Fünf Köpfe für Totentanz - Ruf des Schwertes

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Reichsstadt Hartsteen, 10. Phex 1040

Der Lärm der Menge draußen auf dem Platz schwoll an. Wahrscheinlich wurden die Verurteilten gerade zu dem bereitstehenden Karren geführt, auf dem sie einmal um die Stadt fahren sollten, bevor sie das Schafott erklommen. Dort würde er sie dann erwarten. Praiodan von Steinfelde prüfte ein letztes Mal die Schärfe der breiten Klinge, bevor er sie unter dem weiten schwarzen Mantel verschwinden ließ.

„Bist du dir ganz sicher?“, hörte er seinen Sohn hinter sich fragen, der ihn vor dem Spektakel aufgesucht hatte und nun höchst verwundert feststellte, was er gerade tat.

Praiodan brummte nur und drehte sich um.

„Na schön. Wie wäre es mit einer Erklärung?“, bohrte Helmbrecht weiter, die Arme über der kettengepanzerten Brust verschränkt.

Praiodan griff nach der ledernen Maske auf dem Tisch und zog sie über den Kopf: „Ich habe es vor dem Altar des Praios geschworen.“

„Tut mir leid, aber das überzeugt mich nicht. Du hättest diese Aufgabe delegieren können.“

„Eben nicht“, er fuhr ungerührt in die bereitliegenden Stulpenhandschuhe.

„Du weißt aber, dass das Konsequenzen haben wird.“

„Natürlich.“

„Was sagt Graf Luidor zu all dem?“

„Bisher hat er nicht verlauten lassen, dass er die Sicherung der Hartsteener Straßen jemand anderem übertragen will. Und wir werden sehen, wie sehr mich diese neue Aufgabe zum Wohle des Landes in Anspruch nehmen wird.“

„Mein Vater wird ohne Not Scharfrichter und ich verstehe einfach nicht warum!“, schüttelte Helmbrecht unwillig den Kopf, „Kannst du mir sagen, wie ich danach noch an eine standesgemäße Ehe kommen soll, wie du es seit meiner Schwertleite nicht müde wirst einzufordern? Sollen denn nun nur noch meine ‚nichtsnutzigen Vettern’, wie du sie nennst, den Namen unserer Familie weitertragen?“

Praiodan hielt inne. Ein guter Punkt, den sein Sohn da ansprach und der ihn ebenfalls beschäftigt hatte, auch wenn ihm der Ton dabei nicht gefiel.

„Also gut, du sollst die Erklärung haben. Über das andere werden wir später sprechen“, er seufzte und suchte nach den passenden Worten, „Jener seltsame Traum von dem ich dir erzählte...dieses Korgond, von dem jetzt allenthalben die Rede ist...es lässt mich einfach nicht los und ich kann ihm nicht entkommen.“

„Und was hat das hiermit zu tun?“, Helmbrecht warf einen abschätzigen Blick auf die Aufmachung seines Vaters.

„Es...hat mich gewählt und es ruft mich.“

„Was?“

„Das Schwert“, angesichts der Verständnislosigkeit in der Miene seines Sohnes setzte er hinzu: „Totentanz.“

„Das garetische Richtschwert? Aber wie und warum? Hast du mit einem Geweihten darüber gesprochen?“

„Sie riet mir, mich darauf einzulassen, denn immerhin ist Totentanz dem Praios geweiht und es wäre somit eine heilige Aufgabe. Doch dazu...“

„...sind die Köpfe von fünf selbst gerichteten Mördern im Kloster Sankt Anselm-Praiodan XXI. zu hinterlegen, ich kenne die Geschichte“, dämmerte es Helmbrecht endlich.

„So ist es“, bestätigte der Wegevogt, „Und darum werde ich gleich da raus gehen und an jenen Übeltätern die verdiente Strafe vollziehen, auf dass die Gerechtigkeit wieder hergestellt werde. Aber genug davon.“

Praiodan griff nach dem bereitstehenden Pokal und trank ihn in einen langen Zug leer. Für fünf saubere Schläge würde er eine ruhige Hand benötigen. Dann straffte er sich, nickte seinem Sohn zu, und öffnete die Tür: „Es ist an der Zeit.“