Ein Kressenburger Sommer - Druidenjagd

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Dramatis Personae:

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Baronie Kressenburg

Es war eine mehr als merkwürdig zusammen gewürfelte Gruppe, die am Rande des Kieselbronner Forstes stand und in der Mittagssonne gebannt auf den Waldrand blickte. Neben dem jungen Baron Ardo von Keilholtz wartete der Prätor des Kressenburger Praios-Tempels, Badilak von Praiostann. Zu seiner Linken hatte sich die Magerin Siglinde postiert. Bei ihr standen ihr Bruder Balduin mit einem halben Dutzend mit kurzen Jagdbögen bewaffneten Waffenknechten. Die junge Mechthild hielt sich mit den Pferden im Hintergrund. Mit Stolz trug sie das neue Kurzschwert das ihre Großmutter ihr geschenkt hatte als sie vor ein paar Wochen als Knappin in den Dienst des Barons getreten war und um dessen Knauf sich ihre Hand nun vor Aufregung verkrampfte.

Plötzlich drangen Stimmen aus dem Wald. Das Geschrei der Treiber wurde lauter und auch das Bellen der Jagdhunde war zu vernehmen. Sie klangen aufgeregt. Ohne Zweifel hatte ihr Plan Erfolg gehabt. Der Baron zog sein Schwert, während Ritter Balduin die Bogenschützen in Stellung brachte. Das erste Wild was sie sahen waren ein paar verschreckte Hasen die in alle Richtungen davon stoben, als sie die wartenden Menschen erkannten. Auch ein Fuchs und wohl ein halbes Dutzend Fasane stoben davon, ohne behelligt zu werden. Die Stimmen der Treiber wurden lauter und schließlich sahen die Wartenden ihre ersehnte Beute. Aus dem Unterholz brach ein riesiger Braunbär hervor. In seinem zottigen Fell hatten sich Kletten und Zweige verfangen. Er war noch keine drei Schritt hervor, da sprang von der Seite einer der Wolfshunde aus der Meute hervor und verbiss sich in die Schulter des Bären. Wütend richtet der sich auf und schleuderte den Hund mit einem Hieb seiner mächtigen Tatze davon. Reglos blieb das Tier liegen, derweil sich der Bär umzublicken schien. Er sah die wartenden Schützen und erkannte die Falle die sie ihm gestellt hatten. Wütend wandte der Bär sich wieder dem Wald zu, musste jedoch schon im nächsten Moment in der Bewegung inne halten, um nicht in den Jagdspieß zu laufen den ihm plötzlich ein junger Krieger entgegen hielt. Die restlichen Treiber waren noch weit zurück im Wald und dieser hier hatte offensichtlich vor ihn in Richtung der wartenden Waffenknechte zu lenken. Immer wieder zuckte der Speer nach vor und zwang dem Bär eine gänzlich ungewollte Richtung auf.

„Worauf wartet ihr Ritter Balduin? Das Ziel ist groß und breit und gut zu sehen. Gebt endlich den Befehl!“ Badilaks Tonfall war schneidend, denn das Zögern des Ritters brachte ihn in Rage.

Dieser war deutlich in Verlegenheit. „Aber Euer Gnaden! Mein Sohn steht viel zu nahe dran! So wie sie sich bewegen, kann er jeden Augenblick ins Schussfeld geraten.“

„Ich bin nicht an Euren Ausreden interessiert! Ich will diesen Scharlatan erledigt sehen und mir ist egal wie. Wenn Euer Balg uns im Wege steht, hat es eben Pech gehabt. Also gebt den Befehl bevor ich es tue!“

„Euer Gnaden?“ Vorsichtig meldete sich die Magierin zu Wort. „Wenn Ihr es erlauben würdet, könnte ich das erledigen. Ich müsste Sebulon nicht in Gefahr bringen um den...“

„Nichts da!“ Badilak schnitt ihr mit einer herrischen Geste das Wort ab. „Ihr seid hier um mich und den Baron vor der Magie dieser Missgeburt zu beschützen. Ich werde nicht zulassen, dass Ihr euch für etwas anderes verausgabt als zu unserem Schutz.“

Hilfe suchend blickten die Kieselholmer zum Baron. Ardo war deutlich unwohl in seiner Haut. Er wäre das Risiko für sich gerne eingegangen, wenn Siglinde dem tapferen jungen Ritter damit hätte helfen und den Spuk beenden können. Doch Prätor Badilak hatte deutlich zum Ausdruck gebracht was er wollte. Entschuldigend hob er die Schultern. „Wir machen es so wie Ihro Gnaden es verlangt. Balduin, nimm dir drei Männer und sucht euch eine bessere Schussposition. Die anderen sollen hier bei uns warten ob uns der zweite auch ins Netz gegangen ist.“

Unwirsch gab Ritter Balduin seinen Leuten einen Wink und lief mit ihnen ein Stück weiter zur Seite, seinen sorgenvollen Blick immer auf seinen Sohn gerichtet, der den Bären noch immer in Schach hielt. Von den restlichen Treibern war noch immer keine Spur zu sehen, auch wenn man sie im Wald weiter rufen hörte.

