kannte den Weg und folgte der Straße.