Einst und jetzt!

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„Ihr wollt uns schon verlassen Griffelspitz?“

Die warmen Strahlen der Mittagssonne erhellten die sonst so tiefblaue Wasserfläche, und spiegelten sich wieder in den leichten Wellenbewegungen. Beherrscht, doch innerlich voller Widerwillen dreht er sich auf der Barke um und gab den Ruderern ein Zeichen einzuhalten. Sein breitkrempiger Hut mit der schmucken Feder schirmte seine Augen vor dem gleißenden Licht gut ab, und verbarg zudem sein Gesicht: „Aber euer Hochgeboren, ihr wisst doch die Amtsgeschäfte verlangen meine dringende Rückkehr. Rechnungen müssen bezahlt werden, Gläubiger hingehalten und beruhigt werden. Wie immer werde ich alles tun um zumindest eure Stammburg zu bewahren.“
Sein Blick glitt hinauf zur Loggia an der Palas Rückwand, dort stand die Baronin in ihrem verschlissenen Kleid, das Gesicht bleich und eingefallen, die Haare kraus und struppig, und dann dieser Ausdruck in ihren Augen. Wahrlich, sie bot keinen herrschaftlichen Anblick.
„Früher habt ihr euch mit uns besprochen, nun sehen wir euch kaum noch.“, vorwurfsvoll und schwach zugleich klang die Stimme herab.
„Mein werteste Baronin, ich habe euch doch die finanzielle Situation geschildert. Glaubt mir niemand schmerzt es mehr als Meiner einer, nicht bei euch verweilen zu können. Doch wenn ich an diesem wichtigen Treffen heute Abend nicht erscheine, dann befürchte ich, werden sie den Grafen anrufen. Lasst mich ziehen oh Herrin und ich versichere euch, ich werde alles zum Besten wenden. Immerhin soll es eine Tafel geben, der Dreisigacker hat geladen und ich werde etwas davon zur Seite schaffen und euch bringen lassen. Wie immer, ich sorge für euch.“, ergeben machte er einen Bückling und wollte sich gerade umdrehen als ihr Wispern ihn nochmals davon abhielt:“ Seit wann müssen wir uns an Almosen laben, sind wir nicht die Herrin dieser Lande?“
Die Verblüffung hielt ihn für einen kurzen Moment gefangen, so aufsässig hatte er die Baronin schon lange nicht mehr erlebt. Doch die Zeit drängte und er hatte keine Lust sich nochmals mit ihr stundenlang zu unterhalten. Er richtete ein Stoßgebet an Phex und sprach mit wahrer Mondsilberzunge auf die verzagte Gestalt hoch über ihn ein. Seinen gewandten Worten, verwirrenden Argumentationen und galanten Schmeicheleien war sie nun nicht länger gewachsen.
„Nun muss ich mich aber eilen, für unser beider Wohl.“
Die Trauer in ihrem Gesicht war unbeschreiblich, doch er vermochte sie weder zu erkennen noch zu deuten, nicht einmal die Träne die ihrer eingefallen Wange hinab glitt und in den sich spiegelnden Nachthimmel einschlug.

