Eichen fallen – Morsches Holz

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Gut Menzelsweiler, Baronie Vierok, Anfang Rondra 1038 BF:

Cordovan saß in seinem weich gepolsterten Sessel und starrte in das Halbdunkel des Raumes. Der Sessel neben ihm war schon seit Jahren verwaist. Seit dem Tod seiner Gemahlin verbrachte der Edle von Menzelsweiler seine Abende allein. Ein Umstand, der dem übergewichtigen Edlen nicht weiter zu stören schien. So war es wenigsten ruhig. Hermine hatte diese Angewohnheit gehabt, unentwegt zu reden. Über das Wetter, das Essen, ihre Kinder. Palaver, Palaver, Palaver. Als sie eines abends schwer gestürzt war und mit ihrem Leben rang, holte er nicht etwa einen Heiler. Nein, er wartete bis die Alte ihr Leben ausgehaucht hatte und genoss fortan die Stille. Seit dem hatte Cordovan keinen Tempel mehr aufgesucht, denn freilich war sein Tun, oder besser nicht Tun, ein Frevel, da war er sich sicher. Aber es hatte ihn befreit. Kein Schwafeln mehr über ihre missratenen Kinder.

Zwei seiner drei Kinder waren ebenfalls bereits tot. Die beiden Söhne starben vor einem Götterlauf in Perricum. Beide wurden ermordet. Er konnte sie eh nie leiden. Sie waren die reinste Enttäuschung gewesen. Seine verbliebene Tochter hatte nun mehr in die Familie Königslinden eingeheiratet und verschwand damit in der Bedeutungslosigkeit. Seinen Enkel hatte Cordovan noch nie zu Gesicht bekommen. Er hatte auch kein Interesse an dem Balg. Nur lästig und laut. Cordovan liebte doch die Ruhe.

Stellten die Vieroks zu Kaiser Hals Zeiten nicht nur den einzigen Baron in der Kaisermark, sondern auch deren Markvogt, hatte die Familie nun viel an Einfluss eingebüßt. Der Blutzoll war hoch. Barnhold, Jahom, Caradan samt Gemahlin und Kinder, sowie Celnidan. Allesamt wurden in den letzten Jahren weit vor ihrer Zeit zu Boron geschickt. Ein Borondienst folgte dem nächsten. Cordovan blieb allen fern. Er hatte kein Interesse daran. Genauso wenige wie er Interesse an denen zu ihren Lebzeiten hatte. Allesamt missraten, verzogen – kurzum eine Enttäuschung.

Seinen Vetter Irian, das Familienoberhaupt nahm er da nicht aus. Er hatte es nicht vermocht, die Machtposition der Familie zu nutzen, ganz im Gegenteil, die Vieroks waren isoliert wie nie. Und er, Cordovan, versauerte auf seinem Edlengut. Da half auch die neuerliche Eheschließung zwischen Irians Enkelin Berdina und Orlan von Weyringhaus nichts. Die Feinde, allen voran die Borstenfelds, hatten sich bereits in Stellung gebracht.

Ein Diener betrat den Raum. Es war Zeit für Cordovan sein Schlafgemach aufzusuchen. Langsam und behäbig schleppte sich der übergewichtige Edle die Treppenstufen ins Obergeschoss hinauf. Im Schlafgemach angekommen, entkleidete der Diener den alten Mann und half ihm ins Bett. Nun fehlte nur noch der allabendliche Nachttrunk und so entfernte sich der Diener schnellen Schrittes um diesen zu servieren. Als dieser nach der sonst üblichen Wartezeit nicht wieder erschien, läutete Cordovan ungeduldig an der Glocke an seinem Bett. Dieses nichtsnutzige Pack, noch nicht einmal die einfachsten Sachen konnten die erledigen. Fluchend rollte sich der Alte aus dem Bett, trat aus seinem Schlafgemach in den breiten Flur und schrie lauthals pöbelnd nach der Dienerschaft. Doch niemand kam. An der Treppe angekommen, sorgte ein wohl platzierter Stoß von hinten dass der Alte das Gleichgewicht verlor. Mit schrillem Geschrei polterte der unförmige Haufen Fleisch die Treppe hinunter und blieb regungslos am Boden liegen. Nun herrschte wieder die von Cordovan so geliebte Stille. Ewige Stille.

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13. Ron 1038 BF zur nächtlichen Ingerimmstunde
Morsches Holz
Bäumchen, wechsle dich

Kapitel 4

Das Gemälde
Autor: Bega