Ein Held kehrt Heim - Rashid von Rabenstock

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Baronie Brendiltal, Zeltlager um Gut Besh hassal Ammay shar (Haus des Herrn der Pferde) herum

Dramatis Personae

Das Zeltlager um das Gut von Eslam von Brendiltal nahm immer größere Ausmaße an und immer mehr Gäste von nah und fern trafen ein um an den Trauerfeierlichkeiten teilzunehmen. Die teils barbarischen Bräuche und Riten waren für Lyn zwar recht verwirrend und auch unverständlich, doch ließ sie sich davon nichts anmerken. Sie respektierte die Riten von Ra’ouls Volk, wusste sie doch, dass dies ihm ebenso wichtig gewesen war. Stark wie ein Fels in der Brandung war sie tagsüber fast immer im Lager präsent. Nur in den frühen Morgen- und Abendstunden war sie bei dem Leichnam ihres Gemahls um die Totenwache zu halten. Es war nun schon der dritte Tag nach ihrer Ankunft in Brendiltal als sie ihre Schritte ohne genaues Ziel durch das Lager führten.

Plötzlich traf sie auf den Feshavener Krieger Rashid, der mit nacktem, geschundenen Oberkörper an einer Standarte stand, an der ein weißes Banner wehte auf das weiße, nebachotische Muster gestickt waren, und dort anscheinend Wache hielt. Als er sie erblickte, konnte Lyn kurz Unsicherheit in seinen Augen erkennen. Dann grüßte er sie aber mit einem archaisch klingenden Laut. Sie wusste dass dieser Laut Teil der vielen Rituale waren, die zu einer Totenzeremonie gehörten.

Sie erwiderte stark und standhaft seinen Blick und ging auf ihn zu. Al’Arik hatte natürlich der Etikette entsprechend ihr seine Aufwartung gemacht, doch hatte sie in den vergangenen Tagen noch keine Gelegenheit gehabt mit seinem Krieger zu reden. Fest war ihre Stimme als sie ihm respektvoll zunickte und dann ansprach „Rash'ijd han Rab'a Enock - es ist mir eine Freude und Ehre Euch hier zu sehen.“

Rashid verbeugte sich. "Mar'olum, äs iszt auch mir ainä Ähre." Dann schaute er sich beinahe phexisch um, als würde er Ausschau halten und sprach dann weiter: "Main Bluth fir Eiren Gemahl." Er nahm sich seinen Krummdolch und ritzte sich eine weitere Wunde in den Körper, aus der sofort Blut austrat und seinen Körper benetzte.

Lyn musste stark an sich halten um Rashid nicht Einhalt zu gebieten ehe sein Dolch seine Haut ritzte. Sie hatte mittlerweile akzeptiert, dass um sie herum überall Blut vergossen wurde, doch so richtig daran gewöhnt hatte sie sich noch immer nicht. Rashid kann in ihren Augen für einen kleinen Moment Ungläubigkeit erkennen, ehe sie sich wieder fängt und erwidert „Habt Dank, er würde es zu schätzen wissen.“

Der angesprochene nickte, zögerte und machte Anstalten der Baroness seinen Dolch hinüber zu reichen. Konnte sich aber nicht recht durchringen. "Ihr värgieszt kain Bluth, Mar'olum?", brachte er letztlich vorsichtig hervor. (Große Ehre, Rashid nimmt sie als große Kriegerin wahr)

„Nein…“ entgegnete sie fest, durchaus wissend, welch Ehre er ihr entgegenbrachte. „… in meinem Volk ehren wir die Toten auf andere Weise. Ich weiß, wie wichtig es für Ra’ouls Volk, für Euch, ist, ihm mit Eurem Blut Stärke auf seinem letzten Weg mitzugeben. Doch ist er für mein Volk gestorben und so ehre ich ihn auf meine Weise.“

Rashid steckte den Dolch wieder weg. Er nickte. "Darf ich frai sprächän?"

„Das durftet ihr bisher mir gegenüber immer und daran hat sich nichts geändert.“ Sie sah ihn fragend und abwartend an. "Guth.", Rashid wirkte erleichtert. "In anbätracht där Situ'Ation klinghth diä Fragä viellaicht lächärlich, doch kommth siä von Herszen und von ainem ... Freind: Wiä gätth äs Eich?"

Lyn war über die Frage sehr verwirrt, war er doch der Erste, der sich seit ihrer Ankunft für ihr Befinden interessierte. Ihre Stimme war auch dementsprechend leicht belegt als sie antwortete „Ich fühle die Leere in mir, doch bin ich mit den Göttern und meiner Heimat im Reinen.“

"Guth.", entgegnete Rashid erneut. "Das freit mich szu heren. Abär ich habä auch nichts andäres erwartet, Mar'olum, Ihr said aine wahrä Achmad'sunni. Nur där Schwachä hadärt mith dän Gettärn. Trotszdäm war ich beszorgt. Allä sind beszorgt, ain großär Mann iszt von unsz gägangän, Eirer Mann. Und nur diä Gettär wissän wieso. Villaicht braouchän siä ihn an ainäm andärän Orth." Die Worte Rashids ließen sie wieder einmal mehr dankbar darüber sein, dass Ra’oul in Albernia gefallen war und nicht hier. Dort hatte sie ihren Schmerz zeigen dürfen, ohne dass es als Schwäche ausgelegt worden war. Dort hatte sie trauern und ihren Tränen freien Lauf lassen dürfen.

