Eine Frage der Ehre - Teil 3

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Eine Frage der Ehre – Das Schicksalsduell

Dramatis personae:

Eslamsgrund, 1. Ingerimm 1033 BF, auf der Tjostenbahn

Endlich stand das so sehnsüchtig ersehnte Finale des Eslamsgrunder Turnieres unmittelbar bevor. Gebannt starrte das Publikum auf die beiden Kontrahenten. Im Norden hatte sich Baron Nimmgalf von Hirschfurten auf seinem schwarzen Hengst Finstermähne positioniert. Seine silberne Gestechsrüstung, die am Helm von einem goldenen Hirschgeweih geziert wurde, glänzte in den Strahlen der untergehenden Sonne. Auf seinem roten Wappenschild prangte stolz der weiße Hirsch. Auch sein Gegner, Baron Eslam von Brendiltal, gab auf seinem nebachotischen Streitross Shirem’shar und in seiner Plattenrüstung eine beeindruckende Erscheinung ab. Gerade brachten die Knappen den Streitern ihre Lanzen, die diese entgegen nahmen. Es handelte sich um echte Kriegslanzen. Mit diesen Waffen war es ein leichtes, einen Menschen zu durchbohren, und selbst schwerste Rüstungen nicht in jedem Falle ausreichend Schutz gegen eine Kriegslanze aus vollem Galopp bieten.

Nimmgalf nahm die Lanze und wog sie in der Rechten. Es war eine solide Kriegslanze aus den Schmieden Samlors. Zuletzt hatte er eine solche beim Heerzug wider die Finsternis geführt, um damit Simionas Schergen zu vernichten.

Seine Gedanken schweiften kurz zu seinem Gegner. Zwar respektierte er Eslam als Baron, doch sah er in ihm einen der Hauptverantwortlichen unter den Pulethanern für das Eskalieren der Fehde bis zu diesem Zeitpunkt. Denn jetzt war der Moment gekommen, an dem Nimmgalf seine Rache nehmen könnte. Nicht ohne Hintergedanken hatte Nimmgalf selbst ein Duell nach perval’schen Regeln gefordert just nachdem sein Gegner im Finale festgestanden hatte. Zwar war ihm das Risiko einer eigenen schweren Verletzung durchaus bewusst, doch vertraute er in seine Fähigkeiten mit der Lanze. Er würde es diesem Eslam schon zeigen.

Irian, in Eslams Rüstung steckend, gab äußerlich ganz den siegessicheren Nebachotenfürsten. Genau jenen, den er Wirklichkeit auch gerne gewesen wäre. Der jüngere Bruder war absolut siegessicher. Er würde hier und heute Nimmgalf von Hirschfurten in den Boden stampfen und seinem Bruder und allen andern Puley’shar (Pulethaner) beweisen, dass er es wert war, einer von ihnen zu sein. Dann würden sie nicht mehr anderes können und müssten ihn in ihrer Runde aufnehmen, ob er nun ein Ritter nach raul‘schem Sinne war oder nicht.

Schließlich gab der Herold das Startsignal. Nimmgalf schloss sein Visier und ließ sein Streitross steigen, wobei er die Lanze emporreckte. Dann preschte er voran. Schon sah er seinen Gegner auf der anderen Seite der Mittelbande auf ihn zuhalten. Nimmgalf fasste den nebachoten ins Visier und senkte die Lanze. Noch dreißig Schritt… er richtete die Lanze gegen den gegnerischen Schild aus… noch zwanzig Schritt… jetzt noch ein wenig nach links… noch zehn Schritt… Doch was war das? Nimmgalf hatte Eslam in dessen vorrangegangenen Kämpfen aufmerksam beobachtet und dachte eigentlich alle Verhaltensweisen bei der Tjoste von dem alten Kämpen zu kennen. Doch jetzt hielt er seine Lanze und seinen Schild ganz anders als erwartet. Nimmgalf biss die Zähne zusammen, richtete den eigenen Schild nochmal aus und bereitete sich auf dem Aufprall vor.

Und dieser kam blitzschnell und mit gewaltiger Wucht und Bersten.

Beide Lanzenspitzen brachen mit lautem Knacken von ihrem Schaft als sie auf die gegnerischen Schilde trafen, während die Menge laut aufschrie. Nimmgalf schien besser getroffen zu haben, schwankte Eslam doch ein wenig, hielt sich jedoch sicher im Sattel. Sie mussten in die zweite Runde gehen.

Irian fluchte innerlich. Er hatte Nimmgalf nicht zugetraut so gut mit seiner Lanze umgehen zu können und war überrascht, mit welcher Wucht und Präzision dessen Lanze ihn getroffen hatte. Lediglich seiner Reitkunst war es zu verdanken, dass er – Irian – noch im Sattel saß.