Sebulon indes spürte, dass er langsam Probleme bekam. Sicherlich wich der Bär immer weiter vor ihm zurück. Nur ab und an schoss eine der großen Pranken hervor, doch konnte er bisher allem ausweichen. Doch er schaffte es nicht das Untier von den Bäumen wegzulotsen. Stattdessen zog es sich langsam aber sicher wieder ins Unterholz zurück. Das musste um jeden Preis verhindert werden, sonst wäre die Jagd umsonst gewesen und ein zweites Mal würde der Trick mit der vorgetäuschten Wildschweinjagd wohl kaum funktionieren. Entschlossen sprang er zur Seite um dem Bären den Weg in die nächsten Büsche zu versperren. Er spürte die dornigen Brombeerranken an seinen Waden, doch ließ er sich davon nicht beirren und hielt den Blick fest auf sein Ziel gerichtet. Der Bär wich erneut vor der zuckenden Metallspitze zurück und einen Moment schien es Sebulon, als wolle sich das Tier wirklich in Richtung der Bogenschützen zur Flucht wenden. Als er ihm nachsetzen wollte, merkte der junge Ritter plötzlich, dass er kaum vom Fleck kam. Seine Füße waren hoffnungslos ihm Brombeergestrüpp verheddert und irgendwie hatte sich auch eine Ranke an seinen Unterarm verirrt. Wie konnte es nur sein, dass er so vollkommen von dem Gestrüpp umringt schien. Kraftvoll riss er seinen Arm los, Die Dornen zerrissen den Ärmel seines Hemdes und stachen mühelos durch Stoff und Haut. Für einen Moment machte er den Fehler und ließ den Bären aus den Augen. Mit einem Mal stand dieser aufgerichtet vor ihm. Sebulon sah die Pranke kommen. Noch bevor er sich wundern konnte, wieso sein Speer mit einem Mal mit dem Strauchwerk verwachsen zu sein schien, fühlte er einen heftigen Schmerz an seiner Schläfe. Dass er mitten in die dornigen Brombeerranken geschleudert wurden, spürte er hingegen nicht mehr.

„Schießt!“ Laut hallte der Ruf Balduins über die Lichtung. Hoch aufgerichtet bot der Bär ein nicht zu verfehlendes Ziel. Und wirklich fanden nur Augenblicke später ein halbes Dutzend Pfeile ihr Ziel in Rücken und Flanke des Bären. Brüllend warf dieser sich herum. Doch die Quelle seiner Pein war zu weit entfernt um sie noch zu erreichen. Einige schwankende Schritte lang hielt er sich aufrecht, schrie seine Wut und seinen Schmerz hinaus in die Welt und brach schließlich taumelnd zusammen. Mit vor Schrecken geweiteten Augen sahen die Schützen wie das Tier zu schrumpfen schien. War es eben noch dreieinhalb Schritt groß gewesen, so blieb davon kaum die Hälfte und das Fell des massigen Tieres schien plötzlich um ein knochiges Skelett zu schlottern.

Als Ardo schließlich zusammen mit dem Prätor und der Magierin zu der Gruppe stieß, öffnete sich ihnen sofort der kleine Kreis den die Schützen um die reglose Gestalt gebildet hatten. Sie sahen einen verwahrlosten Mann mittleren Alters. Seine braunen Haare und der struppige Bart waren mit den ersten grauen Strähnen durchzogen. Seine Kleidung bestand zur Gänze aus diversen Tierfellen und als Umhang trug er ein großes Bärenfell, dessen Schädel wie eine Kapuze auf seinem Kopf lag. Die Pfeile hatten den Umhang durchschlagen und fixierten das Bärenfell nun wie eine zweite Haut an dem Mann. Trotz der tiefen Wunden atmete er noch. Sein Blick ging gehetzt von Einem zum Anderen und bei jedem seiner mühsamen Atemzüge quoll Blut aus seinem Mund. Ritter Balduin stand bewegungslos über dem Mann, das Schwert in der Hand, und Tränen rannen ihm über die Wangen.

„Sebulon?“ Siglindes Stimme war kaum mehr als ein Hauch als sie in der bleiche Gesicht ihres Bruders schaute.

Dieser jedoch sah zu Badilak und Zorn mischte sich in seine Trauer. „Mein Sohn... ist tot. Er... er könnte noch leben, wenn Ihr meine Schwester hättet helfen lassen. Warum habt Ihr das getan? Sagt es mir! Warum musste er sterben? Weil er ein Kieselholm war? Antwortet mir Praiostann! Warum?“

„Ihr vergesst Euch Ritter Balduin. Vergesst nicht wen ihr vor Euch habt! Aber ich will Euch wegen Eurer Trauer Eure unbedachten Worte verzeihen. Dieses eine Mal. Und jetzt macht dem hier ein Ende.“

Langsam wandte sich Badilak ab und schritt in Richtung der Pferde davon. Nach ein paar Schritten vernahm er das Geräusch eines Schwertes das die Luft zerteilt und gleich darauf das Knirschen eines gespaltenen Schädels. Ritter Balduins Schluchzen verfolgte ihn bis er bei der Knappin Mechthild und den Pferden angekommen war. Er brauchte dem Mädchen nichts sagen. Ihre feindselige Miene verriet ihm, dass sie alles mitbekommen hatte. Wortlos nahm er sein Gebetsbuch aus der Satteltasche und ging ein paar Schritte beiseite um einige Worte für den jungen Ritter zu sprechen. Ordnung und Gerechtigkeit forderten zuweilen Opfer. So unnötig sie dem einfachen Geist auch erscheinen mochten, waren sie doch nie umsonst.