Einig Königreich - Historische Hirngespinnste

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Historische Hirngespinnste

Burg Greifenklaue, Ende Ingerimm 1040 BF

»Korgond ist mir egal«, fauchte Corian seine Anverwandten an. »Alles, was dort passiert, ist nur irgendein historisch verklärtes Gespinne. Basta!«

»Aber der Alte Bund«, setzte Larena an, schwieg dann aber lieber, als Corian seinen halb geleerten Bierkrug hob und anstalten machte, damit nach ihr zu werfen. Also setzte sie den Satz lediglich in Gedanken fort: >… ist von seiner Existenz her wissenschaftlich belegbar.< Aber von Wissenschaft, so weit hatte sie den jungen Baron inzwischen kennengelernt, wollte selbiger nichts wissen.

Ailyn nickte ihr vielsagend zu, was Corian, ihr gerade den Rücken zudrehend, nicht sehen konnte.

»Ich pfeiff‘ auf den Bund! Was hat uns das jemals eingebracht? Seit Generationen geben wir Blut und Leben, für nichts und wieder nichts. Niemand hat es uns je gedankt, kein Kaiser, kein König und erst recht nicht das Land selbst. Noch immer stehen wir da, wo wir vor Jahrhunderten standen, ohne einen Schritt weiter gekommen zu sein. Man schimpft uns ein großes Haus, doch haben wir nicht einmal einen Grafenthron. Stattdessen macht man hinter unserem Rücken Witze über uns, wenn man sagt, der Name Streitzig sei Programm!«

Ailyn schluckte, aber dann sprach sie doch. »Immerhin sind wir noch Barone. Denk daran, was mit Aschenfeld passiert ist.«

»Ja, Aschenfeld. Das Blut des Verrats, es fließt auch in unseren Adern, Schwesterherz. Wollen wir tatenlos warten, bis man uns so etwa nachsagt? Oder wollen wir nicht lieber nach vorn schreiten, als ewig auf das Vergangene zurückzublicken und uns von alten Geschichten blenden lassen?«

»Aber Korgond ist ein Weg in die Zukunft. Es ist ein Zeichen, ein Hinweis aus der Vergangenheit, wie es sein könnte.« Larena sprach leise, nahezu beschwörend.

»Korgond ist genau so ein Hirngespinnst wie das ominöse Königreich Luring!« Corian spie die Worte förmlich aus. »Schaut Euch doch an, was aus Garetien geworden ist! Ein Rabenmund herrscht über die Kaisermark, im Süden Perricums herrschen die Nebachoten, und im Norden ist man darpatisch. Wenn man sich da schon die Reste Darpatiens einverleibt können wir uns auch gleich den Rest holen. Dann machen wir Aschenfeld und die ganze Rabenmark garetisch, und der selbstgefällige Mersingen kann hingehen, wo der Pfeffer wächst!« Wütend knallte er den Krug auf den Tisch, und wäre jener nicht schon weitestgehend geleert gewesen wäre der Inhalt sicher übergeschwappt. »Und das nennt ihr Zeichen und hoffnungsvolle Zukunft. Ihr spinnt!«

»Du bist nicht ganz bei Trost!« Langsam kochte die Wut auch in Ailyn hoch, so dass Larena sich genötigt sah, ihr beschwichtigend eine Hand auf den Unterarm zu legen.

»Schweig! Ich bin der Herr auf dieser Burg, und wenn Du so weiter machst kannst Du Dir mit Deinem feinen Gatten und den Blagen eine neue Bleibe suchen!« Er schnaufte und stützte sich schwer auf dem Tisch ab. Dann wandte er den Blick zu Larena. »Und Du kannst von Glück sagen, dass das Verbot der Nanduskirche eine ebensolche Farce ist wie Korgond. Und jetzt geht mir aus den Augen!«

Die beiden Frauen blickten einander an, dann verschwanden sie wortlos aus dem Raum. Corian blieb allein zurück und ließ sich in einen Sessel sinken – und fragte sich einmal mehr, wohin die ganze Unvernunft um ihn herum noch führen sollte.

Texte der Hauptreihe:
K7. Historische Hirngespinnste
28. Ing 1040 BF
Historische Hirngespinnste
Gedanken eines Schwertträgers

Kapitel 7

Nicht Blutschwester, nicht in Korgond

Kapitel 2

Autor: CD