Ein Tag im Peraine - Der Unterschlupf eines Räubers

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Gut Steinfelde, Peraine 1039 BF

„Herr! Ritter Praiodan! Sie haben ihn!“

Praiodan von Steinfelde schreckte aus seinem Mittagsschläfchen. Die Kampfübungen mit seinem Knappen am Morgen hatten ihn wirklich hungrig gemacht und die genossene Pastete am Mittag schwer im Magen gelegen, trotz des Biers, das er dazu reichlich genossen hatte.

Wieder klopfte es laut an der Kammertür.

Etwas schwerfällig kam der Hartsteener Wegevogt auf die Beine und knurrte: „Jajaja. Ich hab’s ja gehört. Ist gut Odilbert. Wer hat wen?“

„Die Müllerin von Teklasmühle und ihre Burschen: Sie haben den Eichenblatt."

„Was?!“, mit einem Mal war die Müdigkeit aus Praiodans Kopf gewichen, „Dann sollen sie ihn reinbringen!“

„Das geht nicht, Herr.“

"Wieso?“

"Er weigert sich.“

„Aber du hast doch gerade gesagt, dass sie ihn hätten.“

„Haben sie ja auch. Sie haben ihn in einer Scheune gestellt und bewachen sie, damit er nicht fort kann. Unten, bei Teklasmühle.“

„Ach so. Na dann schnell, Odilbert. Hol das Rüstzeug und sattle die Pferde! Ich wusste doch, einmal erwischen wir ihn!“

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Unterwegs ließ sich der Junker den Hergang von einem aufgeregten Boten ausführlich berichten, der auf dem Weg nach Steinfelde seine alte Mähre nahezu zu Schanden geritten hatte, um die Nachricht zu überbringen: Der gefürchtete Raubritter hatte sich wohl sicher gefühlt, als er im Krug von Teklasmühle zu einer Rast einkehrte. Kurz zuvor musste er noch den fahrenden Krämer Fidubert Apfelkorn überfallen und ausgeraubt haben. Praiodan kannte den Krämer, der einmal im Mond in Steinfelde aufkreuzte und Waren und Neuigkeiten zu besten Preisen unters Volk brachte. Der Krämer war dem Raubritter gefolgt und schrie im Dorf Zeter und Mordio. Im anschließenden Handgemenge mit den eilig zusammengerufenen Knechten und Mägden war dem Eichenblatt zuerst die Flucht zu Fuß gelungen, doch seine Verfolger hatten ihn an einem Heuschober eingeholt, in dem sich der Ritter nun verbarrikadiert hatte. Zwar hatten die Müllerburschen versucht, das Gebäude zu stürmen, doch drei von ihnen hatten dies mit bösen Verletzungen bezahlen müssen. Darum hatte sich die Müllerin darauf verlegt, mit ihren Knechten das Areal zu bewachen und einen Boten nach Steinfelde um Verstärkung durch die Obrigkeit geschickt.

Die besagte Scheune stand am Rand einer Wiese und diente normalerweise als Unterschlupf für Weidetiere oder als Zwischenlager für den Ertrag der Heumahd in wenigen Wochen. Aus längst vom Wetter gebleichten Balken zusammengefügt und mit einem mittlerweile moosbewachsenen Dach verfügte das Gebäude über keine Fenster, sondern nur über eine kleine Luke hoch über der geschlossenen Tür. In etwas Abstand standen rings um die Scheune zu zweien oder zu dreien die Müllerin Janne Rundschläger und ihren breitschultrigen Gehilfen, allesamt mit Spießen, Haumessern oder Äxten bewehrt.

„Praios zum Gruße, Wohlgeboren!“, rief die rüstige Frau dem Ritter und seinem Gefolge entgegen, „Gut, dass ihr kommt.“

Praiodan erwiderte den Gruß und erkundigte sich ohne weitere Umschweife nach dem flüchtigen Raubritter.

„Er steckt immer noch da drin, Wohlgeboren. Ist gut aufgehoben, sozusagen. Aber reingehen und ihn rausholen, dazu sind mir meine Jungs und Mädels zu schade. Habens versucht, aber ohne Erfolg. Sind alles brave Kerls, aber gegen einen professionellen Kämpfer braucht es eben auch Leute, die sich damit auskennen.“

„Da habt ihr vollkommen Recht, Meisterin Rundschläger“, Praiodan winkte Odilbert und den beiden Waffenknechten und zu viert näherten sie sich mit gezogenen Waffen der Tür, „So, dann wollen wir uns den Vogel in seinem Käfig mal genauer ansehen“, tönte der Ritter, „Im Namen des Grafen von Hartsteen, macht auf!"

Als von drinnen kein Laut zu vernehmen war, bedeutete Praiodan dem Mann zu seiner Rechten, die Türe zu öffnen. Der drückte mit einer Hand dagegen und für einen Moment schien sie sich zu bewegen. Plötzlich schoss durch den Spalt zwischen zweien der groben Bretter eine Klinge vor und bohrte sich in die behandschuhte Hand des Kriegsmanns, der vor Überraschung und Schmerz aufschrie und laut fluchend von der Tür zurückwich.

„Kommt nur!“, hallte es dumpf von drinnen, „dies ist eure Pforte in die Niederhöllen. Ich werde jeden töten, der durch diese Türe tritt!“

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Texte der Hauptreihe:
K1. Der Unterschlupf eines Räubers
14. Per 1039 BF zur mittäglichen Rondrastunde
Der Unterschlupf eines Räubers

Kapitel 1

Rein oder raus
Autor: Steinfelde