Die Schlacht der Drei Kaiser - Teil 4

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Die Schlacht der drei Kaiser – Teil 4

Die Avesfelder vor Gareth, 15. Phex 35 Hal:

Es war der Morgen des 15. Phex 35 Hal. An diesem Tage sollte Geschichte geschrieben werden. Nimmgalf von Hirschfurten hatte seine berittene Schar Reichsforster Soldaten, größtenteils Kürassiere auf mittelschweren Rössern, darunter auch 10 schwerer gepanzerte Ritter mit Kriegslanze, auf Befehl des Reichsmarschalls Leomar vom Berg südwestlich hinter dem Gros der Truppen aufgestellt. Der Baron zu Hirschfurten ließ seine finsteren Blicke über Answins Schlachtreihen schweifen. Er sah dort Greifenfurter Truppen neben Schwadronen aus dem Kosch. Zudem hatte Leomar Reste versprengter Gardetruppen gesammelt und im Zentrum zusammengeführt, um eine schlagkräftige Durchbruchseinheit zu bilden. Weiter südlich hatten er und Lutisana von Perricum mehrere Regimenter von wild zusammen gewürfelten Landwehrsoldaten positioniert. Einen verwegeneren Eindruck machten die Söldnerbanner, die dem direkten Befehl Lutisanas unterstanden: tulamidische Reiter, horasische Pikeniere, almadanische Elitesöldner mit Boronssicheln, ja sogar ein Halbbanner Al’Anfanischer Doppelsöldner konnte er ausfindig machen.

Sein schwarzer Tralloper Riese Finstermähne, mit dem er nicht nur zahllose Turniere, sondern auch schon so manche Schlacht gewonnen hatte, war in einen speziell für ihn angefertigten Pferdeharnisch gehüllt. Das kräftige Schlachtross war es gewöhnt schwere Lasten zu tragen. Nun schnaubte es leicht in Erwartung des baldigen Schlachtbeginns. Nimmgalf, selber in seinen blinkenden Garether Plattenharnisch gerüstet, tätschelte ihm den Nacken. „Ruhig – mein Freund! Noch ist es nicht so weit. Hab noch Geduld.“ Er selbst fühlte sich auch ruhiger bei diesen Worten und hauchte seinen Atem mit leichten Atemstößen in die frostige Morgenluft. Als er zu einem letzten Ritt vor der Schlacht zum Feldherrenhügel antrabte, kam er auch an den verbliebenen Schwadronen der Goldenen Lanze vorbei – der garetischen Eliteeinheit, in der er selber auch eine zeitlang als Rittsmeister gedient hatte. Doch eines schicksalhaften Tages hatte er sich mit dem Regimentskommandeur und heutigem Marschall Garetiens Ugo von Mühlingen, der der Kopf der ihm so verhassten Pulethaner war, überworfen. Um damals sein Gesicht zu wahren, musste er sein Abschiedesersuchen einreichen – eine Schmach, die er ihm bis heute nicht verziehen hatte. Damals hatte der Baron vorgegeben, sich künftig nur noch seinem Lehen Leihenbutt widmen zu wollen. Nimmgalf wünschte, er hätte sein damaliges Vorhaben vehementer in die Tat umgesetzt. Jetzt herrschte in Leihenbutt eine Frau, die er einst liebte und nun zutiefst hasste: Simiona, seine Gemahlin – noch.

Nimmgalf warf dem Marschall im Vorbeireiten einen grimmigen Blick zu. Von Mühlingen hatte sich von Answin „kaufen“ lassen. Angeblich war die Rede vom künftigen Grafentitel zu Wehrheim – Answins alte Grafschaft.

Die einst so stolze Stadt Wehrheim war heute nur noch ein Trümmerhaufen, und auch der Rest der Grafschaft hatte unter der Invasion der schwarzen Horden schwere Schäden erlitten und dabei einen bitteren Blutzoll zahlen müssen. Nimmgalf beneidete den Mühlinger keineswegs dafür, bald der Graf eines verlorenen Landes zu werden, schließlich hatte er mit eigenen Augen gesehen, wie schlimm die Verwüstungen waren. Freiwillig würde er dorthin nicht zurückkehren wollen.

