Die groß-garetische Heerschau - Zweifelfelser Zweifel

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Burg Zweifelfels, Anfang Rondra 1038 BF:

Es war schon spät am Abend, die meisten Burgbewohner der altehrwürdigen Feste schliefen bereits. Nur im Wächtersaal des Bergfrieds flackerte noch ein fahles Licht, fast schon tänzelnd in der lauen Sommernacht. An einem Tisch saß Baron Debrek Rondrawin von Zweifelfels, den Kopf auf seine beiden Hände gestützt. Er schien sichtlich müde. Um ihn herum hatten sich sein engster Vertrauter aus alten Tagen Radegund von Luring-Cronenfurt, der Hauptmann der Zweiflinger Grenzwächter Yendar Leodan von Zweifelfels und dessen Stellvertreter Radulf von Hohenfels versammelt.

„Ich würde vorschlagen für die groß-garetische Heerschau sollten wir die I., III. und IV. Lanze der Grenzwächter abkommandieren.“ Radulf schaute seine Gegenüber an.

„Recht so, die II. Lanze ist bekanntlich anderweitig eingesetzt und Yandare wird mit ihrer Lanze unsere Heimaterde verteidigen.“ Yendars sonore Stimme ließ auch Debrek wieder aufhorchen.

„So sei es! Die Landwehr wird zusätzlich die göttergefällige Ordnung in meinen Landen gewährleisten.“

„Kommen wir nun zu der Frage, wer die Truppen zur Heerschau begleitet und wer bei den Heimatverbänden bleibt.“ Einen Augenblick zauberte sich ein spitzbübisches Lächeln auf das Gesicht des Ritters, wusste er doch, dass er als Hausritter des Barons seinen Herren und Freund in die Schlacht folgen wird.

Yendar warf Radegund einen strafenden Blick zu. „Meine Pflicht als Hauptmann der ehrenwerten Zweifelfelser Grenzwächter gebietet es, meinen Baron in die Schlacht zu folgen.“

„Folglich wird Radulf hierbleiben.“ Der Cronenfurter schaute den Genannten keck an.

„Debrek, ich muss ...“

„Ich habe mich bereits entschieden“, unterbrach der Baron den Hohenfelser, „Yendar wird mich begleiten und du Radulf, wirst die Ehre haben die Heimatverbände zu kommandieren und für die Sicherheit in meinen Landen während meiner Abwesenheit zu sorgen.“

Radulf machte eine säuerliches Gesicht und hob an etwas zu sagen, unterließ es aber dann doch. In dieser Angelegenheit war mit Debrek nicht zu reden.

„Mich beschäftigt vielmehr dieses hier“, Debrek deutet auf die Briefe vor ihm, „Die Natter will die groß-garetische Heerschau in Hartsteen abhalten, während mein geschätzter Freund Nimmgalf für Gareth plädiert.“

„Deine Frau Mutter ist für ihre Heimat Hartsteen“, entgegnete Radegund.

„Mit Verlaub, aus falsch verstandener Heimatliebe wie mir scheint“, warf Yendar grummelig ein, „Sie scheint nicht bedacht zu haben WER diesen Vorschlag ins Spiel gebracht hat.“

„Hartsteen ist nicht der richtige Ort für die Heerschau, da stimme ich dir zu, aber wenn Gareth, wo genau?“

In diesem Augenblick öffnete sich mit einem Mal polternd die schwere Eichentür des Wächtersaales und ein unerwartet kühler Luftzug strömte in den Raum und ließ die Anwesenden erschauern. Im Türrahmen stand unvermittelt Nartara Rondratreu von Zweifelfels und starrte die Männer finster aus ihren stechenden hellgrünen Augen an. Stille, keiner wagte es ein Wort zu sagen.

„Debrek, dein Pferd wartet unten auf dich, wir brechen umgehend auf. Du musst die Zwiefelsen befragen, dann wirst du die Antworten auf deine Fragen gekommen.“

Debrek folgte wortlos der geheimnisvollen Junkerin von Zyrbelstein. Auch Radegund wollte sich erheben, doch genügte ein Blick der sogenannten Hexe im Kettenhemd und er ließ sich wieder auf seinen Stuhl zurück fallen.

Yendar blickte gedankenverloren in das flackernde Licht. Nartara hatte sich in den letzten Monden vermehrt in die Familienangelegenheiten eingemischt und niemand schien ihr wiedersprechen zu wollen - oder können. Yendar machte da kein Ausnahme. Ja, vielleicht war es an der Zeit sich alter Traditionen zu besinnen.