Fünf Köpfe für Totentanz - Neugierige Verwandtschaft

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Bei Markt Hirschenrode, 28. Tsa 1040 BF

„Oha, wir bekommen Besuch“, verkündete Arnhild von Weisenstein und Helmbrecht kniff die Augen zusammen. Vergeblich spähte er in die noch winterkahle Umgebung Hirschenrodes, bis Adhumar ihn murmelnd anstieß: „Die andere Richtung.“

„Das ist ja der gräfliche Jagdmeister, Adalbert von Hirschenrode“, wunderte sich Anselm von Wetterwend.

„Sieht so aus. Sein Gut Oldenhorn ist nicht weit von hier“, wurde er von Helmbrecht aufgeklärt, „Macht euch bereit!“

Die vier Adligen und ihr kleines Gefolge scharten sich auf dem Karrenweg zusammen und traten den Ankömmlingen entgegen. Auch der Ritter von Oldenhorn war nicht allein, sondern ihn begleiteten zwei Reiter: sein ältester Sohn Alarich, der geradezu wie eine jüngere Kopie seines Vaters daher kam, und seine Tochter Alwine, die als Hausritterin dem Baron von Feidewald diente.

Nur wenige Schritte vor ihnen zügelte der Hirschenrode seinen Braunen: „Ah, Ihr seid das, Steinfelde. Zum Gruße. Ihr seht mich überrascht, Euch zu treffen. Meine Leute meldeten mir etliches Waffenvolk und als guter Herr ist es meine Pflicht, nachzusehen, ob nicht eine Gefahr besteht. Darum muss ich fragen: Was tut Ihr hier?“

„Zum Gruße. Wir sind im Namen Graf Luidors und im Auftrag der Reichsstadt Hartsteen hier. Wir suchen einen Verdächtigen in einem Kapitalverbrechen.“

„Ich kann mir vorstellen, welches Verbrechen Ihr meint. Aber es sieht nicht so aus, als ob ihr suchen würdet.“

„Da habt Ihr freilich recht. Wir stehen für die Eventualität bereit, dass der Gesuchte sich der angedachten Befragung zu entziehen gedenkt.“

„Ah. Darf ich fragen, wen Ihr sucht?“, erkundigte sich der Jagdmeister, „Wenn Ihr mit solch einer Mannschaft anrückt, muss er recht gefährlich sein.“

Helmbrecht warf einen kurzen Blick zu seinen Gefährten, bevor er antwortete: „Mein Vater hat ein paar dringende Fragen an Euren Vetter Odilbert. Und wir wollen ganz sicher sein, dass er sie auch im Lichte Praios’ beantwortet.“

„So? Ich hoffe, Euer Vater hat gute Gründe für seine Annahme.“

„Die hat er.“

„Dann richtet Eurem Vater aus, dass ich mir seine Verdachtsmomente sehr genau daraufhin ansehen werde, ob sie Eure Aktion hier rechtfertigen.“

„Tut das. Euer Vetter hat nichts zu befürchten, wenn er unschuldig ist, aber das wird die Befragung ergeben. Allerdings wäre ein Fluchtversuch seinerseits schon ein deutliches Schuldeingeständnis, meint Ihr nicht?“

Nun mischte sich die jüngere Ausgabe des Jagdmeisters mit ein, „Ich wette, das habt Ihr von eurem Vater, denn wenn ich mich recht erinnere, vermeidet der seit Jahren eine Befragung und den Spruch des Schlunder Grafen in der causa Abasch Kohlkocher.“

„Nun, Herr Alarich“, Helmbrecht taxierte den nur wenig älteren Mann abschätzend, „Das hat erstens nicht das Geringste mit der gegenwärtigen Angelegenheit zu tun und ist zweitens eine Sache zwischen den Zwergen und meinem Vater.“

„Aber vielleicht möchtet Ihr uns nach Hartsteen begleiten und ebenfalls Rede und Antwort stehen oder eine Aussage zu Protokoll geben?“, ergänzte Adhumar in einem Ton, in dem unverkennbar eine Drohung mitschwang, „Ansonsten solltet Ihr Euch besser heraushalten.“

Adalbert von Hirschenrode schnitt seinem Sohn mit einer Handbewegung die Widerworte ab, die diesem auf der Zunge lagen, und sprach warnend: „Vorsicht mit dem, was Ihr sagt, Windischgrütz! Ich antworte einzig meinem Lehnsherrn, Graf Luidor.“

„Das sei Euch unbenommen“, hob Helmbrecht beschwichtigend die Hände, „So lange Euer Vetter sich seines Standes würdig verhält, gibt es keinen Grund zur Aufregung. Wir suchen keinen Streit mit Euch, aber um der Gerechtigkeit Praios’ willen, behindert uns nicht.“

„Keine Sorge. Ich habe genug gesehen und gehört“, er nickte den jungen Rittern zum Abschied zu und winkte seinen beiden Begleitern, als er sein Ross wendete, „Auf bald.“

Nachdenklich sah Helmbrecht den dreien nach, bis sie hinter der nächsten Wegbiegung verschwanden.

„Da geht sie hin, die neugierige Verwandtschaft“, konnte sich Arnhild eines bissigen Kommentars nicht enthalten, „Ob der auch mit drin steckt?“

„Keine Ahnung, aber wahrscheinlich nicht. Er ist ja wieder abgezogen“, mutmaßte Anselm von Wetterwend schulterzuckend. Doch Adhumar, der mehr militärisch dachte, schüttelte den Kopf: „Hirschenrode wusste, dass er gerade nichts gewinnen konnte. Wir sind in der Überzahl, besser bewaffnet und vorbereitet, da ist es aus seiner Sicht nur klug, sich zurückzuziehen, gerade, wenn er etwas mit der Sache zu tun hat.“

„Stimmt wohl“, lenkte der Wetterwender ein und ergänzte mit plötzlich aufkommendem Eifer: „Sollten wir ihn dann nicht auch gleich einkassieren?“ Doch Helmbrecht wiegelte ab: „Nein. Die neugierige Verwandtschaft ist nicht unser Auftrag – zumindest noch nicht.“