Ein Stein im Nebel - Der Flug der Greifin

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Reichsstadt Greifenfurt, Peraine 1034 BF

Nach wenigen Tagen hatte sie Greifenfurt erreicht. In einem kleinen Vorauskommando waren Ardo, Anselm und Urion in die Stadt geritten und hatte die Lage sondiert. Schnell hatte man Kontakt zu Reto aufgenommen und die Kontrolle über die Stadtwache erlangt. Dabei kam den dreien der Umstand zu Gute, dass Ardo einige Jahre in Greifenfurt seinen Dienst versehen hatte. Die wenigen märkischen Truppen, ein Banner Infanterie und ein Banner Stadtmiliz waren schnell für die Sache der Greifin gewonnen. Der Einmarsch der Truppen erfolgte ohne größere Probleme. Die Stadtbewohner begrüßten ihre Herrscherin derart überschwänglich, dass auch der leise Protest des Rates der Stadt ob der Einquartierungen verhallte.

Sofort setzte Urion eine weitere Sicherung ein. Seine leichte Reiterei wurde ausgesandt etwaige Melder und Spione Tilldans abzufangen. Ebenso sandte er einen Reiter aus, der die Kressenburger Truppen heranführte.

Am Abend desselben Tages erreichte ein völlig erschöpfter Bernhelm die Reichstadt an der Breite und meldete, dass der Fürst des Kosch ebenso Hilfe gesandt hatte. Nur leider würden die beiden Banner schweres Fußvolk nicht rechtzeitig eintreffen. So entschieden Reto und Urion diese als Entsatz für die benötigten märkischen Truppen zu nutzen. Freudig wurde die Nachricht aufgenommen, dass der Graf von Ferdok bereits in wenigen Stunden mit einer Hand voll Ritter eintreffen würde.

Die Greifin zog sich nach dem Eintreffen Graf Growins mit diesem und den beiden Heermeistern zu Beratungen zurück.

Mitten in der Nacht weckte ein Soldat den Rittmeister. „Herr, die Wachen am Andergaster Tor haben gemeldet, dass dort eine Frau um Einlass gebeten hat. Sie gibt sich als Magistra von Reiffenberg aus, ist aber mit einfacher Reisekleidung gekleidet. Was sollen wir tun?“ „Gut Wulfhardt, eile zum Tor. Die Frau soll in die Schreibstube eskortiert werden. Und weckt den Heermeister und bittet ihn in die Schreibstube.“

Kaum hatte Urion sich angekleidet und den Weg zur Schreibstube zurückgelegt, öffnete sich die Tür und seine Schwester sowie Reto von Schattenstein betraten nahezu zeitgleich den Raum. „Eure Sicherheitsvorkehrungen müsst Ihr noch verbessern.“ sagte sie und legte eine tote blutverschmierte Taube auf den Kartentisch, an dem Reto bereits Platz genommen hatte. Am Fuß der Taube war ein kleines Röhrchen angebracht. Meran schwenkte einen kleinen Zettel in der Hand und grinste: „Für den lieben Tilldan, soll ich es vorlesen?“

Urion grummelte etwas unverständliches und bot Meran einen Stuhl. Diese nahm Platz und reichte ihm den Zettel. Er las laut:

„S1273“ „Werter T., I. ist in G. sammelt Truppen, bisher ca. 450, koscher Graf dabei. R. wieder eingesetzt. Von E. keine Spur. I. wird vermutlich morgen nach O marschieren.

S.“

„Tja Brüderchen, sei froh, dass ich sie abgefangen haben. Sie flog zu zielstrebig. Ich habe sie eine Weile verfolgt. Als ich das Ziel erkannte, machte ich ihr ein Ende. So ist Tilldan hoffentlich noch ein paar Tage ahnungslos.“

Reto von Schattenstein pfiff leise durch die Zähne und nahm den Zettel an sich. Er wollte lieber nicht wissen, was diese Magierin getan hatte um der Taube „folgen“ zu können und hoffte, dass dies die einzige Brieftaube war. „Werte Magistra, habt Dank, doch nun berichtet von euren Erkenntnissen,“ sagte er in ganz formalem Tonfall.

