Die groß-garetische Heerschau - Ars Geomantiae

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Ereignis:
Cantzler Horulf von Luring versucht vermittels Geomantie den besten Ort einer garetischen Heerschau herauszufinden.
Datum:
19. Hes 1037 BF
Betrifft:

Staatscantzeley, Gareth, 19. Hesinde 1037 BF

»Danke, dass Ihr gekommen seid«, eröffnete Cantzler Horulf von Luring die Runde. »Ich habe Eure Berichte gelesen und die nötigen Schritte unternommen. Zwar hätte ich gern einem Heerführer die Organisation der Heerschau übergeben, aber Kriegszüge sind zu wichtig, um sie Militärs zu überlassen.«

Die Angesprochenen nickten. Es waren dieselben Ratgeber, die Luring vor ein paar Wochen mit den Modalitäten der Heerschau beauftragt hatte: der Landobrist der Kaisermark Marbert von Isppernberg, der königlichen Bannerträger Gerobald Leuhold von Ruchin und die königliche Brotmeisterin Treumunde von Eychgras. Sie hatten zum Zeitpunkt der Heerschau so viel zusammengetragen, wie die Folianten, Schriftrollen, Himmelskarten und die wenigen Informanten hergaben über Sterne, Schicksal und ›den richtigen Augenblick‹.

»Was haben wir zum Ort der Heerschau?«, fragte Luring in die Runde.

»Wenig genug«, antwortete die Brotmeisterin. »Diese Nandus-Sache kam zur Unzeit. Zum Thema ›richtiger‹ Ort ist mir oft der Weg zum Hesinde-Tempel in Wasserburg oder zum Nandus-Tempel in Dornensee gewiesen worden.«

»Eslamsgrund«, korrigierte Luring missmutig. »Der ist jetzt in Eslamsgrund.«

»Genau. Jedenfalls: verschlossene Türen.« Treumunde breitete eine Karte Garetiens auf dem Tisch in der Cantzley aus. »Egal. Ich habe hier ein paar Orte bekannter Heerschauen markiert. Der bekannteste dürften die Silkwiesen sein. Hier hat König Brin seine Getreuen versammelt, als es gegen Ansiwn ging. Wurde dann auch Ort der Schlacht. Sehr ungewöhnlich.«

ArsGeomantiae TreumundesKarte.png

»Hm?«, hakte Ruchin nach, indem er die linke Braue hob.

»Heerschau und Schlacht sind selten am selben Ort.« Treumunde fuhr fort: »Serrinmoor war Ort der Heerschau für den Greifenzug. Ein Sieg, aber kein überzeugender.«

»Was ist mit den größeren Schlachten der Vergangenheit?«, wollte Luring wissen.

Isppernberg antwortete: »Vor Eslamsbrück war es Praske in Ostdarpatien. Niederlage. Knapper Sieg hingegen Pulverberg bzw. Burg Mersingen vor der Dritten Dämonenschlacht. Wobei die garetischen Streitmächte sich ja nicht zwingend am selben Ort treffen wie das Reichsheer. Vor Mythraelsfeld beispielsweise sammelte man sich in Pulth. Große Niederlage«

»Was ist mit dem Orkenzug?«

»Da gabe es keine reguläre Heerschau. Dennoch ein Sieg.«

»Und bei den Schlachten der Kaiserlosen Zeiten?« Luring löcherte weiter.

»Vor der Ogerschlacht sammelten sich die Garetier bei Alfenmohn, man sagte abwer ›bei Gareth‹. Wir haben ein paar lokale Orte für Heerschauen der Kaiserlosen Zeit. Dann ausgerechnet Marano für den Feldzug, der in der ›Großen Havarie‹ endete. Fiasko«, fasste Isppernberg zusammen.

