Fünf Köpfe für Totentanz - A und O

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Auf der Bugenhoger Landstraße, 16. Tsa 1040 BF

Seit dem Wetterumschwung vor zwei Tagen hatten sich die verharschten Wagen- und Schlittenspuren der Bugenhoger Landstraße abwechselnd in eine spiegelglatte Fläche verwandelt, auf der die Hufe der Zugtiere kaum Halt fanden, oder in eine kaum weniger tückische matschige Pappe. Eine von vier Pferden gezogene und mit schwarzen Tüchern ausgeschlagene Kutsche zuckelte in gemächlichem Tempo die Piste entlang, oder besser, das, was die Kutschfrau für den besten Weg hielt. Ihre Fracht bestand aus einem Diener des Raben und den mit Boronrädern versehenen Särgen mit den Leichnamen Travinians von Hirschenrode und Corunas von Allingen auf dem Weg gen Hutt, wo beide ihre letzte derische Ruhestätte finden sollten. Voran ritten schweigend die zwei Allinger Brüder – so einträchtig wie schon lange nicht mehr. Den Schluss des kleinen Trauerzuges bildeten mit etwas Abstand die beiden Vettern aus der Familie Hirschenrode, die zwar nebeneinander ritten, aber von Eintracht war bei ihrem leisen Gespräch nichts zu spüren:

„Was ist eigentlich in dich gefahren, Odilbert? Du kannst froh sein, dass der Nettersqueller dem Vergleich so schnell zugestimmt hat und es gerade ein anderes wichtigeres Thema in der Stadt gibt.“

„Das weißt du ganz genau, Adalbert. Du weißt schließlich, wer er ist.“

„Ja, ich weiß es. Doch es geht nicht an, dass du deine ritterliche Ehre und die deiner Familie mit einem Meuchelmord beschmutzt! Mit den bloßen Händen! Weißt du, was uns das kostet?“

„Ich hätte jeden Preis gezahlt, wenn ich nur Erfolg gehabt hätte.“

„Und es kam dir nicht in den Sinn, dass genau das ein Problem ist? Eine ganze Menge Leute haben schon so gedacht; Leute, die schließlich dem Banner einer Siebenstrahligen Krone folgten; Leute die den niederhöllischen Lügen anheimfielen und die heute tot und vergessen sind.“

„Hör auf, mich wie einen Praiostagsschüler belehren oder erschrecken zu wollen. Ja, ich habe aus der Situation heraus einen Fehler gemacht. Die ganze Sache ist gründlicher schiefgegangen als du ahnst. Wenn unser Plan so funktioniert hätte, wie gedacht, wäre ich gar nicht in die missliche Lage geraten.“

„Euer Plan? Was soll das heißen?“

„Tja. Wärest du mal zum letzten Bundestreffen gekommen.“

„Ich war unterwegs.“

„Freilich. Aber es könnte auch sein, dass dir die Sache – SEINE Sache – nichts mehr wert ist. So oder so, ich glaube, es ist umso besser für dich, je weniger du weißt.“

„Moment. Habt ihr etwa...?“

„Kein Wort mehr!“

„Bei den Zwölfen..!“

„Bevor du vorschnell urteilst, vergiss nicht, was auch du vor IHM geschworen hast: Alles zu tun, um SIE und IHRE Diener abzuwehren. Alles!“

„Dafür habt ihr das...das...Desaster billigend in Kauf genommen?“

„Glaub nicht, dass mich das kalt lässt, aber ja. Leider hat der Versuch nicht unser eigentliches Ziel getroffen.“

„...und darum wolltest du nachhelfen, als du merktest, dass euer Versuch eine schlechte Wendung nahm.“

„Beinahe wäre es gelungen.“

„Pff. Und jetzt?“

„Jetzt möge der Herr Phex uns beistehen, dass wir die Spuren gründlich genug verwischt haben.“

„Meinst du wirklich, die Götter werden nach solch einer Tat noch die Hand über euch halten? Meinst du, ER wird euch beistehen, nachdem ihr so versagt habt? IHR Diener lebt und weiß Bescheid, und das heißt: SIE weiß es auch. SIE wird euch aufspüren, jagen und vernichten.“

„Man könnte fast meinen, Du freutest dich darüber.“

„Nichts läge mir ferner. Aber du musst dir im klaren darüber sein, dass ihr von nun an schutzlos seid. Ihr habt IHN und SEINE Position geschwächt. Niemand, der für SEINE Sache streitet – und das schließt micht ein -, wird euch mehr helfen, um SEINE Sache nicht noch mehr zu gefährden.“

„Du hast nur Angst, dass du mit reingezogen wirst, falls wir gestellt werden.“

„Vielleicht. Aber SEINE Sicherheit ist das A und O. Die jedoch könnt ihr nicht mehr gewährleisten, denn ihr müsst jetzt nach diesem Debakel erst einmal für die eure sorgen.“

„Och, ich bin recht zuversichtlich, dass wir aus der Angelegenheit unbeschadet herauskommen. Immerhin bemüht sich der Steinfelde um die Aufklärung.“

„Wie du meinst. Ich jedenfalls werde darum beten, dass du den Weg und Gelegenheit zu Reue und Buße für dein Tun finden mögest.“