Ein neuer Herr - Neue Bündnisse

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Burg Zweifelfels, Baronie Zweiflingen, Efferd 1042 BF:

Gisborn hatte sich von der vergangenen Nacht soweit gut erholt. Iserion hatte ihm einen seltsam klingenden Trank aus Birkenrinde, Moosen und verschiedenen Kräutern gebraut, der zwar übel roch und noch viel übler schmeckte, aber er blies den Kopf frei. So wartete der junge Baron mit seinem Leibmagier auf seinen Vater Leomir und einen Gast. Der vergangene Götterlauf hatte die Familie gelähmt, doch nun galt es wieder voller Kraft nach vorne zu sehen. Bestehende Bündnisse, wie das mit dem Schallenberger, wurden zwar bekräftigt, aber es galt auch neue Bündnisse zu schließen.

Die Eichentür zum obersten Turmzimmer von Arngrimms Wacht, so der Name des Bergfrieds der Feste, öffnete sich und Gisborns Vater Leomir trat herein. Dicht gefolgt von einem fremdländisch wirkenden Mann, den der Baron bereits kannte.

„Werter Herr vom edlen Blute der Pfiffenstock aus dem fernen Perricum“, der junge Baron begrüßte den großgewachsenen nebachotischen Krieger mit einem festen Händedruck, „es freut mich Euch so schnell schon wieder zu begrüßen. Die kleine Amara ist wahrlich ein leuchtender Stern des Südens.“

"Euer Hochgeboren, ich begrüße Euch erneut im Namen des Barons von Haselhain.", erneut musste sich Mahelon dabei zusammen rei?en, den Gockel als Baron und Familienoberhaupt innerlich zu akzeptieren. "Ihm ist sehr an einem freundschaftlichen Bündnis zwischen unseren großen Familien gelegen." Mahelon holte ein Schreibstück hervor.

„Nun, die Familie Pfiffenstock hat nicht nur die Absicht die junge Amara von unserer Familie in den großgaretischen Rittertugenden ausbilden zu lassen, nein, Rudane wird im Gegenzug Pagin von Baron Selo“, warf Leomir ein.

„Ah, ein Pagenaustausch also.“ Gisborn wollte sich schon abwenden, als sein Vater fortfuhr.

„Doch ist das noch nicht alles, sie sind an weit engerer Zusammenarbeit interessiert.“ Leomir blickte bei seinen Worten kurz zu Mahelon, der dem Baron das Schriftstück überreichte, gesiegelt mit dem Gockel und den haselhainschen Säbeln. Es wirkte irgendwie als dass der Gockel das altehrwürdige Symbol der Familie verhöhnte, fand Mahelon.

„Von welcher Art Zusammenarbeit reden wir?“, wollte der junge Baron wissen.

„Seit längerer Zeit schon stehen unsere Familien im engen Austausch, Baron Selo auf der einen und dein Onkel, Kronvogt Leomar, auf der anderen haben den Anstoß dazu gegeben. Fortan war es an mir für unser Blut die Verhandlungen zu leiten – und ich kann vermelden, dass sie zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen sind.“

Gisborn blickte erst zu seinem Vater, dann schweifte sein Blick kurz zu Iserion, um dann schließlich wieder bei seinem Vater zu landen, dabei entrollte er das Schreiben mit der seltsamen Handschrift. „Wohl an, erhellt mich, was für einen Abschluss wurde erreicht.“ Gisborn fühlte sich so unwissend, so vorgeführt, da er von der ganzen Angelegenheit nichts wusste. Wie auch, er war über Monde verschwunden. Doch hätte ihm sein Vater davon durchaus früher erzählen können. Er verbarg jedoch den Groll gegen diesen und lächelte seine Gegenüber an.

„Es ist der Wunsch meines Oberhauptes, dass die ehrbaren Familien Zweifelfels und Pfiffenstock den ewigen Bund schließen und fortan als Brüder Seite an Seite streiten“, begann der Nebachote fast wie auswendig gelernt in erstaunlich akzentfreien Garethi. „Mögen die heiligen Lande unserer Vorväter auch weit voneinander entfernt liegen und wir uns in Sitte und Brauchtum unterscheiden. Doch die großgaretischen Lande kennen nur einen Ursprung. Unsere Ambitionen unseren Landen zu dienen können wir am besten gemeinsam voranbringen.“ Mahelon musste jedes einzelne Wort vorher gut durchkauen, aber er überspielte es gekonnt, ganz die garethische Kriegerschule.