Ihm war kalt, die nassen Kleider klebten an seinem Körper, und mit klammen Fingern hielt er das Paddel fest. Wieder bessern Wissen hatte er sich zu den Worten umgedreht und erkannte nun an der dunklen Fassade vom Palas an dem Geländer der Loggia die Baronin stehen, zwei Wachen mit auf ihn zielenden Armbrüsten an ihrer Seite.
Er schluckte, seine Gedanken rasten, er musste zum Festland. Ob er es schwimmend schaffen würde? Er bezweifelte es, dazu war er zu alt. Täuschen, er musste sie täuschen: „Oh, euer Hochgeboren. Höre ich da etwa das ihr meine Anwesenheit etwas länger erwünscht hättet.“, langsam senkte er das Paddel ins Wasser und bewegte es vorsichtig um dem Nachen anzutreiben.
„Nein, da ein solch gemeiner Dieb wie ihr es seid hier weder willkommen war noch ist. Ich hätte jedoch erwartet, dass ihr euch zumindest gebührend verabschiedet.“
„Ihr nennt mich einen Dieb, dass halte ich doch gerade von Eurer einer als eine ziemlich unverschämte Unterstellung. Da heiratet ihr den größten Verbrecher der gesamten Grafschaft, wenn nicht gar des gesamten Königreiches, und nennt ausgerechnet mich einen Dieb. Habt ihr schon vergessen den Gräuel, welchen euresgleichen im Jahr des Feuers unters Volk verbreitet habt. Da steht ihr und rühmt euch eine gerechte Herrscherin zu sein, nichts anderes als die Buhlin eines Tyrannen seid ihr!“, der jahrelange Groll bahnte sich seinen Weg, und alle Vorsicht vergessend spie er der Baronin seine Worte entgegen.
„Euer Zungenschlag hat ein wenig nachgelassen, so harsche Worte, so unüberlegt und frech. Aber sie offenbaren eure wahre Art. Denn von alledem was ihr meint zu sein, trennen euch Welten.“
„Wie könnt ihr es wagen, ich bin ein Diener des Fuchses, und nicht einmal euer gemeiner Meuchler mit seinen magischen Tricks konnte mich aufhalten. Eure Falle ist gescheitert, dass Glück bleibt mir hold. Und ich schwöre euch, ich werde nicht ruhen bis man euer ganzes Pack in die Klamm zurückgetrieben hat! Und dann wird wieder eine gerechte Herrschaft über Höllenwall herrschen, so wie einst.“, er rief laut, allein deswegen da sich der Nachen langsam von der Burg entfernte.
„Gerecht, eure Herrschaft soll gerecht gewesen sein. Sicherlich ihr habt es verstanden euch die Leute zu kaufen, doch mit wessen Gold. Ist es denn eurem Herrn gefällig einer armen und hilflosen Frau alles zu nehmen? Sind das die gewagten Herausforderungen welche Phex von seinen Dienern erwartet. Meint ihr wirklich, mit dieser gnadenlosen Habgier mit denen ihr die Nymer ausgeraubt habt, hat noch irgendwas mit den göttlichen Idealen des alveranischen Fuchses zu tun? Oh nein, ein flugunfähiger Spatz ist keine ehrenwerte Beute für einen ausgewachsenen Kater wie euch!“
„Ha, haltlose Unterstellungen, ich habe alles getan diese Baronie zu retten und die Nymer an der Macht zu halten.“
„Es mag sein Griffelspitz, dass ihr alle Zehnt- und Zinsbücher eurer Amtszeit habt verschwinden lassen, doch die Chronik blieb euch verborgen. Und Nymphedora hat in ihrer großen Einsamkeit die letzten Seiten reichlich gefüllt. Ich bin mir sicher dass ihr diesen drohenden Bankrott selbst inszeniert habt. Nur noch eine alte Zofe hatte sie zum Schluss als Gesellschaft, und sogar ihren Sohn habt ihr ihr entfremdet. Sagt mir, habt ihr all ihre Briefe jemals nach Weiden gesandt, in diesen so weit entfernten Winkel wo ihr in als Knappen hin vermittelt habt? Habt ihr! Nein sicherlich nicht, und ihr nennt euch einen Diener des Phex? Aber hier habt ihr in eurer maßlosen Habgier euren eigenen Untergang voran getrieben, denn mit ihrem Gang ins Wasser, und den heldenhaften Tod ihres Sohnes im fernen Tobrien, ist euer schmutziges Werk zerbrochen, wie ein zu Boden stürzender Kristallkelch. Das letzte Blut der Nymer klebt nicht an den Händen der Helburger Griffelspitz, sondern an den euren.“
Die Zunge lag ihm bleischwer im Mund, er fand keine Erwiderung mehr, wie ein Sturm hatten die Worte der Baronin den selbstgefälligen Nebel aus Rechtfertigungen und Lügen weggewischt. Weg, er musste weg. Der Nachen trieb hinaus in die Dunkelheit, er sah noch die Silouhette der Baronin, und ihr Spiegelbild auf dem Wasser, oben die Weyringhaus, und im Wasser Nymphedora von Nym. Im graute es vor sich selber und er paddelte um sein Leben. Weg von der Burg, er wollte den See nur noch so schnell wie möglich verlassen.

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„Sollen wir feuern, bevor er in die Dunkelheit entschwindet?“, knurrte einer der Soldaten.
„Nein, lasst ihn. Er wird seinem Schicksal nicht entkommen.“, sie wandte sich um und schritt zurück in den grünen Saal. Dort wartete bereits Gorm Eichengrund, der alles mit angehört hatte.
„Nun?“, müde klang die Stimme Ondinais.
„Der Bote ist unterwegs, ich habe unseren besten Reiter entsendet, er wird sicherlich vor Griffelspitz in der Stadt sein.“
„Wie geht es dem Zuchtmeister?“
„Er wird durchkommen.“
„Gut, Malepartus wäre höchst unglücklich, wäre seinem teurem Spielzeug etwas passiert. Lasst mich nun bitte allein, und bringt mir umgehend jedwede Kunde aus der Stadt:“
Gorm Eichengrund nickte und ging mit den Soldaten hinaus.
Die Baronin kehrte auf die Loggia zurück und sah hinaus in die Nacht. Rudere Griffelpitz, rudere so viel du willst, deine Verbrechen werden dich einholen. Denn ich weiß von einem deiner schlimmsten, und schon viel zu lange ist es ungesühnt geblieben. Rudere Griffelspitz, rudere.

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15. Ing 1037 BF zur nächtlichen Praiosstunde
Einst und jetzt!
Jene die im Schatten wandeln.

Kapitel 33

Höllische Fuchsjagd
Autor: Malepartus