Ein Traum

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Der Mond stand am Himmel und beleuchtete die Landschaft mit seinem silbernen Schein. Das Laub wirbelte im kühlen Wind, der über die Felder wehte. Eine Eule saß auf einem Ast eines Baumes und beobachtete den Mann der auf dem Balkon seines Anwesens stand und in die Nacht blickte.
Der Wind umspielte seine braunen Haare und sein Gesicht zeigte Jahre der Erfahrung im Kampf und in der Wildnis, aber auch auf dem Parkett der Politik.
Er konnte nicht schlafen und nicht allein des Traumes wegen, den er diese Nacht hatte:
Ein Schatten erhob sich hinter den Bergen und wuchs zu einer unglaublichen Größe an. Das dunkle Tor, das zwischen den Bergen war, öffnete sich und der Schatten quoll daraus hervor und deckte das Land wie ein Teppich ein. Die Sonne wurde von Wolken verdeckt und der Tag wurde zur Nacht. Der Schatten floß auf eine goldene Krone zu, aus der Edelsteine fielen. Und nichts konnte die Finsternis aufhalten ...
Er hatte öfters Träume dieser Art, Träume die sich als Wahr herausstellten, Träume die wirklich geschahen!
Der Schatten stellte das Böse dar; da war er sich sicher. Die Berge könnten die Schwarze Sichel und die Trollzacken sein. Oder vielleicht der Finsterkamm? Nein, nicht die Orks – der Mann schüttelte den Kopf. – Der Schatten symbolisierte die Schwarzen Lande und somit waren die Berge die Sichel und die Trollzacken. Das Tor müßte dann die Trollpforte sein. Das alles würde bedeuten, daß die Heptarchen einen Angriff planten. Aber was stellte die Krone dar? Darauf hatte er keine Antwort.
Nun, sein Traum war nicht der einzige Anhaltspunkt, daß etwas Unheilvolles passieren würde. Das Jahresorakel prophezeite auch nicht gerade fröhliche Aussichten für dieses Jahr; um es mal so auszudrücken.
„Über was denkst du nach, Balrik?“ sagte eine weibliche Stimme hinter ihm. Der Mann drehte sich um und sah seine Frau Nahéniel in der Balkontür stehen. Sie hatte lange, braune Haare, die ihrem Rücken hinunterfloßen, und leicht schräg gestellte, grüne Augen, die ihn aufmerksam anblickten. Sie war eine Elfe und wunderschön.
„Ich hatte einen Traum.“ antwortete ihr Balrik.
Sie blickte ihm ins Gesicht aber sie schien dann durch ihn hindurch zu sehen. „Träume wollen uns immer etwas mitteilen.“ sagte sie versonnen. „Man muß nur ihre tiefere Bedeutung enträtseln.“ Für die Elfen haben Träume eine große Bedeutung, denn sie sind, ihrer Meinung nach, ein Teil des Lebens, das nicht weniger wahr oder bedeutsam als das ist was während des Wachseins geschieht.
Seine Träume sind aber etwas anders. Vielleicht war es eine Gabe; oder er ist von Bishdariel besonders gesegnet. „Ich denke, die Bedeutung habe ich bereits herausgefunden.“
Er wandte sich wieder der nächtlichen Landschaft zu und blickte einer Eule nach, die in die Nacht flog, während Nahéniel sich an seinem Arm anschmiegte.
Doch dann hatte er einen Einfall.
Er würde fähige Männer suchen und rekrutieren. Er würde sie zu Waldläufern ausbilden und sie im ganzen Land ausschicken um dem Raulschen Reich und ihren Einwohnern zu helfen, wo sie konnten. Und einige würde er zum Beobachten an die Grenze zu den Schwarzen Landen schicken.
Denn jetzt wußte er was die Krone darstellte:
Das zerbrechende Mittelreich.

Praios 1027 BF (34 Hal)

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Texte der Hauptreihe:
K1. Ein Traum
Pra 1027 BF
Ein Traum

Kapitel 1

Die ersten Vier
Autor: Balrik