Meran wandte sich dem alten Kämpen zu. „Nun, ich bin seid einer Woche unterwegs. Meine Quellen haben mich bis in die Baronie Hasenfeld geschickt, wo ich sehr schnell die Spur des Verräters aufnahm. Sie führte mich zu einem Lager in den er seine Truppen sammelt. Der kleine Prinz und der oberste Praiosgeweihte der Mark sind auch bei ihm. Das ist auch der Grund warum ich mich dem Lager nicht nähern konnte. Es scheint, dass er noch auf die letzten Reste wartet, um dann loszuschlagen. Ich habe die Banner vieler Baronien gesehen. Er hat sie alle auf seiner Seite. Was ich erkennen konnte waren mindestens vier Banner gut gerüstete Infanterie. Dazu kommen noch acht Banner Landwehr, die Ritter und zwei Banner Grenzreiter. Schützen habe ich keine gesehen, aber das heißt nicht, dass er nicht doch welche hat. Zwar konnten seine Späher mich nicht aufklären, aber sie sind gut aufgestellt und wachsam.“

Reto erhob sich und nickte: “Dann haben wir endlich Klarheit. Tilldan, dafür sollst du in den Niederhöllen schmoren.“ Wütend hieb er auf den Tisch, so dass der tote Körper des Vogels ein Stück abhob. „Urion, wir werden morgen in aller Frühe die Greifin ins Bild setzen. Zuvor sorgt ihr noch dafür, dass die Posten auf der Mauer mit Bögen bewaffnet werden. Ich gehe davon aus, dass der Spion noch weitere Tauben schickt. Wir werden es nicht ganz verhindern, aber jede Stunde zählt.“ Urion nickte stumm und verschwand.

Reto griff neben sich in ein Kartenfass. Er zog jene Karte heraus, auf der er all die Monate seiner Demission die Informationen zur Lage der Märkischen Wehr eingetragen und aktualisiert hatte. Dann bat er Meran ihm so genau wie möglich die Orte zu zeigen, an denen sie ihre Beobachtungen gemacht hatte.

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Die Reichsstadt an der Breite hatte sich über Nacht in ein Heerlager verwandelt. Zu den schon vorhandenen Truppen, welche die Adeligen in den südwestlichen Baronien aufgestellt hatten, kamen noch zusätzliche Kämpfer aus der Stadt hinzu. Auch die in Greifenfurt befindlichen Bannstrahler unter Führung ihres Obersten Nazar schlossen sich dem Heerbann der Greifin an.

Bereits am folgenden Tage machte sich das Heer der Greifin auf den Marsch dem Verräter entgegen. Reto von Schattenstein der neben der Greifin an der Spitze der Kolonne ritt hatte mit dem Rittmeister der Mark bereits für den Marsch eine geeignete Gefechtsformation gewählt, sollte ihnen der Verräter entgegeneilen. Doch die Lage blieb ruhig. Auch die Magisterin brachte keine neuen Nachrichten, als sie kurz hinter Orkenwall wieder auf die Truppen traf. Tilldan hatte bisher keine Anstalten gemacht, das Lager abzubrechen. Nach ihren Beobachtungen waren weitere Truppen eingetroffen. Am nächsten Tag erreichten die Getreuen schlechte Nachrichten der eigenen Späher, die von einer Patrouille Grenzreiter aufgeklärt worden waren. Nun war jede Form der Geheimhaltung überflüssig geworden und die leichten Reiter wurden von der schweren Reiterei abgelöst.

Zur Überraschung aller, stieß das Herr ostwärts der Reichsstadt Eslamsroden auf zwei Ritter, welche sich als Vorhut der Baronin Thargrîn von Arpitz zu Lodenbach ausgaben. Nachdem die Truppen heran marschiert waren, traf auch die Baronin mit einer Schar Streiter ein und leistete der Greifin den Treueeid. Dass Tilldan sie für seine Zwecke benutzt hatte, hatte sie erst nach einem feigen Attentat festgestellt.

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Der von den Streitern bereits „Garafanbund“ genannte Heerbann marschierte nun in zwei Eilmärschen bis Reichsweg. Dort bezog man ein Heerlager, um die Truppen einen Tag ruhen zu lassen, bevor der letzte Abschnitt des Weges bis zum Heerlager des Verräters absolviert werden sollte. Am späten Nachmittag des Tages traf zur große Freude der Greifin ihr Gemahl Prinz Edelbrecht mit einem Gefolge von Weidener Rittern und Waffenknechten auf die Märkischen Truppen. Am nächsten Tag zog man gen Praios in die Schlacht am Stein.