Ein leicht wehmütiger Zug zeigte sich deshalb auf ihrem Gesicht als sie antwortet „Ja, nur die Götter wissen, weshalb sie ihn dazu auserwählt haben, dieses Opfer zu bringen. Aber er wusste, wofür er starb und mir war es vergönnt, bei seinem letzten Kampf bei ihm zu sein.“

Wieder nickte Rashid, er hatte in den letzten Tagen viele Gerüchte über den Umstand des Todes Ra’ouls gehört. Von dunklen Wesen aus fremden Welten war dort die Rede gewesen, die die Hälfte der hohen Hohen Familien Al’Bernias gegen Ra’oul aufgebracht hatten und er als einziger fähig genug war sich dem entgegenzustellen und die schwarze Brut zurück zu kämpfen. Und er letztlich als Held dort, in der Fremde, gestorben sei. Das war eine von vielen Versionen, die Rashid gehört hatte. Er wusste es nicht genau, aber daran dass die Götter Ra’oul dort ausgewählt hatten gab es keinen Zweifel. „Är kämpfte wail äs saine Bestimmungh war, alsz Ammayin und alsz Nebachosja. Äsz ist guth wänn ainem ain Ab’schiedt värgönnth iszt, däswägen sind siä auch allä hier.“, sagte Rashid und machte eine bedeutdungsvolle, ein halbrund beschreibende Geste in über das Lager. „Abär wasz iszt nun mit Eich? Ihr wärdet doch wohl hiär blaiben, odär? Wiä soll äs waitär gehän?“ Er sah ihr tief in die Augen, die Unergründlichkeit seines Blicks überraschte Lyn, waren die meisten Nebachoten doch eher mit scharfen, klaren Blick ausgestattet.

Lyn blickte ihn ebenso an und er konnte in ihren Augen den Schmerz und auch die Angst vor dem was die Zukunft bringen würde lesen, konträr zu der Stärke und der Kraft die ihre Haltung ausstrahlte. Sie lächelte leicht, doch lag auch darin Wehmut „Wisst ihr eigentlich, wie oft mir diese Frage danach in meiner Heimat gestellt worden ist? Und wie viele meiner Freunde hofften, dass ich zurückkehren würde?“ Rashid entging bei ihren Worten nicht, dass sie dabei ihre Familie nicht erwähnte. „ Ja, ich werde hier bleiben. Simold hat mir eine Aufgabe übergeben und ich stehe stets zu den Worten die ich gab. Hier ist die Heimat meiner Kinder. Sie sollen hier auf Besh hassal ammay shar aufwachsen und Eslam selbst wird Caihyn ausbilden. Auf dass er einst in die Fußstapfen seines Vaters treten kann.“ Als sie ihren Sohn erwähnte wurde ihr Blick ein wenig dunkel und sorgenvoll. „Ich hoffe, dass auch er eines Tages verstehen kann, wofür Ra’oul sich opferte und freiwillig sein Leben gab.“

Rashid lächelte und gab seine Antwort mit der Sicherheit und Ruhe eines Berges: „Dasz wird är, Mar’olum. Där Marben wird ihm ain guthär Män’thor sain und irgändwann wird är verstähen, dänn in ihm fließt dasz Bluth und där Gaisth starkär Pärsön’lichkaiten. Äs braucht Zaith. Und ich freie mich daribär, dasz ihr Eire Aufgabä hier trotszdäm an’erkännth. Wiä ich äs Eich schon damals in Fez’hava sagtä wärde ich Eich szo guth äs gähtt und äs maine Auf’gabän szulassän szur Szaithä stehän.“ Dabei fuhr er beinahe sanft mit dem Blick über die Standarte die halb zwischen ihm und der Baroness stand und faste Lyn dann mit seinem festen Blick.

„Und dafür danke ich Euch, mein Freund.“ Fest blickte sie ihm in die Augen und neben Dankbarkeit war auch Respekt darin zu lesen. „Dies hier…“ sie deutete mit einer Kopfbewegung auf das Lager und das Gut im allgemeinen „mag zwar nicht meine Heimat sein, aber es ist mein zu Hause. Ich habe vor, meine Aufgaben genauso zu erfüllen, als weilte Ra’oul noch an meiner Seite und es tut gut, einen Freund an meiner Seite zu wissen.“

Der Nebachote hob zum kriegerischen Gruß an, machte dann aber eine Wendung und legte Lyn seine Faust auf die Schulter, etwas Blut tropfte dabei auf ihre Kleidung. Er wollte noch etwas sagen doch unterbrach er dies und zog seine Faust zurück als einige seiner Kameraden um die Ecke bogen, ebenfalls mit nacktem, blutigem Oberkörper. Doch lächelte Rashid ruhig und deutete Lyn ein Nicken an. Auf ihn konnte sie sich in Zukunft wirklich verlassen, das spürte sie und das ließ sie für einen Moment ihre Trauer in Inneren vergessen. Sie nickte zurück und ging weiter ihres Weges.