Elmenbarths Lehre - Nandus ante portas

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Südquartier, Stadtteil Sonnengrund, Anfang Hesinde 1037 BF:

Es war ein nebelverhangener Herbstmorgen, die Sonne schien sich den heutigen Tage lieber verstecken zu wollen. Nichtsdestotrotz, im Nandus-Stift zu Gareth herrschte schon einiges an Trubel. Priorin Esmeria Darando della Tenna stand gemeinsam mit Subprior Edorian von Weidenhoff am Eingangsportal und begrüße die in ihre Klassenzimmer strömenden Kinder. Sharban von Ockerbeck bemühte sich recht erfolglos Ruhe in die Meute zu bekommen, aber nun ja, alles brauchte seine Zeit. Der Geweihte war froh, dass die Eltern ihre Kinder überhaupt in den Stift schickten, sodass sie hier wenigstens eine Art Grundbildung zukommen lassen konnte.

Unvermittelt näherte sich mit schneller Geschwindigkeit eine schwarze Kutsche ohne erkennbares Wappen und lieb vor dem Portal des Stiftes stehen. Aus den Nüstern der vier ebenfalls schwarzen Pferde dampfte ihr Atem. Der Kutscher hatte seinen weiten Kragen tief ins Gesicht gezogen und blieb regungslos stehen. Die Fenster der Kutsche waren mit Vorhängen versehen. Einige Augenblicke vergingen, schließlich trieb Sharban seine Schützlinge an in das Gebäude zu gehen. Er war sichtlich beunruhigt.

Auf einmal sprang mit einem Ruck die Tür der Kutsche auf, doch noch immer gab sie ihr schwarzes Inneres nicht preis, dafür war es im Innenraum zu dunkel und auch der Nebel verhinderte das Praios Antlitz Licht ins Ungewisse brachte. Die Priorin ging ein zwei Schritte auf die Kutsche zu und erkannte schemenhaft eine Person.

„Nandus zum Grüße“, sagte sie mit fester Stimme, „kann ich Euch weiterhelfen?“

„Ich wünsche Edorian von Weidenhoff zu sprechen“, antwortete eine Frauenstimme.

„Ich bin hier“, schaltete sich der Subprior ein. „Wer schickt nach mir?“

„Steigt ein, aber zieht Euch vorher um, wir verlassen die für euch sicheren Mauern der Reichsstadt!“

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Kaiserlich Gerbaldsmark, wenige Stundengläser später:

Edorian musste innerlich schmunzeln, der Abt hatte wahrlich einen Hang zur Dramatik, denn es war niemand geringeres als die Prolocutorin des Klosters St. Ancilla persönlich, Eure Gnaden Yurika Eorcaïdos von Aimar-Gor, die ihn in der Kutsche erwartet hatte. Nun fuhren sie zusammen an den fruchtbaren Feldern und Weiden Aveshains vorbei. Edorian wusste natürlich von dem Treffen im Kloster, er hatte sich ja sozusagen selber dafür ins Gespräch gebracht und den Abt gebeten erscheinen zu dürfen. Allerdings wollte Edorian erst in ein paar Tagen aufbrechen. Auch diese Geheimnistuerei hatte nicht erwartet.

Schließlich erreichte die Kutsche das große Schlangenportal des Klosters. Es war das erste Mal das Edorian es verschlossen vorfand. Seit dem unsäglichen Geschehnissen während des Konkordats hier im Kloster, hatte die Hesinde-Kirche, wie auch die des Phex, ihre Tore für den Adel verschlossen. Eine Katastrophe, doch was blieb den Kirchen anderes übrig?

Edorian und Yurika stiegen die breite Steintreppe empor und die Hesinde-Geweihte klopfte hesindegefällige sechs Mal an das hölzerne Portal. Mit lautem Knarren öffnete sich das Zweiflügelige Tor und zwei Bewaffnete der Klostergarde postierten sich zu beiden Seiten. Im Inneren konnte Edorian den Abt und den Bewahrer des Wissens erkennen, sowie ein etwas zehn oder elfjähriges Mädchen, das Edorian nicht kannte. Etwas am Rande stand die Novizin Sarella Mallorn. Edorian wollte gerade das Tor durchschreiten, als die Gardisten mit ihren gewundenen Schlangenschwertern ihm den Weg versperrten.

„Mein lieber Freund“, begann der Abt, „du stehst vor uns als Angehöriger des Adelsstandes, denn nur als solcher ist dir das Reisen außerhalb der Reichsstädte erlaubt, doch unsere heiligen Räume darfst du so nicht betreten. Nur als Jünger des Sohnes der Allwissenden ist es dir erlaubt, diese heiligen Hallen zu betreten. So lege die Symbole des Adelsstandes ab und kleide dich in denen eines Nandus-Jüngers.“.

Edorian schaute etwas irritiert in die Runde. Die hinter ihm stehende Prolocutorin flüsterte ihm schließlich ins Ohr: „Ja, du sollst dich deiner Kleidung entledigen – und zwar vollständig.“ Yurika gluckste vergnügt, während Edorian genervt mit den Augen rollte. „Wir sind heute aber sehr förmlich Euer Hochwürden.“

Dennoch tat er wie ihm geheißen und so stand er schließlich nackt vor den Versammelten. Die Novizin Sarella nahm ihm seine Kleidung ab - nicht ohne wegen des Anblicks zu erröten - und überreichte ihm die grau-grüne Gewandung eines Nandus-Geweihten. Auch legte er sein Amulett an.

„Sehr schön, mein Sohn“, sprach der Abt mit freundlicher Stimme, „willkommen im Heim der Allwissenden. Auf uns wartet noch viel Arbeit.“

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Texte der Hauptreihe:
P10. Briefe
K24. Nandus ante portas
K83. Zweifel
2. Hes 1037 BF zur mittäglichen Praiosstunde
Nandus ante portas
Ein Magus auf Reisen

Kapitel 24

Ein neues Ziel
Ein Magus auf Reisen

Kapitel 14

Ein neues Ziel
Autor: Bega