Eine neue Baronin zu begrüßen - Absprachen

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“Auf ein Wort“, unterbrach eine Stimme Escalias Gedanken. Die Baronin drehte sich um. Vor ihr stand eine junge Frau, die ihr bisher nur am Rande aufgefallen war. Ihrer Kleidung nach zu urteilen war sie sicher von Stand, aber ihrem Verhalten nach war sie eher zurückhaltend.
“Was kann ich für Euch tun?“
“Ich bin Lêiane von Corish und von Praill“, stellte die Frau sich vor.
Escalia unterdrückte eine Reaktion. Dies war also die Nichte von Darulf. Sie nickte wortlos. Eine Weile schauten sich beide Frauen wortlos an.
Die Baronin fühlte sich unwohl. Obgleich ihr die Frau nicht unsympathisch erschien, war ihr dieses wortlose Gegenüberstehen doch unangenehm. Sollte sie sich für Darulfs Tod entschuldigen?
“Keine Sorge, ich mache Euch nicht für den Tod meines Onkels verantwortlich.“
Escalia schluckte.
“Ich habe einen Vorschlag für Euch“, fuhr die Frau fort.
“Ich bin gespannt.“ Escalia war angespannt.
Die Frau schaute sich um, als wolle sie prüfen, dass niemand in der Nähe sei.
“Ich will ein Junkertum in Eurer Baronie!“
Escalia starrte die Frau an und wusste nicht recht ob sie laut lachen oder sie einfach stehen lassen sollte.
“Ich nehme an, Ihr habt bereits versucht die Finanzen meines Onkels zu überschauen?“
Escalia nickte vorsichtig. In der Tat hatte sie dies “versucht“. Doch bislang hatte sie noch nicht verstanden, wieviel Geld die Baronie besass und wo der alte Baron dies gelassen hatte.
Die junge Frau lächelte, “Mein Onkel war ein Mann von Buchstaben, kein Mann von Zahlen. Er konnte Euch jedes Gesetz herunterbeten, aber seine Gelder hatte er nur schlecht im Griff.“
Escalia runzelte die Stirn. Worauf sollte das hinauslaufen?
“Da meine Brüder das Waffenhandwerk lernten, durfte ich mich mit den Zahlen beschäftigen.“
“Dann wisst Ihr also über die Gelder der Baronie Bescheid?“
Die Frau lachte leise, “Wie ich schon sagte, ich will ein Junkertum.“
“Warum sollte ich mich darauf einlassen?“, fragte die Baronin. “Ich könnte Euch ebenso gut in meinen Kerker werfen...“
Für einen Moment schien der Frau die Vorstellung tatsächlich Angst zu machen, doch sie fing sich schnell.
“Ihr vergesst meine Brüder. Momentan haben sie Euch weitgehend in Ruhe gelassen. Doch täuscht Euch nicht. Sie werden Mittel finden Euch zu schaden.“
“Wollt Ihr mir drohen?“
Die Frau schüttelte langsam den Kopf. “Nein, im Gegenteil.“
Die junge Frau schaute zu Boden, “Dem Titel nach bin ich Junkerin von Hahnentritt, ich bin in Fremmelsfelde aufgewachsen, bin dort zuhause.“
Sie schluckte, “Als mein Onkel mich fort schickte, um seine Finanzen zu verwalten war ich unglücklich aber gehorsam. Nun ist mein Onkel tot und meine Brüder haben nichts Besseres zu tun, als nach Wegen zu suchen Euch zu schaden. Dafür werden Sie sich auch nicht scheuen, Land und Leuten zu schaden.“
Escalia atmete tief ein.
“Sie haben mich hierher geschickt, um zu schauen, wie man Euch am besten aus dem Weg räumen kann. Mir bleibt also wenig Auswahl. Entweder ich folge den Wünschen meiner Brüder, dann seid Ihr nahezu mittellos und über kurz oder lang wird die Baronie am Ende sein, so dass meine Brüder Euch vertreiben können.“
“Oder?“, fragte Escalia leise.
“Oder Ihr gebt mir ein Junkertum!“, forderte Lêiane erneut. “Ich werde Euch treu sein und Euch Zugang zum Geld der Baronie verschaffen.“
“Und Eure Brüder?“
“Die werden mich verstoßen ...“, antwortete die junge Frau leise.
“Ich muss darüber nachdenken“, sagte Escalia nach einer Weile.
Lêiane von Corish und von Praill nickte, “Natürlich. Ich reise morgen zurück nach Eslamsgrund um meinen Brüdern zu berichten.“