Erkenntnis oder Tod

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An dero Erwürden Hesindian zu Stippwitz, Conservator in der Madaburg,

sowie dero Ehrwürden Adran von Feenwasser, Abt des Kloster Sancta Ancilla.

Ehrwürdige!
 
 
 
 
Betrübliche Kunde vermelde ich Euch aus der Baronei Falkenstein. Hochwürden Eldron Lanka wurde von unserer allweisen Mutter abberufen in die Ewigkeit.

Hochwürden Eldron hatte uns allen befohlen – im Geiste und der Tradition Landfried Tintensetzers – nach dem Erscheinen Korgonds erneut die Raschtulswaller Wurzeln zu prüfen, die einigen Klingen Korgonds anheften. Er hatte vor vier oder fünf Jahren für den Questenritter Leobrecht Prankhold vom Berg Schriftzeichen und Steinfriese untersucht, dokumentiert und übersetzt, die in einer Höhle aufgefunden wurden, aus der Fragmente des heuer so bekannten Liedes der „Acht Schwerter“ stammten.

An diesen Ort nun kehrte er mit uns zurück, weil er meinte, ihm sei ein Fingerzeig in einem Traumgesicht erschienen. „Korgond“ habe ihn gerufen, weshalb er unweigerlich in den Wall habe steigen müssen.

Wir waren unserer sieben, darunter neben Ihrer Gnaden Olinai von Mylamas aus Sancta Ancilla und Beychaliban al-Siskir aus der Madaburg aus der Nandus-Geweihte Olombo Patassa aus Eslamsgrund und die Ritterin Zerline von Falkenstein als Bedeckung.

Wir langten am 14. Ingerimm an der nämlichen Höhle an und hatten zu dieser Zeit auch dank der geographischen Studien der Dame Olinai zahlreiche Hinweise auf einen rondra-geweihten oder einem ihrer Alveraniare zuzuschreibenden Bergtempel gefunden, dessen Herzkammer womöglich der unterirdische Andachtsraum ist, den Ritter Leobrecht und Hochwürden Eldron schon seinerzeit untersucht hatten.

Wir kampierten unweit des Stolleneingangs und begannen die Untersuchungen, die ich als archäologisch-paläographische Studien bezeichnen möchte. Etwa zwei Wochen weilten wir hie rund fanden weitere Friese und Wandinschriften, die wir auch sogleich übersetzten und in die Sagen und Legenden des Königreiches zu integrieren.

Da begann ein heftiger Streit in unserer Gruppe, ob wir eigentlich am rechten Ort seien: Hätte der Traum Hochwürden Eldron nicht nach Korgond gerufen? Sei er womöglich in die falsche Richtung gelaufen? Wer beschaue sich denn die Wurzeln einer Alveraniare, die so selten blüht, just wenn sie blüht? Kurz: Seine Gnaden Beychaliban, der „von alter Schule“ sei, warf ihm vor, Hochwürden Eldron habe sich stets auf das Falsche versteift, das beweise auch schon sein ewiger Streit mit dem seligen Siopan von Salmingen, und brach aus unserem Forschungslager auf.

Ehrwürden Llanka aber stieg am nächsten Tage, den wir ruhten, allein in den Stollen und rief, er werde Erkenntnis finden, dass er recht habe, oder sterben. Und so kam es: Es gab mittags einige heftige Erdstöße, weil der Gigant sich rührte, und dabei brach der Stollen hinab, die Decke stürzte ein, und Ritterin Zerline als des Landes Kundige stellte fest, dass hier kein Graben helfen werde.

Wir stiegen darauf vom Wall herab, kamen in heftige Sommerstürme, verliefen uns und langten erst heute in Schratenberg an, mehr aus Zufall denn aus Berechnung.

Seine Gnaden Beychaliban war schon vor Tagen angekommen und hatte auf uns gewartet.

Jedenfalls glauben wir, dass der Einsturz des Höhlentempels und die erneute Verhüllung Korgonds, von der uns Beychaliban berichtete, der wiederum den Ruf durch göttliche Verständigung gehört hatte, womöglich zu der gleichen Zeit stattfanden? Die Sterne zeigten hier am nämlichen Tage eine Erscheinung, die Seine Gnaden Beychaliban als „zitternde Ruptur“ beschrieb (vgl. anliegenden Bericht). Wir bitten darum, etwaige Berechnungsergebnisse an den Falkensteiner Tempel zu geben.

Es bleibt nur, den Tod Seiner Ehrwürden anzuzeigen und den Erzwissensbewahrer in Kenntnis zu setzen.
 
 
 
 
Möge die allweise Mutter Euch erleuchten und uns allen den rechten Pfad weisen aus der Wirrsal und der Trübnis dieser Tage.

Harban Hohlbeck von Tannenheim m.p.