Die Spur der Bekenner – Badgeflüster

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Königliche Therme, Hochnjerburg, Königlich Neerbusch, 30. Ingerimm 1041 BF

Das wohltuend warme Wasser der heilsamen Quelle ließ auch Praiosmar von Hinn sichtlich entspannen. Es war, als würde der ganze Ballast der letzten Tage und Wochen von ihm gewaschen werden. Ihm war nun klar, warum so viele Adlige die von den lieblichen Göttinnen gesegnete Quelle aufsuchten. Doch war es nicht nur das heilende Nass was Hinn in das steinerne Becken trieb, sondern die zweite, für ihn viel wichtigere Fähigkeit des Wassers – es lockerte die Zungen.

Die königliche Bademeisterin und Gemahlin des Kronvogtes Ardare Rondriane von Trenck schenkte dem ehemaligen großgaretischen Marschall der Schlacht von Zwingstein nur zu gerne ihre Aufmerksamkeit. Freimütig ließ sie ihn an ihrem Wissen über die anderen Badegäste teilhaben.

„Seht her, mein stattlicher Marschall.“ Der Klang ihrer Stimme schien ein Geschenk der holden Rahja höchstpersönlich zu sein. „Die alten und feisten Männer dort drüben.“ Die Rahja-Geweihte deutete auf die Junker Aurentian von Nuzell, Ellerding von Königslinden, Klabor Simming von Wingeren und Eberhelm von Garnelsand. „Diese Altherrenrunde findet sich in regelmäßigen Abständen hier zur Sommerfrische auf der Hochnjerburg ein ... um ihre von Völlerei gichtigen Knochen zu kurieren. Dabei bringen sie stets die neuste Kunde aus der Kaisermark. Welch glücklicher Umstand für meinen Gemahl, findet Ihr nicht auch?“

„Ach und dort drüben“, die Miene der königlichen Bademeisterin verfinsterte sich für einen Moment. Nahe dem dreiköpfigen Brunnen sah Hinn zwei Frauen in trauter Zweisamkeit. „Die einen halten die Tannwirker Marktvögtin Samaria von Quellgrund wegen ihres aparten Äußeren für eine der schönsten Frauen Waldstein, nun ja, ich finde sie ja eher gewöhnlich. Nicht war? Genauso wie diese Hirschfurter Stadtadlige Aldessia von Zorbingen. Wie ich hörte, soll es im Umland der Reichsstadt Hirschfurt, im sogenannten Schwanenbruch, kürzlich zu einem Aufstand der Torfstecher gekommen sein. Selbstverständlich wurde diese von Aldessias Vater, dem Torfgrafen, blutig niedergeschlagen. Mit den Zorbingen ist nicht zu spaßen, dass sagen ich Euch.“

In diesem Moment betrat die alterslos schöne Molvena von Mersingen den Raum. Die Alt-Baronin von Leihenbutt hatte sich bei Storko von Hohentann eingehakt. Gefolgt wurden die beiden von Molvenas Tochter Antara-Irmegunde von Hirschfurten und Storkos Sohn Alrik Raul von Hohentann.

„Na seht Euch die Mersingen und den Hohentann an, ob bei ihren Kindern wohl bald das Gänsegeschnatter ins Haus steht? Wo können besser Bündnisse geschlossen werden als im Bade, unter dem wohlwollenden Augen der holden Rahja? Ein freudiges Ereignis wäre den Hohentanns auch zu wünschen, schließlich wurde Storkos Schwester von diesen Ketzern umgebracht. Wie abscheulich.“

„Ah und da haben wir die stets galanten Junker Bernfried von Hagenbronn und Welf von Breitefurten.“ Die Rahja-Geweihte nickte den beiden Herren mit einem liebreizenden Lächeln zu. „Breitefurten erzählte mir gestern, dass der Hofkaplan des Waldsteiner Grafenhofes auf dem Weg nach Serrinmoor sei, um Untersuchungen anzustellen. Welche Art konnte er nicht sagen.“

Hinter einem Vorhang trat unvermittelt ein Mann mittleren Alters mit blassem Gesichtsausdruck hervor.

„Ihro Gnaden, Junker Ernbrecht von Zankenblatt hat nach Euch verlangt, er sagte es sei dringend.“ Mit Blick auf Hinn fügte er hinzu: „Verzeiht meine Unhöflichkeit, mein Name ist Darion von Düllerwüben.“ Hinn nickte unverbindlich und stellte sich ebenfalls vor.

„Marschall Hinn, ich muss Euch leider verlassen, aber ich bin mir sicher wir werden uns bald wieder sehen.“ Sprach sie, erhob ihren nackten Körper und verließ das wärmende Becken. Natürlich nicht ohne alle Blicke der Anwesenden auf sich zu ziehen.