Die Würfel sind gefallen – Ein Abschied und ein Versprechen

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Ritterherrschaft Praiosborn, Donnerhof, 2. Travia

„Es ist wirklich nicht weit“, versuchte Yolande von Raukenfels nicht zum ersten Mal die Geweihte zu beschwichtigen. Die Nacht hatten sie Seite an Seite verbracht. Die ganze Nacht. Nun war der Morgen bereits fortgeschritten und es war Zeit zu gehen, doch der Abschied war ungewohnt schwer. Innerhalb einer Nacht war aus der Fremde eine Vertraute geworden.

„Kaum fünf Meilen, Ihro Gnaden“, schloss sie nun und nickte um ihre Worte zu bekräftigen.

„Trotzdem...“, Nurinai ni Rían war noch immer nicht so recht überzeugt, „... lasse ich Euch und Nebelstreif nur ziehen, wenn Ihr mir versprecht besondere Umsicht walten zu lassen und vorsichtig zu sein...“

Yolande musste lächeln und stieg in den Sattel. Das Leder knarzte leise. „Das verspreche ich Euch gerne, Ihro Gnaden.“

„Und...“, fuhr die Geweihte fort, „... mir eine Nachricht zukommen zu lassen, falls so etwas noch einmal vorkommen sollte.“

„Auch das, Ihro Gnaden...“, noch immer lächelte die Raukenfelserin versonnen, „... will ich Euch gerne versprechen.“

„Gut“, die Geweihte nickte, „Dann begleite ich Euch noch bis nach Praiosborn.“

Da lachte die Raukenfelserin auf: „Ihr wollt wohl sehen, ob ich mein Versprechen halte.“

„Schon möglich“, kommentiert die Geweihte lächelnd, „Ihr solltet es Euch nicht mit einer Dienerin des Herrn des Todes verscherzen. Mein Herr ist da sehr nachtragend...“

Die beiden Frauen brachen auf. Yolande ritt auf Nebelstreif. Nurinai auf Mors. Sie schwiegen. Bis der Abschied nahte.

„Habt Dank für Eure Hilfe“, hob die Raukenfelserin an, „Ich weiß nicht, was ich ohne Euch getan hätte...“

Die Geweihte schaute sie stumm an.

„Es müssen die Götter gewesen sein, die Euch geschickt haben. Ganz sicher, die Götter waren es.“

Ein zaghaftes Lächeln zog sich über das Gesicht der Geweihten.

„Die Euch zur rechten Zeit an den rechten Ort geschickt haben.“

„Oder Euch.“

„Oder mich.“

„Seid vorsichtig, hört Ihr?“, bat Nurinai.

„Wegen mir oder Nebelstreif?“, scherzte Yolande. Nun umspielte ein vielsagendes Lächeln die Gesichtszüge der Geweihten.

„Ich...“, hob die Reiterin nun da an, „Ich... ich könnte Euch ja auch einfach so schreiben. Ganz ohne Grund.“

„Das könntet Ihr“, pflichtete Nurinai ihr bei.

„Oder... oder Euch besuchen. Ganz ohne ein krankes Pferd. Schließlich ist es nicht weit bis nach Vulperauen.“

„Kaum fünf Meilen?“

„Kaum fünf Meilen.“

„Ja, auch das könntet Ihr gewiss tun, Frau von Raukenfels.“

„Und... und vielleicht... ja, vielleicht könntet auch Ihr mir... schreiben?“

„Das könnte ich.“

„Und vielleicht... ja, vielleicht könntet Ihr mich auch besuchen?“

„In Samlor?“

„In Samlor.“

„Euch und Eure beiden Söhne?“

„Mich und meine beiden Söhne.“

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Texte der Hauptreihe:
K8. Ein Abschied und ein Versprechen
K9. Bleib!
K10. Geht!
2. Tra 1042 BF
Ein Abschied und ein Versprechen
Überschätzte Männer

Kapitel 8

Bleib!
Autor: Orknase