Ein Stift zu Ehren des Göttlichen Nandus - Von hesinde- und phexgefälliger Kunst

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Kaiserstadt Gareth, Tempelhalle des Nanduststifts im Markt Südquartier, 03. Ingrimm 1035 BF

„Und hier Signora, seht ihr diese feinen Übergänge in den Schattierungen? Ich habe das Bild mit drei verschieden starken Lichtquellen konzipiert, hier oben die Herrin Hesinde als die hellste, deren Licht fällt – neben dem Dererund am unteren Bildrand – vor allem auf den göttlichen Nandus, der jedoch auch aus sich selbst heraus zu leuchten scheint. Das Gleich wiederholt sich dann bei Rohal dem Weisen. Seht ihr hier? Er wird von Nandus und Hesinde beleuchtet straht jedoch auch noch ganz schwach aus sich selbst heraus. Und seht ihr hier? Ja ich sehe schon eurem kundigen Auge ist es nicht entgangen, ja, sein Schein fällt vor allem auf das Mittelreich. Was sagt ihr? Grämen euch die vier zusätzlichen Monate immer noch?“

Das Lächeln des horasischen Malers entblößte seine makellos weißen Zähne.

„Meister Adriano, Ihr habt euch in der Tat selbst übertroffen! Wie könnte ich euch böse sein. Ich bin in der Tat sehr zu Frieden. Und euer Angebot, eure Gesellen in dieser Zeit die Salondecke ausmalen zulassen, war wirklich sehr entgegenkommend. Ich bin euch nicht Gram.“

Wenn es irgendwie möglich war, wurde das Lächeln des kusliker Malers noch breiter.

„Ich wusste, Signora Yelinda, wenn ihr mein Werk einmal in seiner ganzen Pracht gesehen habt, würdet ihr Verständnis haben. Ich erkenne eine würdige Mäzenin, wenn ich sie sehe! Ihr habt den richtigen Blick und das richtige Verständnis. Mehr noch als die Handwerkskunst des Künstlers ist es die Muse der göttlichen Beistandes die ein Werk zur Vollendung führt. Was sind da vier Monate. Ihr wolltet das Stift zum Erleuchtungs fest weihen, wie es scheint ist der Göttin das Reinigungsfest lieber...“

„Derartige Spekulationen wollen wir doch lieber der Geweihtenschaft überlassen, nicht wahr? Da fällt mir ein hat die Priorin eurem Werke schon ihren Segen gegeben?“

„Ja in der Tat ... sie war sehr angetan ... ehm und schließlich hat sie sich auch mit den Labyrinthen, die die Lehrlinge auf die Gangdecken malen sollten, zufrieden gezeigt. Es sind einfache Geschöpfe, Signora. Nehmt es ihnen nicht übel.

Die Priorin Esmeria Darando della Tenna hatte sich in den letzte Wochen zum Albtraum der armen Burschen entwickelt. Edorian musste schmunzeln. Er und die Horasierin hatten die Labyrinthe gemeinsam entworfen. Sie verbanden jede Tür des Stiftes miteinander - ein Sinnbild, dass hinter oder eben über den vordergründigen Wahrheiten, die der Mensch sah wenn er den weltlichen Dingen nachging, höhere und verschlungene Mysterien lagen. Nur wer seinen Blick von den derischen Dingen abwandte und seinen Blickwinkel änderte würde ihnen gewahr und es würde Zeit und Mühe brauchen bis er sie durchdrang. Die Welt hinter dem Offensichtlichen war komplex. Im Falle der besagten Labyrinthe, die sie versinnbildlichen sollten, sogar so komplex, dass selbst er teilweise in ihnen verloren ging, wenn er sich in ihre Betrachtung vertiefte - und er hatte sie entworfen. Die Lehringe waren wirklich nicht zu beneiden gewesen...

„... wie meint ihr das, für zwei Monde!“, die schrille Stimme Meister Adrianos riss Edorian aus seinen Gedanken. Das Lächeln auf dem Gesicht des Horasiers war verschwunden. „Ich habe einen halben Götterlauf für euch gearbeitet. Ich ... ich habe eine Meisterwerk geschaffen und meine Gesellen haben dazu noch kostenlos euren Salon ausgemalt – mit Fresken die kein garether Meister je zu schaffen vermocht hätte ... und jetzt ... und jetzt wollt ihr mir nur zwei Monde davon bezahlen ...das ... das ist infam!“

„Wenn ich mich recht erinnere habt ihr mir versprochen, die Arbeit in zwei Monaten zu vollenden. Wir haben vor geweihten Zeugen eine Abmachung geschlossen, in der ich euch und eurer gesamten Werkstatt dafür standesgemäße Kost und Logie zusicherte, dazu die benötigten Materialien und eine horrentes Honorar! Und ihr hab dies nicht eingehalten mein Herr! Ich habe dies hingenommen, habe auch vier weitere Monde, euer Zimmer im Seelander bezahlt – eine Unterkunft, wie sie sonst Adlinge bewohnen. Auch die Gaststättenrechnung und die Kost eurer Gesellen und Lehrlinge habe ich, ohne mit der Wimper zu zucken, weiter übernommen - vier weitere Monde, aber die werde ich euch nicht auch noch durch ein erhötes Honorar zusätzlich vergolden!“

Die Stimme seiner Mutter war schneidend und kalt geworden und ihre harte Miene brachte ihrern Gegenüber sichtlich aus der Fassung.

„Aber ... aber ich muss eine Mitarbeiter bezahlen und ich hatte Ausgaben...“

Edorian musterte den Horasier. In der Tat, als er nach Gareth gekommen war, hatte er Baumwolle und Loden getragen. Nun trug er er Samt und Seide. Es konnte nicht einfach gewesen sein einen Schneider zu finden, der sich auf horasische Hofmode verstand, selbst hier in Gareth und ganz sicher war er nicht billig gewesen.

„Seht mein Herr, ihr könnt gerne Versuchen euren vermeintlich rechtmäßigen Lohn einzuklagen“, schaltete sich Edorian nun in das Gespräch ein: „Doch ihr gehört nicht zur hiesigen Malerszunft und die Ingerimmskirche mag zunftlose Handwerker nicht wirklich gerne, hier werdet ihr keine Unterstützung finden. Verträge fallen in Gareth gewöhnlich in den Zuständigkeitsbereich der Phexkirche, sie nimmt sich auch Streitigkeiten an, aber davon würde ich euch eher abraten. Meine Mutter hat Kontakte zu den Geweihten. Da ein solcher Vertrag, durchaus auch als Eid verstanden werden kann, könntet ihr euch an die Praioskirche wenden und versuchen sie von eurer Deutung der Abmachung zu überzeugen. Man steht uns dort nicht übermäßig wohlwollend gegenüber, aber Horasier mögen die hiesigen Geweihten im Allgemeinen auch nicht, sie sind sehr reichstreu, versteht ihr. Schluss endlich gibt es noch die ordentlichen Gerichte. Ihr könntet euch etwa an die Gerichtsbarkeit der Raulsmark wenden - sehr unvoreingenommen. Da frage ich mich, seid ihr mit dem Prinzip der 'ehrunge' vertraut? Sich ohne Kontakte Gehör zu verschaffen kann nämlich sehr teurer werden, versteht ihr...“

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3. Ing 1035 BF
Von hesinde- und phexgefälliger Kunst
Getane Arbeit

Kapitel 8

Eine weitere Verlaubarung
Autor: Benutzer: Kristofer