Der Baron besann sich wieder auf das Hier und Jetzt. Das Schicksal hatte es so gefügt, dass sein alter Widersacher von Mühlingen eine ganz ähnliche Rolle in der Schlacht spielen sollte wie er: bis zuletzt in der Hinterhand zu bleiben, um dann im richtigen Moment zuzuschlagen und dem feindlichen Heer den Todesstoß zu versetzen. Und das gegen Rohaja – seine Königin, der er einst die Treue geschworen hatte.

Der Unterschied zu von Mühlingen war nur, dass er nicht aus Profitgier oder Hoffnung auf Macht und Ruhm für Answin focht, sondern um seine Ehre und die Ehre seiner Familie zu bewahren. Denn er hatte Answin selbst die Treue geschworen, und so den Eid seines Onkels Radulf erneuert, was er diesem auf seinem Sterbebett versprochen hatte. Und weil Ugo aus reiner Gier Verrat begonnen hatte, hasste Nimmgalf ihn dafür umso mehr.

Er bemerkte, dass der Mühlinger ihn kaum zur Kenntnis nahm – offenbar hielt er die Kampfstärke der Reichsforster Liga für zu gering, um schlachtentscheidenden Einfluss haben zu können. In Nimmgalf wuchs verhaltener Zorn heran: „Auch wenn es das Schicksal so gefügt haben mag, dass wir in dieser Schlacht auf derselben Seite stehen, und die Goldene Lanze und die Reichsforster Liga gemeinsam den letzten Angriff gegen die Königin führen werden, so werdet Ihr, von Mühlingen, doch niemals die Genugtuung haben, die Königin Garetiens bezwungen zu haben, denn das werde ich zu verhindern wissen – koste es was es wolle! Hab ich auch dem Kaiser meine Loyalität zugesichert, so werde ich doch nicht zulassen, dass unsere Königin unter Eurer Hand zu Schaden kommt“, dachte Nimmgalf verbittert. Er wusste, dass er damit eine Anklage vor dem Kriegsgericht provozieren könnte, doch er war bereit, dieses Risiko in Kauf zu nehmen – das war er Rohaja schuldig.

Schließlich erreichte er den Feldherrenhügel. Dort war bereits ein Lazarett errichtet worden. Neben einigen Medici und Therbûniten waren auch einige Magier der „Magischen Rüstung zu Gareth“ anwesend, um bei der Heilung der Verletzten zu helfen. Auch ein paar Rondra-Geweihte waren zugegen, wohl um die Gebote der rondrianischen Ehre in der Schlacht zu überwachen, schließlich hielten sich die Geweihten der Kriegsgöttin aus politischen Konflikten weitestgehend heraus.

Nachdem Nimmgalf vom Oberbefehlshaber Leomar vom Berg letzte Instruktionen erhalten hatte, kehrte er zu seiner Einheit zurück, während Answin, Leomar und Ludeger von Rabenmund aufs Schlachtfeld ritten, um sich dort mit Rohaja und ihren Getreuen zu treffen und letzte Verhandlungen vor der Schlacht zu führen, wie es das alte Gesetz der Kriegsführung gebot. Nimmgalf hatte jedoch wenig Hoffnung, dass die Verhandlungen irgendeinen Erfolg haben könnten. Bei seiner Einheit angekommen instruierte er seine Unteroffiziere mit den letzten Befehlen vor der Schlacht. Dann begab er sich auf seinen Anführerposten und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

Texte der Hauptreihe:
K1. Teil 1
K2. Teil 2
K3. Teil 3
K4. Teil 4
K5. Teil 5
K6. Teil 6
K7. Teil 7
K8. Teil 8
K9. Teil 9
K10. Teil 10
15. Phe 1028 BF
Teil 4
Teil 3

Kapitel 4

Teil 5
Autor: INa