Ein neuer Marschall - Der Heermeister ordnet sein Haus, Teil 2

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Dramatis personae:


Anwesen des brendiltaler Barons, Anfang Praios 1036 BF

Dass der Junker von Mittelkur seinen Nachbarn, den Baron von Brendiltal besuchte, war vielleicht nicht alltäglich, aber doch immerhin nicht seltsam. Die beiden Veteranen kamen inzwischen recht gut miteinander aus, auch wenn Aldrons trockene Korrektheit und das tulamidische Temperament des Nebachotenführers einen reichlichen Gegensatz bildeten. Und das Eslams Schwiegertöchter Lyn und Malina auf dessen Anwesen weilten, mochte auch niemanden wundern.

Aus gutem Grund aber waren weitere Gäste unauffällig angereist und eher verstohlen empfangen worden, so vor allem der Baron von Vellberg, der eigentlich kein gern gesehener Gast des Hauses war. Etwas verständnislos, warum der Firunslichter ausgerechnet auf diesen verqueren Nebachoten als Gastgeber verfallen war, hatte sich Wallbrord von Löwenhaupt-Berg in sein Schicksal gefügt. Insgeheim wappnete er sich für einen sehr anstrengenden Aufenthalt.

Aber auch die beiden Sturmfels-Baroninnen und der kaiserliche Vogt von Gerbenwald hatten kein großes Aufheben gemacht. Der Heermeister des Markgrafen hatte gerufen und um strikte Geheimhaltung gebeten.

***

Zu später Stunde saß die illustre Runde nun zusammen auf Kissen um einen niedrigen Tisch, auf dem Wein und Knabbereien standen. Doch eine ausgelassene Feierlichkeit war dies nicht - man hatte die Diener weggeschickt und vor der Tür stand Alrik von Korbrunn, der so genannte Bluthund des Barons, und hielt neugierige Lauscher fern. Innen sprach überwiegend der Mittelkurer.

"... beschreibt somit alles in allem die Gesamtlage. Als Antwort darauf haben wir außer den Garden noch den Aushub des Heerbannes in der Stärke von drei Regimentern gut vorbereitet. Das Landgarderegiment "Darpatmund" hat als Sammlungspunkt Haselhain und wird von euch befehligt, Lyn. Hier sammeln wir Linie, unterstützt von Schützen. Das Landgarderegiment "Wall und Zacken" übernehmt ihr, Korhilda. Eure Bergschützen bilden den Kern der Plänkler und Pfadfinder. Eslam, wie gehabt ... Eure Reiter folgen euch formal als starkes Landgardereiterregiment. Die Grenzreiter bilden dazu mit dem Ritteraufgebot und den All-Perricumern ein zweites Landgardereiterregiment. Wenn ich es nicht selbst in die Schlacht führe, obliegt das Kommando euch, Malina. Formal kommt dazu durch Kaiserwort die Garde und Stadtmiliz Perricums. Insgesamt haben wir damit sieben allerdings unterschiedlich starke Verbände mit der Kopfzahl von annähernd viertausend Kämpfern. Sind soweit alle mit den Ausführungen vertraut?“

Wallbrord nickte nur kurz zustimmend. Überhaupt gab sich der Baron während der ganzen Zusammenkunft recht wortkarg, was hauptsächlich daran lag, dass er jeden Streit mit den Nebachoten vermeiden wollte. Außerdem waren Aldrons Ausführungen ebenso vernünftig wie präzise gewesen, was weitere Fragen erübrigte. Auch Eslam hielt sich mit Kommentaren zurück, entsprachen doch die Pläne Aldrons seinen eigenen Überlegungen und wusste er bei dem Firunslichter, dass die traditionellen Freiheiten der Nebachoten gewahrt blieben.

Aldron maß die Herren und Damen. Ihm fiel auf, dass die Baronin von Gluckenhang ein wenig irritiert wirkte, hatte sie doch kein Kommando zugesprochen bekommen. "Diese Regelungen gelten, sofern wir Gelegenheit haben, uns zu formieren. Bei einem unerwarteten Angriff auf die Küste übernimmt der Oberst der Bombarden das Kommando über alle Verteidiger der Stadt Perricum. Das schließt die Bürgereinheiten ein. Bendan, ihr sammelt alle Truppen im südlichen Bereich zum Entsatz der Stadt. Nördlich des Darpat wird in dem Fall der Sammelplatz der Landwehren von Bergthann nach Gluckenhang verlegt. Dort übernehmt ihr das Kommando, Rondira. Eure Hauptaufgabe ist dann die Sperrung des Zuweges den Darpat entlang und die Zusammenarbeit mit dem Hauptheer unter Bendan oder mir. Diese Lage wird von allen am meisten Urteilsvermögen abverlangen und ist schlecht voraus zu planen."

Rondira war überrascht, nickte aber und versuchte sich mit dem Gedanken anzufreunden. Das würde viel Vorbereitung bedeuten. Aber Erfahrung mit Sperrung und Sicherung des Darpatzuweges hatte sie schon vor einigen gemacht als sie Gluckenhang nach dem Jahr des Feuers hatte befrieden müssen. Aber jetzt wusste sie also auch warum Aldron sie bei diesem Treffen dabei haben wollte und es ehrte sie, dass er sie offenbar für fähig genug hielt eine solch gewichtige Aufgabe zu übernehmen. Ein Schluck aus dem Becher befeuchtete die Kehle.

"Kommen wir zum erfreulicheren Fall, dass wir in die Offensive gehen und Haffax in Mendena festnageln. Wie gehabt, wird das an der Seite der Garetier erfolgen. Perricums Hauptaufgabe ist dabei die Sicherung des Nachschubs, die Abwehr eventueller Landungsversuche an unserer Küste und bei Gelegenheit die sukzessive Verstärkung des Hauptstoßes unter Urion von Reiffenberg mit weiteren Kräften beziehungsweise die Bildung zweiten Angriffsformation. Die Versorgung werden wir von Perricum aus gewährleisten. Die Vorbereitungen dazu werden parallel zu denen der eigenen Regimenter von unserer Zeugmeisterei übernommen. Entsprechende Verstärkung aus den anderen Provinzen wird es geben. Für den Stab des Heeres werden allerdings verschiedene Offiziere aus Perricum abgeordnet. Neben mir selbst werden das sein Oberst Wallbrord von Löwenhaupt-Berg als Stabsberater in für Schützen und Geschütze und Rondira von Sturmfels als Quartiermeisterin und Lagerprofos. Hauptmann Cordovan von Keres übernimmt Fourage und Tross. Bendan, ihr werdet das Aufgebot hier vor Ort in meiner Abwesenheit koordinieren, die Scharmeister der Garden übernehmen die Führung der Regimenter. Ich erwarte, dass sie entsprechend eingewiesen werden.“

Beide Obristen nickten knapp, was der markgräfliche Marschall wohlwollend zur Kenntnis nahm. Auch die Gluckenhangerin war offenbar zufriedengestellt. "Kommen wir noch zu einigen Einzelheiten der Stabsarbeit, die die Landgardebefehliger für ihre Aufgaben benötigen ..."