Drei angehende Salonlöwen - Elenvina bei Nacht

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Herzogtum Nordmarken,Stadt Elenvina, Haus des Kanzleirates Wolfaran von Ochs

Alrik Herdan stand vorm Spiegel und machte sich für den Abend zurecht. Heute war sein großer Tag, denn er hatte seinen Ritterschlag von seinem Schwertvater erhalten.

Wie die Zeit vergeht, dachte er. Im Praios 1035 BF begann er seine Knappschaft bei dem Schlunder Ritter. Zuerst gingen sie auf Reisen für die Kaiserliche Zahlmeisterin, seine Verwandte Elea von Ruchin, das schien wesentlich aufregender, als die folgenden Jahre in Elenvina.

Er weiß noch, am Anfang träumten er und Arnbrecht, der zweite Knappe von Wolfaran, von ruhmreichen und rondragefälligen Taten, auf dass die Geschichtsschreiber sie in den Annalen verewigen würden. Oh ja, auch schein Schwertvater wollte hoch auf dem Ross sitzend über die Schlachtfelder reiten. Aber wie so oft, durchkreuzten höhere Interessen, das Wohl und die Wünsche eines Einzelnen.

Und so kam der Tag, als sie zusammen nach Elenvina abberufen wurden. Hin zu den verstaubten Stuben der Reichsverwaltung. Noch heute erinnert er sich an das Streitgespräch Wolfarans mit seinem Vater. Arnbrecht und er spielten Mäuschen und horchten vom Flur aus. Wenn Ochsen streiten, dann auch richtig.

Wolfaran tat ihm fast ein wenig leid. Seine einzige Aufgabe bestand darin am Leben zu bleiben und Erben zu zeugen. Sehr tsagefällig, aber das Herz eines Ritters drängt darauf Rondras Taten auszuüben.

Die Amtsstuben hier mögen zwar verstaubt sein, doch zum Glück wusste sein Schwertvater das Beste aus der Misere zu machen. Sie freundeten sich mit den Zwergen aus der Reichsverwaltung an. Dadurch, dass Wolfaran fließend Rogolan spricht, war es ein Einfaches. Selbst er und Arnbrecht beherrschen mittlerweile die Zwergensprache und beschränken sich nicht nur auf den Ausruf Baroschem.

Alrik Herdan knöpfte sein Hemd zu und posierte wahrlich vor dem Spiegel. Ach, waren das schöne feuchtfröhliche Abende. Er konnte nun blind alle möglichen Biersorten erkennen. Ob Ferdoker, Schlunder Wiesenschlösschen, Angbarer Dunkel oder Uslenrieder Rotbier. Alles kein Problem.

Aber nicht nur an die feuchtfröhlichen Abende hatte er gute Erinnerungen. Wolfaran wusste wahrlich, wie man anständig feiert – mit Wein, Weib und Gesang. Vielleicht sollte ein Schwertvater die Prioritäten auf andere Schwerpunkte legen, aber was soll's, die Knappschaft war das Schönste was ihm passieren konnte.

Er hatte so viele Schicksalsschläge zu verkraften, dass er nicht mehr wusste, wie sein Leben lebenswert werden sollte. Mit seiner offenen und herzlichen Art nahm ihm sein Schwertvater all diese Sorgen.

Eigentlich sind Wolfaran und Arnbrecht wie seine Brüder, und nicht wie sein Schwertvater und sein Mitknappe. So viele Jahre trennen die drei auch nicht im Alter.

Wehmut machte sich breit, als Wolfaran mit Arnbrecht im Schlepptau, ins Zimmer eintraten. Wollte Alrik diese Gemeinschaft nach dem Ritterschlag wirklich verlassen? Oder nahm er Wolfarans Angebot an? Ein Anstellung als Secretarius in der Verwaltung für Eich- und Wägewesen. Staubtrockende Tage und feuchtfröhliche Nächte, dachte Alrik Herdan.

Wolfaran und Arnbrecht waren ebenfalls galant gekleidet. „Die Rothaarige gehört heute Abend mir, also Finger weg.“ ,sprach Alrik Herdan in deren Richtung. Wolfaran und Arnbrecht äfften ihn nach. Alle drei kugelten sich fast vor Lachen.

Kleidung geradegerückt, Parfüm aufgetragen und so zogen die drei los ins Elenviner Nachtleben.

Wie drei Brüder.