Geschichten:Elmenbarths Lehre – Kors Klinge

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Hesinde-Kloster St. Ancilla, 26. Hesinde 1037 BF:

»Du schaust missmutig drein.« Es klang zwar nach einer Feststellung, doch schwang die Frage nach dem Grund dafür mit. Für die Korgeweihtenschaft, die bei den Meisten im Kloster deutlich spürbar wenig willkommen war insbesondere nach den Vorfällen mit dem nun verschwundenen Kettenhund des Höllenwallers – hatte sich entgegen der ersten Annahmen wenig ergeben. Allein der Name Korgond, den man mit den Reliefsteinen in Verbindung brachte, hatte Erwartungen geweckt; Erwartungen, die bislang nicht erfüllt worden waren und auf welche man offenbar vergeblich hoffte. Für Jessa war es offensichtlich, dass ihr Soldherr und Mitbruder mittlerweile ziemlich enttäuscht sein musste. Wulf hatte sich auf dünnes Eis begeben, als er sich mit seinen Getreuen unter die Teilnehmer des Treffens gemischt hatte, wohl um die Vorbehalte gegenüber dem Adel wissend, und er hatte nach wie vor kein Interesse daran, dass die Anwesenheit des Kronobristen im Kloster breitgetreten wurde.

»Hätte ich eine Grund, dass es anders wäre?« entgegnete er. »Wir warten und warten, doch Erkenntnisse wollen sich nicht einstellen. Stattdessen krämert dieser Karfenck hier herum, der Höllenwaller lässt drohen und spitzeln, und die wahrlich Gelehrten verlieren sich mehr und mehr in ihren Theorien. Korgond als Ort für die Heerschau, wie es erst mein Gedanke war, können wir uns wohl abschminken.«

Sie gingen weiter, traten aus dem Schatten der Gebäude hinaus in den Klostergarten. Zu dieser Stunde war es recht ruhig hier; nur am andere Ende erspähte er die junge Perricumer Simia-Geweihte, die dort zu seiner Überraschung mit Larena auf einer steinernen Bank hockte. Die beiden Frauen, in dicke Mäntel gehüllt, unterhielten sich angeregt, doch immer wieder wanderte ihr Blick gen Boden, wo die kleine Tochter der Perricumerin mit Murmeln spielte. Das Bild entlockte Wulf ein Lächeln, denn die Ankunft der Simiapriesterin hatte bei manchen Anwesenden für Verstimmung gesorgt, die da meinten, ein Kind habe auf diesem Treffen nichts zu suchen. Der Abt hingegen hatte, mit deutlicher Unterstützung Yacubans von Creutz-Hebenstreyt, die Forderungen nach einem Rauswurf der Simiadienerin unwirsch abgewiesen.

Mittlerweile waren sie auf ihrem schweigsamen Rundgang nahe genug an die beiden Frauen herangekommen, um Wortfetzen des Gespräches mitbekommen zu können. »Schwerter der Goldenen Au«, »Stele« und andere Wörter gelangten an Wulfs Ohr, und plötzlich kam ihm eine Eingebung. Er gab Jessa einen Wink, und so bogen sie auf einen anderen Weg ab.

»Wir haben etwas übersehen«, sagte er schließlich. Jessa sah ihn fragend an; sie wusste, dass sie die Antwort auch ohne weitere Nachfrage bekommen würde.

»Vor lauter Gerede um die Steine haben wir andere Dinge völlig außer Acht gelassen, obwohl sie uns offensichtlich zu Vorteil sein können. Die Schwerter der Goldenen Au; und unter diesen soll es eine Korklinge geben, wenn ich das beiläufige Gerede richtig gedeutet habe. Diese Ucuristele hier im Kloster hat irgendeine Verbindung zu den Schwertern oder ihrer Geschichte. Vielleicht sollten wir uns lieber damit befassen. Wenn es diese Klinge gibt, will ich sie haben, bevor sie noch in Gallstein oder gar Höllenwall landet!« Er zog triumphierend die Mundwinkel nach oben.

Jessa nickte zustimmend. »Und in wessen Händen wäre ein korgeweihte Waffe besser aufgehoben als in denen eines Heerführers, der dem Blutigen geweiht ist?«




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Texte der Hauptreihe:
P10. Briefe
K83. Zweifel
Autor: Uslenried