Die strenge Mutter

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Alabrecht von Eychgras schlief schlecht. Immer wieder war da dieser Traum. Eine Gans flog aufgeregt um seinen Tempel herum. Wütend sah sie aus, warnend war ihr Geschnatter. Er wusste auch warum. Die Menschen hier in Hommern huldigten ihr nicht. Der Wald war ihnen wichtiger als das Herdfeuer. Der Gewinn wichtiger als das Teilen. Und die Lust wichtiger als Treue. Überall war Sünde doch die Menschen und vor allem er selbst verschlossen ihre Augen. Dann läutete die Glocke ...
Das war neu. Bislang hatte der Traum anderes geendet. Normalerweise flog die Gans am Ende von dannen und Flammen verzehrten ihren heiligen Ort. Die Glocke verstummte nicht.
Alabrecht fuhr auf. Die Glocke war nicht in seinem Traum. Es war die Tempelglocke, die läutete. Noch immer. Erlaubte sich jemand einen Spaß? Nur er durfte die Glocke läuten. Es sei denn ...
Eilig sprang er von Bett, lief aus dem Haus.
Ungläubig blieb er stehen. Der Wald rund um Hommern brannte. Nicht nur an einer Stelle, sondern fast um das gesamter Dorf herum. Ein Mädchen stand an der Glocke, zog wie von Sinnen an der Schnur, so als würde der Klang das Feuer eindämmen können. Alabrecht ließ sie gewähren. "Wir sind fast eingeschlossen", rief ihm jemand zu.
Alabrecht erkannte Elaos, der im rußverschmierten Gewand an ihm vorbeilief.
Der Geweihte sank auf die Knie. Er hatte den Hinweis der Göttin nicht verstanden. Seit Wochen warnte sie ihn. Und er sich nur über seine schlechten Träume geärgert. Er hörte das Schreien der Menschen, spürte ihre Angst.
"Mutter Travia, ich bitte Dich auf Knien dieses Dorf zu verschonen. Ich war blind und habe Deine Warnung nicht verstanden. Ich war blind und habe all die Verfehlungen nicht sehen wollen, welche die mir Anvertrauten an Dir begangen haben. Ich war blind und habe mich in meiner Blindheit niedergelassen.
Mutter Travia, ich bitte Dich. Verschone sie und nimm mein Leben."
Alabrecht hörte in sich hinein. Hatte ihn die Göttin erhört? Er hustete. Öffnete die Augen.
Rauchschwaden zogen durchs Dorf, Menschen liefen umher, schleppten Eimer. Die Göttin zeigte sich nicht. Alabrecht senkte den Kopf, spürte Tränen auf seinen Wangen. Dann erhob er sich. Die Göttin hatte ihren Teil bereits getan. Er hatte gefehlt, als war es nun an ihm zu handeln.
Er rannte zurück ins Haus und holte seinen Eimer.

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Texte der Hauptreihe:
K1. Die strenge Mutter - Teil 1
1. Tra 1038 BF
Die strenge Mutter - Teil 1

Kapitel 1

Die strenge Mutter - Teil 2
Autor: Goswin