Gisborn hatte dem Nebachoten interessiert zugehört. „Sehr wohl, uns mag so einiges unterscheiden, doch mag dies nicht von Nachteil sein“. Mit Blick auf seinen Vater fügte er hinzu: „Was gedenken wir in die Waagschale zu werfen?“

„Was könnte das Band zwischen zwei Familien enger festigen als ein Bund des Blutes“, begann Leomir, „Der Erbe der Baronie Osenbrück, der kleine Odilion, wird mit einer Tochter von Baron Selo verlobt. Neben dem Bund der Herzen, wird es einen Bund des Landes geben. Baron Selo wird als Herr im Range eines Junkers über Ländereien in Osenbrück eingesetzt werden. Auch wird der Familie Pfiffenstock ein Edlengut auf unseren Ländereien in der Kaisermark zugeschrieben.“

„Ah, welch noble Geste“, der Baron nickte unverbindlich, „was ist in der anderen Waagschale?“

„Verehrter Herr Baron, Ihr werdet Junker reicher Güter im Lande meiner Familie." Hier hatte Mahelon "meines Herren" sagen sollen, aber er brachte es nicht über sein stolzes Herz. "So seit Ihr und das Oberhaupt meiner Familie Diener und Herr unserer Blute zugleich, auf das wir fortan Seit an Seit allen Gefahren unsere vereinten Kräfte entgegen stellen mögen.“

„In Zweifelsruh werden wir darüber hinaus einen Stift im Namen der drei Lieblichen Schwestern gründen, zur Anerkennung der Ehre und zum Wohle der versehrten Veteranen der letzten Schlachten. Auf das sie unter dem vereinten Banner von Einhorn und Doppelsäbel einen würdigen Lebensabend verbringen können.“ Mahelon begleitete die Ausführungen von Leomir mit knappen Nicken.

„Wahrlich, das klingt alles wunderbar, doch … ,“ Gisborn begann im Turmzimmer auf und ab zu laufen, „wie können wir unsere militärische Stärke besser bündeln? Unsere Truppen sind weit von einander entfernt?“

„Es wird den Truppen unserer Familien erlaubt sein die Güter des jeweils anderen als Stützpunkt zu nutzen. Und die Pfiffenstocker Krieger sind näher als du glaubst - Baron Selo plant seine Präsenz in Garetien zu verstärken.“ Leomir schaute auffordernd in Richtung Mahelon.

„Mein Vetter, Baron Selo, hat Verhandlungen mit Eurem Verbündeten in Aldenried aufgenommen. Meine Familie wird dort einen Stützpunkt unterhalten, der auch für Eure Ritterschaft nutzbar sein wird. Die dortigen Krieger unter dem Banner des Doppelsäbels werden für die Sicherheit der Handelszüge von Puleth nach Zweiflingen Sorge tragen.“

„Ihr schließt einen Vertrag mit dem werten Schallenberg?“ Gisborn zog überrascht seine rechte Augenbraue hoch. „DAS ist eine großartige Nachricht!“

„Nicht nur das mein Sohn, sein Sohn Rondrik wird mit einem jungen Mädchen vom Blute der Pfiffenstock verlobt werden. Rate um wen es sich handelt?“ Leomir wirkte beschwingt.

„Ihr meint doch nicht etwa - nein - oder etwa doch? Amara?“ Der junge Baron riss seine Augen weit auf.

„Sehr wohl mein Herr.“

„Also bin ich für die Erziehung des künftigen Herrscherpaares von Aldenried verantwortlich.“ Gisborn blickte verwundert zu Iserion. „Beide werden ein wahres Vorbild für jeden großgaretischen Ritter sein und ihrem Land ergeben dienen. Das wohl!“

„Möge der Bund zwischen Einhorn und Doppelsäbel ewig währen.“ Leomir erhob einen der bereit gestellten Kelche.

„Mögen wir unsere Feinde gemeinsam mit Säbel und Schwert in ihre Schranken weisen.“, stimmte Mahelon martialisch mit ein.

„Möge das Land mit uns sein!“ Mit diesen Worten erhob auch Gisborn seinen Kelch.

24. Eff 1042 BF 15:00:00 Uhr
Neue Bündnisse
Zerrbilder

Kapitel 8

Neue Wege
Autor: Bega, Jan