»Das ganze hat sich ja aus den Berichten schon abgezeichnet«, stöhnte Luring. »Die Vorbilder aus der Geschichte sind entweder nicht aussagekräftig oder unbekannt. Oder der anschließende Feldzug endete im Desaster. Deshalb habe ich meine Drossel auf den mystischen Weg angesetzt.« Er läutete die Tischglocke, und eine schlanke Rothaarige huschte geschmeidig mit ein Papieren im Arm in den Raum. Lurign nahm die Papiere: »Das hier ist ein Buch, was die Drossel auftreiben konnte, obwohl das Geweihtenvolk die Regale verschließt: ›Ars Gemonatiae‹ von einem gewissen Feqzail Al'Tashatti aus Fasar, veröffentlciht 1027 BF. Hört zu:

Kapitel III - Sumus Adern

Neuere Untersuchungen (Masraid, Fasar 984 BF und Liscom, ebenda 991 BF), führen die Theorie Niobaras über die sogenannten Kraftlinien aber mit dem maraskanischen Modell der Drachenlinien zusammen. Auch wenn ein anerkannter experimenteller Beweis dieses Zusammenhanges zur Zeit noch aussteht, kann man sowohl die Ereignisse zu Dragenfeld 1015 als auch den aktuellen Forschungsstand zu den Dunklen Pforten (Aliscaria, Warunk 1002) als hinreichende Untermauerung der Thesen verstehen.

Wie aber kann man diese von Masraid "Sumus Adern" (bzw. tul. "Damarzumu") genannten Linien nutzen? Niobaras Theorie der Knotenpunkte ist aus dem Selbstverständnis des Magierstandes nur auf jene Verbindungen beschränkt, die mittels magischem Auge entdeckt werden können, aber es gibt auch Adern der Urgöttin, die vom Nayrakis unberührt tief in den Landen verborgen sind.

Doch gerade diese sind die Kräfte, denen man sich sicher und ohne Madas Frevel bedienen kann. Diese sind die Linien, deren Auswirkungen sich in den alten Bräuchen der Völker wiederfinden, wenn zum Beispiel der neue Lehensherr das Blut eines prächtigen Stieres in den Boden vergießt oder an altem Steine den Schwur auf das Land leistet.

und später heißt es im gleichen Kapitel:

Als weiteres Beispiel mag die Verkündung des Heerbannes am "Grafenthurm" im Schlunde genannt werden, ein traditioneller Verkündungsort, an dem erwiesenermaßen bereits die frühen Zwergenhäuptlinge in den Trollkriegen zum Kriege aufriefen (vgl. "De Bello Trollico"), um die Kraft der der heimatlichen Scholle mit in die Ferne zu nehmen.

Einer ähnlichen Tradition folgend sucht die Krone Garetiens, wenn möglich, vor einer Schlacht immer einen besonderen Ort, der die Kraft des Landes auf die Heerschau eines bevorstehenden Krieges überträgt. Der Ort wechselt in dem Glauben, das eine solch große Macht nimmer zweimal an der gleichen Stelle aus den Damarzumu genommen werden könne.

So ließ also Reto seine Garetier vor den Toren Grafensteins aufmarschieren, bevor sie sich mit den später in Maraskan erfolgreichen Truppen der anderen Provinzen vereinigten, und auch sein Sohn Hal versammelte die Garetier in dieser Tradition auf der gleichen Ader weiter östlich gen Maraskan zu Grambusch und war ebenfalls siegreich. Eine Untersuchung eben dieser beiden Punkte mit geomantischen Wurfstäbchen aus der Thalusa-Schule (Dequira, 1009) deutet stark daraufhin, dass diese Linie mit der Tuzak-Linie identisch ist, eine Linie, die in der klassischen magischen Kartographie eben gerade nicht erkennbar ist.

Es braucht auf der anderen Seite nur ein Beispiel aus dem Themenkreise, dass die Bedeutung einer solchen Ortswahl unterstreicht. Bodar III. ließ seine Truppen ganz ohne Aufmarsch im eigenen Land direkt zu den Schiffen der Westflotte marschieren. Der Ausgang, die Große Havarie, ist dem Leser bekannt.«

Luring beendet die Lesung und schaute seine Berater an. Ruchin rührte sich als erster: »Ja, klingt wichtig, sollten wir nicht vernachlässigen. Aber eigentlich brauche ich einen, der mir das nochmal erklärt«

»Tja, darum werden wir nicht herumkommen …«