Na gut, ainmal habä isch Dich untärschätzt, duoch noch ainmal wirdt dies nucht der Fuall sain, dachte Irian sich grimmig, als er sich eine neue Lanze reichen ließ. Eine ganz leise Stimme, weit im Inneren Irians fragte ihn aber nun im Stillen, ob es wirklich eine kluge Idee war, sich ausgerechnet diesen Kampf als Zeugnis zur Aufnahme bei den Puley’shar auszusuchen. Doch der Nebachote ließ nicht zu, dass dieser Gedanken in seinem Kopf lauter wurde und sprach sich wieder Mut zu. Dann kam erneut das Zeichen des Herolds und er ließ Shirem’shar auf die Hinterbeine steigen, um dann nach vorne zu preschen.

Nimmgalf war deutlich verwirrt. Bisher hatte er Eslam für einen äußerst fähigen und brutalen Kämpfer gehalten. Doch beim letzten Lanzengang hatte der Nebachoten lediglich Glück gehabt, dass Nimmgalf so überrascht von dessen dilettantischer Lanzenführung gewesen war, so dass er diesen nicht genau getroffen hatte. Oder war dies eventuell Methode von dem verschlagenen Kriegsfürsten? Wollte er Nimmgalf in Sicherheit wiegen, um ihn zu Unachtsamkeiten zu zwingen? Na so jedenfalls nicht… Nimmgalf war nun gewarnt und würde entsprechend acht geben.

Erneut folgte das Zeichen des Herolds, wieder setzten sich beide in Bewegung und preschten aufeinander los.

Jetzt würde es zählen. Nimmgalf legte erneut seine Lanze an und bemerkte wieder, wie fahrlässig Eslam seinen Schild hielt. Diesmal nicht, knurrte er, wenn Du spielen willst bitte, aber diesmal bin ich gewappnet. Dann stieß er mit aller Kraft zu.

Mit brutaler Gewalt prallten die Ritter aufeinander. Einige Holzsplitter flogen durch die Gegend, als beide Lanzen erneut brachen.

Ein Aufschrei ging durch die Menge. Dann war Pferdegewieher gefolgt von einem dumpfen Aufprall zu vernehmen, als einer der Ritter quer auf die Bande flog und diese ebenfalls zum Bersten brachte. Was war geschehen? Nimmgalfs Stoß hatte gesessen und ihm die Lanze aus dem Arm gerissen, doch auch Eslams Lanze hatte seinen Schild durchdrungen und war durch die Stahlplatten seiner Rüstung tief in seine Schulter eingedrungen, wodurch ihn jäher Schmerz erfasst hatte. Die Wucht hatte ihn ruckartig zur Seite geschleudert und beinahe wäre er vom Pferd gestürzt. Der Schmerz war unbeschreiblich, doch irgendwie schaffte es Nimmgalf, sich wieder zurück in den Sattel zu ziehen. Er brachte Finstermähne zum Stehen und wendete.

Der Herold verkündete Nimmgalfs Sieg! Zunächst brach ein Teil der Menge in Jubel aus, doch dieser verhallte ungewöhnlich schnell wieder. Die Aufmerksamkeit der Menschen war auf die Tjostenbahn gerichtet. Irgendetwas schien nicht zu stimmen.

Wo war Eslam?

Nimmgalf sah sich um. Seine Lanze war durch den Aufprall gebrochen. Ein paar Dutzend Schritt weiter hinten lag der Nebachote am Boden, in Mitten der Bande. Seine massive Kriegslanze hatte ihn regelrecht durchbohrt, ein Stück war am Rücken wieder ausgetreten. Einige Waffenknechte und Heiler waren zu ihm hin gelaufen und versuchten sein Leben zu retten.

Nimmgalf ritt näher heran.

So sehr er sich an Eslam auch rächen wollte, umbringen wollte er ihn nicht.

„Was ist mit ihm, lebt er?“ fragte Nimmgalf die Medici. Einige Pulethaner kamen bereits herbeigelaufen, ebenso Nimmgalfs Freunde von den Pfortenrittern. Nur mit Mühe gelang es den Turnierwachen einen Konflikt zu vermeiden.

Einer der Medici stand auf und schüttelte den Kopf. „Er ist tot!“

Nimmgalf erbleichte. Das hatte er nicht gewollt.

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Texte der Hauptreihe:
K3. Das Schicksalsduell
1. Ing 1031 BF zur mittäglichen Rahjastunde
Das Schicksalsduell
Im Nebachotenzelt

Kapitel 3

'Nimmgalfs Blutiges Jahr'
Autor: Alex K., IBa