Fünf Köpfe für Totentanz - Mitfahrgelegenheit

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In der Nähe von Feldrungen, 8.Tsa 1040 BF

„Es ist sehr freundlich von Euch, mich in Eurer Kutsche mitzunehmen, Frau Coruna“, meinte Travinian von Hirschenrode, Cellerar des Traviaklosters zu Hutt, in liebenswürdigen Ton zu seiner Gastgeberin. Er hatte schon befürchtet, sich selbst zu Pferd oder zu Fuß auf die Reise in die Reichsstadt machen zu müssen. Die Götter schienen seine Gebete erhört zu haben, als sie die Altjunkerin von Allingsruh am Kloster vorbei sandten. Denn wie sich herausstellte, war auch sie auf dem Weg zu den Tsatagsfestlichkeiten der Grafenschwester geladen, denn jahrelang hatten Halina von Hartsteen und die Allingen gut nachbarliche Beziehungen unterhalten. Und Frau Coruna reiste in einer geschlossenen Kutsche – in dieser Jahreszeit ein unbestreitbarer Vorteil in den Augen des beleibten Geweihten. Allerdings schlug ihm das Durchgeschütteltwerden auf den vereisten Wegen mächtig auf den Magen, so dass er nicht einmal mehr Appetit auf die am Morgen noch eingesteckten Nusskuchenecken hatte und darüber hinaus ermüdeten die Gespräche mit der Dame Travinian zunehmend, so dass er sich zusammenreißen musste, nicht ungebührlich zu werden.

„Oh, die Freude ist ganz auf meiner Seite, euer Gnaden“, gab die in dicke Pelze eingehüllte Edeldame zurück, „Dennoch ist es bedauerlich, dass Hochwürden Firine nicht an dem Fest teilnehmen kann.“

„Freilich. Aber so einen bösen Husten soll man nicht auf die leichte Schulter nehmen, gerade bei diesem Wetter. Es ist wohl besser für sie, wenn sie sich gründlich auskuriert, anstatt sich auf eine solche Reise zu begeben. So dass ich nun die Pflicht übertragen bekam, an ihrer statt der Jubilarin den Segen der Herrin zu spenden.“

Natürlich, fügte er in Gedanken hinzu, hätte die Äbtissin auch die Spinnroder als die höherrangige Vertreterin des Klosters schicken können. Allein, sie hatte es nicht getan - wieder einmal - und so würde er - wieder einmal - einige Flaschen guten Wein für die Priorin besorgen müssen, damit diese ihre Verbitterung über die Zurücksetzung hinunterspülen konnte.

„Man möchte es nicht glauben, aber ich bin doch ein wenig neugierig“, lenkte Coruna das Gespräch auf ein anderes Thema, „Es muss drei Jahre her sein, seit ich das letzte Mal in der Reichsstadt war.“

„Drei Jahre? Ihr werdet sehen, es hat sich einiges getan. Wenn ich Euch raten darf: Ihr solltet Euch bei Gelegenheit das Abbild der Gräfin Thuronia am Grafenzug an der Stadtmauer besehen. Und natürlich die neue Statue am Rats- und Gildenhaus: Sie zeigt Ratsmeister Jarlak von Binsenbeck, Boron sei seiner Seele gnädig, wie er den falschen Frankward zu Boden streckt. Der Stadtrat selbst hat sie gestiftet.“

„Na, Ihr wisst aber gut Bescheid für einen Klostermann...“

„Die Pflichten als Cellerar eines so großen und bedeutenden Klosters erfordern doch die eine oder andere Reise, um die Brüder und Schwestern mit dem Notwendigen“, Travinian zwinkerte gespielt schelmisch, „und auch dem ein oder anderen darüber hinaus zu versorgen.“

Die Allingen lächelte milde wissend: „Doch sagt, dieser Frankward von dem Ihr spracht – seid Ihr nicht mit ihm verwandt?“

„Meine Verwandtschaft mit Frankward von Hirschenrode kann ich leider nicht leugnen“, der Cellerar setzte eine bedauernde Miene auf, hinter der er den in ihm aufkeimenden Ärger über die Erwähnung dieses schwarzen Schafs der Familie zu verbergen suchte und ergänzte knapp, „Ich kann Euch nur versichern, dass ich weder Orken als Meuchelmörder unterhalte, noch Ambitionen auf den freien Ratsmeisterposten habe.“

„Ach, es ist noch kein neuer Ratsmeister bestallt?“, die Allingen wirkte überrascht.

„Zumindest noch nicht, als ich im Herbst zuletzt in der Stadt war. Die Kaiserin lässt sich wohl – wie schon so oft – sehr viel Zeit bei ihren personellen Entscheidungen.“

„Man ist fast versucht zu sagen ‚zum Glück’: Sind doch die letzten Amtsinhaber allesamt vor der Zeit zu Boron gerufen worden. Vielleicht finden sich aufgrund dieser Tatsache einfach keine geeigneten Kandidaten.“

„Das glaube ich nun zwar nicht. Aber das sind doch weltliche Dinge, in denen ich mich nicht sonderlich auskenne, also mag das genauso gut zutreffen“, mühte sich der Geweihte achselzuckend angesichts dieser unhaltbaren Spekulationen und hoffte, dass sie bald in Bugenhog wären.